Besser als Fingerabdrücke: Venenprobe statt Autoschlüssel

Hitachi hat in Tokio ein biometrisches Verfahren präsentiert, bei dem die Blutgefäße im Finger vermessen werden. Es soll in Türgriffe eingebaut werden – weil es einfacher ist als das Abtasten von Fingerabdrücken.

Der Vollblut-Rennfahrer wird wohl zukünftig seinen teuren roten Ferrari mit dem Hilfe seiner Blutbahn öffnen. Denn das japanische Elektronikunternehmen Hitachi hat jetzt in Tokio ein Alarmsystem für Autos vorgestellt, das seinen Besitzer anhand des Venenmusters im Finger erkennt. Neu ist diese Technik gerade nicht, denn derartige Systeme sind in Japan schon bei Geldautomaten, Zutrittskontrollen oder bei der Netzwerkanmeldung im Einsatz. Und nun soll der Venen-Scan auch hochwertige Karossen gegen Diebstahl sicherer machen. „Die Fingervenen-Erkennung ist aber nicht vorgesehen, um mit herkömmlichen Finger-Print-Applikationen zu konkurrieren“, erklärt Alfred Duemlein von Hitachi High Technologies Europe.

Im Prinzip ist der Scan von Venen laut Hitachi sicherer als jener von Fingerabdrücken. Denn der Venenverlauf ist bei jedem Menschen einzigartig und Manipulationen schließen die Japaner darum nahezu aus, schließlich befinden sich die Merkmale im Inneren des Fingers und sind somit für das Auge unsichtbar. Der Venen-Scan verarbeitet zudem weniger Daten als bei einer Fingerabdrucklesung: Nur 256 Bytes pro Scan und Finger. Zum Vergleich: Die Datenmenge eines Fingerabdrucks ist etwa doppelt so groß. „Das ermöglicht uns eine sehr schnelle Verarbeitung der Daten und die Türöffnung erfolgt innerhalb einer halben Sekunde“, konstatiert Duemlein.

Der Venen-Sensor wird in den Türgriff des Autos implantiert. Dieser Griff ist zusätzlich so konstruiert, dass er die Hand beim Öffnen der Tür stets in die gleiche Position bringt. Die Finger werden dann mittels Infrarot-Licht gescannt. Das Hämoglobin in den Venen reflektiert diese Strahlen und liefert damit ein charakteristisches Bild. Die aufgenommen Informationen werden dann mit den eigenen Systemdaten abgeglichen. Stimmen Sie überein, öffnet sich die Tür. Allerdings müssen Lichtquelle und Fingerprobe sehr nahe bei einander liegen und erfordern eine Abdeckung gegen direktes Sonnenlicht.

Das biometrische Verfahren ist beim Sicherheitssektor eine Kerntechnologie des japanischen Konzerns. Seit 2000 wird an der Technologie in den Labors geforscht und gearbeitet. Nun will Hitachi den Absatz des hauseigenen Fingervenen-Identifikationssystems weltweit steigern und strebt einen Umsatz von zirka 725 Millionen Euro an.

„In Europa befinden sich noch keine derartigen Systeme im Einsatz“, sagt Duemlein. Jedoch seien einige Kunden daran interessiert und würden die Technik bereits evaluieren. Aufgrund des hohen Preises der Systeme, finden sie ihre Anwendungen überwiegend in Hoch-Sicherheits-Bereichen. Und ob das System auch bei Autos einwandfrei funktionieren wird, kann Duemlein nicht beantworten, denn die Systeme kommen normalerweise im Gebäudeinneren zum Einsatz. Ob strenge Minusgrade, Regen oder Schnee den Venencheck verhageln, muss der Praxistest erst noch beweisen.

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