Autokamera: Big Brother fährt mit

Saab Automobile AB entwickelt zurzeit ein System, dass dem Fahrzeuglenker helfen soll, die Konzentration auf den Verkehr zu lenken. Zwei Infrarot-Minikameras im Fahrzeug haben dazu die Bewegungen von Kopf und Augen im Blick.

Wer kennt das nicht: verzweifelt fingert man im Auto nach seiner Lieblings-CD – denn die ist mal wieder in die äußerste Ecke im Fußraum des Beifahrers gerutscht, und plötzlich ist es da – das andere Auto. „Es kam aus dem Nichts, ich habe es einfach nicht gesehen“, lautet dann die Erklärung nach einem Unfall oder Beinahe-Crash. Nicht genug, dass Straßenverkehr, speziell in Ballungszentren sowieso schon Stress pur ist: Der lange im Hals im Sommer nach dem kurzen Rock auf dem Bürgersteig, die Suche nach der Hausnummer, der Elch am Straßenrand, das aufreizende Plakat für Eiswerbung oder die schnell notierte Notiz auf dem Schoß: all das lenkt den Fahrer eines Fahrzeugs zusätzlich ab.

Doch sollen diese und andere unzählige Unachtsamkeiten künftig nicht mehr zu Unfällen führen, wenn es nach den Plänen des schwedischen Autobauers Saab geht. Gemeinsam mit der auf optische Systeme spezialisierten Firma Smarteye AB entwickeln die Skandinavier zurzeit ein Fahrer-Warnsystem, das die Unfall-Risiken in verschiedenen Bereichen, die durch menschliches Versagen verursacht werden, reduzieren beziehungsweise völlig ausschalten soll. Die Funktionsweise dieses Systems beruht auf den tatsächlichen und nicht auf den theoretisch richtigen Aktionen des Fahrers. Es unterstützt die Konzentration des Wagenlenkers auf den Straßenverkehr, indem es Kopf- und Augenbewegungen registriert und ein Warnsignal ertönen lässt, wenn der Fahrer offenbar abgelenkt ist und sich das Risiko eines Unfalles erhöht.

Auch Bremstests unterstreichen, wie wichtig die volle Konzentration auf den Straßenverkehr ist, um in einer kritischen Situation schnellstmöglich die richtige Maßnahme einleiten zu können: Viele Fahrzeuge legen bei einer Vollbremsung von 100 km/h auf null noch immer einen Bremsweg von deutlich über 40 Metern zurück – und schon bevor das Bremspedal überhaupt getreten wurde, verstreichen wichtige Sekundenbruchteile, die den kompletten Anhalteweg von der Wahrnehmung der kritischen Situation bis zum Fahrzeugstillstand zusätzlich verlängern.

Beim Fahrer-Warnsystem von Saab werden im Fahrzeug zwei Infrarot-Minikameras installiert. Sie registrieren die Kopf- und Augenbewegungen des Fahrers. Sobald der Fahrer seinen Blick aus dem von Saab so bezeichneten „Hauptaufmerksamkeitsbereich“ – der Mitte der Windschutzscheibe direkt vor dem Fahrer – abschweifen lässt, startet ein zeitlicher Countdown: Kehren die Augen und der Kopf des Fahrers nach zwei Sekunden nicht wieder in die optimale Geradeaus-Richtung zurück, ertönt ein akustisches Signal. Sollte daraufhin immer noch keine Reaktion erfolgen, löst das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) einen Bremsbefehl aus.

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