Nikon stellt seit der Ära der extrem erfolgreichen Coolpix 900-Serie in den späten neunziger Jahren Kameras mit drehbarem Gehäuse her. Damit kann man aus extrem hohen und aus extrem niedrigen Blickwinkeln fotografieren kann. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen in letzter Zeit auch den Umstand zunutze gemacht, dass diese Bauweise den Einbau längerer Zoomobjektive in relativ kleine Kameragehäuse erlaubt.

Das neueste Modell, die Nikon Coolpix S10, hat ein Objektiv mit optischem 10fach-Zoom, das bei einer 35-Millimeter-Kleinbildkamera einen Brennweitenbereich von 38 bis 380 Millimeter bei einer maximalen Blendenöffnung von f/3,5 abdecken würde. Damit ist es eines der schnellsten 380-Millimeter-äquivalenten Objektive in der Kompaktklasse. Außerdem bietet die Kamera einen 6-Megapixel-CCD-Sensor mit optischer Bildstabilisierung, die dabei hilft, dass man mit dem langen Objektiv nicht verwackelt. Bei Nikon wird dies Vibration Reduction genannt.

Seltsamerweise hat Nikon keine manuelle Belichtungseinstellung integriert, was diese Kamera auf eine Ebene mit Superzoom-Kameras wie der Powershot S3 IS von Canon hätte heben können. Stattdessen muss man sich, was die Belichtungseinstellung betrifft, mit den 15 Motivprogrammen der Kamera und der Belichtungskompensation von ± 2 Schritten begnügen. Es gibt auch keine Blitzkompensation, sodass man mit der von der Kamera berechneten Blitzleistung vorlieb nehmen muss – aber das wird nur ganz kleinlichen Benutzern auffallen. Im Test zeigt die S10 beim Abstimmen des Füllblitzes mit einer hellen Tischlampe eine bemerkenswerte Leistung.

Design

Eine der Schwierigkeiten bei einer drehbaren Konstruktion besteht darin, dass nur wenig Raum für Tasten bleibt und dass man im Grunde beide Hände zum Fotografieren benötigt. In Anbetracht dieser Tatsachen hat Nikon die Tasten für Vibration Reduction und One-Touch-Porträt auf dem Objektiv platziert, während sich alle anderen Bedienelemente über dem 64 Millimeter großen LCD auf der anderen Hälfte des drehbaren Gehäuses befinden.

Der winzige Joystick mit seinen gerändelten Kanten erleichtert die Navigation im gut angelegten Menüsystem der Nikon. Lediglich die Lösch-Taste ist etwas schwer zu erreichen. Wie bei den meisten aktuellen Kompaktkameras von Nikon befindet sich der Kippschalter für das Zoom bei der S10 rechts neben dem Auslöser, sodass er sich leicht betätigen lässt, während man darauf wartet im richtigen Moment abzudrücken.

Funktionsumfang

Wenn man ein schwer aufzunehmendes Motiv im Visier hat und keinen Blitz einsetzen möchte, bietet sich Nikons Aufnahmemodus Best Shot Selector (BSS) an, von dem es vier Varianten gibt. Bei der ersten werden zehn Bilder aufgenommen, von denen anschließend das schärfste Foto ausgewählt wird. Die anderen drei Varianten – Highlight BSS, Shadow BSS und Histogram BSS – sind im BSS-Untermenü mit der Bezeichnung Exposure BSS zu finden. Diese drei nehmen fünf Bilder auf, sobald der Auslöser gedrückt wird. Unter diesen Aufnahmen wählt Highlight BSS das Bild mit den wenigsten überbelichteten Flächen aus, Shadow BSS das mit den wenigsten unterbelichteten Bereichen und Histogram BSS jenes, in dem sich Unter- und Überbelichtung die Waage halten.

Die S10 bietet neben den üblichen Voreinstellungen eine manuelle Einstellmöglichkeit für den Weißabgleich, den so genannten Preset White Balance – wobei diese Bezeichnung allerdings etwas verwirrend ist. Darüber hinaus bringt die Kamera drei Serienbildmodi mit: Erstens einen gewöhnlichen Serienbildmodus, der Bilder aufnimmt, solange man den Auslöser gedrückt hält, zweitens einen, der 16 Bilder schießt und diese dann in einem Raster in einem Bildrahmen zusammenstellt und der dritte nimmt Bilder in Intervallen von 30 Sekunden, 1 Minute, 5 Minuten, 10 Minuten, 30 Minuten oder 60 Minuten auf.

Videofans werden die Fähigkeit der S10, Clips mit einer Auflösung von 640 mal 480 Pixel und 30 Bildern pro Sekunde aufzuzeichnen, schätzen. Noch interessanter ist allerdings der Zeitraffer-Modus. Er erlaubt es, bis zu 1800 Einzelbilder in denselben Intervallen aufzunehmen, die auch der interne Serienbildmodus bietet, und diese dann zu einem Stummfilm von bis zu 60 Sekunden Länge aneinanderzureihen.

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