Beim JVC Everio GZ-MG77 handelt es sich um den kleinen Bruder des GZ-MG505. Der Camcorder besitzt eine interne Festplatte mit 30 GByte Fassungsvermögen. Dies entspricht sieben Stunden Videomaterial der höchsten Qualitätsstufe. Bei Filmen in niedriger Aufnahmequalität passen sogar bis zu 37 Stunden auf die Festplatte – bleibt nur die Frage, wofür das gut sein soll.

Der prinzipielle Unterschied zwischen dem MG505 und dem MG77 besteht darin, dass der MG505 über drei CCD-Sensoren verfügt, der MG77 dagegen nur über einen. Ein mit drei CCDs ausgestattetes Gerät verwendet vollständig separate Sensoren, die unabhängig auf rotes, grünes und blaues Licht reagieren. Wegen dieser Farbtrennung ist die Bildqualität normalerweise höher, besonders bei schlechten Lichtverhältnissen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Single-CCD-Camcorder automatisch schlecht ist. Der MG77 kommt zwar längst nicht an die Performance des MG505 heran – es gibt aber durchaus beeindruckende Single-CCD-Camcorder auf dem Markt.

Design

Wie schon beim MG505 wird man feststellen, dass man den MG77 wegen seiner kompakten Bauweise in vielfältigen Aufnahmesituationen einsetzen kann. So kann ein solch kleiner Camcorder gut für unauffällige oder gar heimliche Aufnahmen verwendet werden. Bei der Aufzeichnung von Interviews ist ein kleines Gerät ebenfalls von Vorteil, um den Gesprächspartner nicht unnötig zu irritieren. Professionelle Benutzer stoßen jedoch auf ein Problem: Das Gerät besitzt keinen Anschluss für ein externes Mikrofon, so dass es für professionelle Reportagen kaum in Frage kommt.

Das LCD-Display des MG77 ist trotz des kleinen Gehäuses hell und deutlich. Letzteres Merkmal ist von entscheidender Bedeutung, denn das LCD ist die einzige Möglichkeit, das Aufnahmeobjekt in den Blick zu nehmen: Dieser Camcorder bringt keinen optischen Sucher mit. Das LCD lässt sich ausklappen und ist mit seinem Breitbildformat vergleichbar mit den Displays wesentlich größerer Camcorder.

Der Handgriff des MG77 ist recht bequem, selbst bei längeren Aufnahmen. Man kann sogar ganz auf den Handgriff verzichten und den Camcorder wie jeden anderen kleinen Gegenstand halten, denn er ist sehr leicht. Wie beim MG505 wird auch beim MG77 der Akku an der Rückseite des Camcorders festgeklemmt und dort auch mithilfe des mitgelieferten Netzkabels aufgeladen, sofern man sich nicht zusätzlich ein separates Ladegerät kauft. Im Unterschied zum MG505 bringt der MG77 aber keinen Zubehörschuh mit, so dass man keine externen Zubehörgeräte wie Mikrofon oder Leuchte anschließen kann.

Zum Überspielen von Videos steht wahlweise ein AV- oder S-Video-Anschluss zur Verfügung, für das Übertragen des Videomaterials auf einen Computer gibt es außerdem noch einen USB-Anschluss. Firewire-Fans haben Pech gehabt, denn ein solcher Anschluss fehlt. Das ist allerdings nicht besonders dramatisch, denn die festplattenbasierten Camcorder von JVC verwenden einen Video-Codec (MPEG-2-Format, ähnlich wie DVD-Camcorder), der nicht direkt kompatibel ist mit den wichtigsten Programmen zur Videobearbeitung wie Imovie, Adobe Premiere oder Final Cut Pro.

Ausstattung

Das zehnfache optische Zoom wirkt etwas knauserig, da billigere, bandbasierte Geräte schon bis zu 32fach zu bieten haben. Dies ist einer der Kompromisse, die man dafür eingehen muss, um ein neuartiges, festplattenbasiertes Aufnahmegerät zu haben. Der kleine 2-Megapixel-CCD-Sensor des MG77 ist zwar nicht der beste in seiner Klasse, technisch aber zu guten Videoaufnahmen fähig.

Für schlechte Lichtverhältnisse gibt es eine automatische Verstärkungsregelung, und ein „Night Alive“-Modus verlangsamt die Verschlussgeschwindigkeit. Ein vollständig manueller Modus erlaubt das Einstellen von Belichtungszeit, Verschlussgeschwindigkeit, Fokus und Weißabgleich. Da der Camcorder nur vier voreingestellte Modi mitbringt, werden fortgeschrittene Benutzer in bestimmten Situationen sicher gern auf die manuellen Einstellmöglichkeiten zurückgreifen.

Wenn Clips auf der Festplatte gespeichert werden, kann man diesen einzelnen Videosegmenten Etiketten zuweisen. Diese Markierungen erleichtern das spätere Wiederfinden bestimmter Aufnahmen, wenn man sie zur Weiterbearbeitung auf den Computer überspielt.

Fertiges Videomaterial kann mit einem normalen USB-2.0-Kabel auf den Rechner übertragen werden, entweder per Drag-and-Drop oder mithilfe der mitgelieferten Software. Wie auch andere festplattenbasierte Camcorder zeichnet der MG77 Videos im MPEG-2-Format auf. Ein solcher Codec ist allerdings besser für das Kodieren fertiger Filme geeignet denn als Zwischenformat, wenn man das Material noch weiter bearbeiten will. Der Hauptkritikpunkt bleibt, dass man dieses Videomaterial nur schwer mit Programmen wie Imovie nachbearbeiten kann.

Im Lieferumfang ist Power Director Express NE enthalten, ein auf die Grundfunktionen beschränktes Programm zur Videobearbeitung. Man kann auch andere MPEG-2-kompatible Software verwenden. Dafür muss man jedoch die Dateierweiterung von .mod in .mpg ändern, damit auch andere Programme die Dateien erkennen. Aber selbst dann kann es noch zu Problemen kommen.

Mac-Benutzer können auf das Programm MPEG Streamclip zurückgreifen, um die Videodateien in ein bearbeitbares Format zu bringen. Das ist jedoch ziemlich frustrierend. Man würde sich wünschen, JVC hätte eine elegantere Lösung für die gängigsten Bearbeitungsprogramme gefunden.

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