Die Hersteller von Handys versuchen heutzutage PDA-Anwendungen, Foto- und Videoaufnahme-, Musikwiedergabe- und Telefonfunktionen in ein kleines Gerät zu quetschen, ohne Rücksicht auf die unterschiedlichen Abmessungen zu nehmen, die für all diese Optionen erforderlich sind. Nokia, seit langen für seine radikalen Designs bekannt, hat nun mit dem N90 einen großen Schritt zur Lösung dieses Konflikts zwischen Form und Funktion unternommen.

Anstelle der üblichen kosmetischen Kompromisse weist das Nokia N90 großzügige Dimensionen auf, die Raum für eine 2-Megapixel-Digitalkamera, die MPEG-4-Video- und die MP3/AAC-Audio-Wiedergabefunktionen bieten. Dieser Ansatz ist zwar nicht in jeder Hinsicht ganz gelungen, aber in jedem Fall interessant. Mit einem Preis von 719 Euro ohne Vertragsbindung ist das allerdings recht teuer.

Design

Das in einem Metallic-Gehäuse untergebrachte aufklappbare Nokia N90 ist mit zwei Gelenken versehen: Die Baugruppe mit dem Kameraobjektiv von Carl Zeiss sitzt auf dem Klappgelenk, und an der Oberkante befindet sich das Display. Wenn man das Handy horizontal hält, so dass man auf das 1,5-Zoll-Display schaut, kann man die Objektivbaugruppe um 90 Grad drehen und aus dem N90 wird technisch wie physisch eine Digitalkamera. Das einzige Problem sind der Auslöser und der Multifunktionsjoystick, die außen an dem N90 angebracht sind und nun mit der linken statt mit der rechten Hand bedient werden müssen. Man muss also bei der Aufnahme mitunter über die Objektivbaugruppe hinweg greifen, wobei man leicht an das Objektiv stößt oder dieses abdeckt. Außerdem hat man das Gerät nicht sicher in der Hand, was mitunter zu verwackelten Bildern führen kann.

Klappt man nun den Bildschirm um 90 Grad nach oben und dreht ihn um weitere 90 bis 100 Grad, wird automatisch die MPEG-4-Camcorderfunktion aktiviert. Dank der beiden Gelenke von LCD-Bildschirm und Optikbaugruppe kann man von nahezu jeder Position aus Aufnahmen machen.

Abgesehen von all den Dreh- und Schwenkfunktionen weist das N90 noch weitere physische Besonderheiten auf. Zunächst einmal ist es mit Abmessungen von circa11,2 mal 5,1 mal 2,4 Zentimetern recht sperrig und mit etwa 173 Gramm auch ziemlich schwer. Sowohl der externe Bildschirm mit 65.536 Farben als auch das interne 2,1-Zoll-LCD mit 262.000 Farben sind sehr hell und bieten eine hohe Detailtreue bei geringer Bildverzögerung.

Neben dem Auslöser und dem Joystick, der bei geschlossenem Telefon auch zur Lautstärkeregelung und Navigation dient, ist der RS-MMC-Schacht (Reduced Sized Multimedia Card) untergebracht. Seltsamerweise wird die Karte seitlich eingeschoben, wobei zum Einstecken oder Herausziehen lange Fingernägel oder sehr feingliedrige Hände erforderlich sind. Auf der linken Seite befinden sich eine winzige Gleichstrombuchse und der proprietäre Nokia Pop-Port-Eingang für Headset und USB-Kabel.

Klappt man den Deckel des Handys auf, kommt eine für Nokia vergleichsweise normale Wähltastatur zum Vorschein. Bei einem so großen Telefon hätte man allerdings größere Tasten erwartet und auch die Beschriftung ist sehr klein. Die Funktionstasten sind mit ominösen Symbolen versehen, aus denen man die jeweilige Funktion nur erahnen kann. Da das drehbare Objektiv und das drehbare Display automatisch die Kamera aktivieren, gibt es keine separate Kamerataste.

Im Videomodus erleichtern zwei praktische Soft-Key-Tasten auf beiden Seiten des Hörers am oberen Ende des ausgeklappten LCD-Teils die Navigation durch die Menüs für Bildkontrolle, Einstellungen und Wiedergabe.

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