Autos, die mit sich reden lassen

Die Universität des Saarlandes, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und BMW präsentierten im Future Park der CeBIT ein neues Auto-Dialogsystem.

Spracherkennung im Automobil ist dabei, ihre Kinderkrankheiten abzulegen, behauptete ZDNet vor wenigen Tagen. Computerlinguisten der Universität des Saarlandes und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) haben dies nun gemeinsam mit der BMW Group im Future Park der CeBIT (Halle 9, Stand B 40) belegt. Dort kann man im Fahrersitz eines BMW Platz nehmen und im Gespräch mit dem MP3-Player Musiktitel auswählen, ohne auch nur eine Taste zu drücken. Oder man befragt den Restaurantführer, wo etwa die nächste Pizzeria zu finden ist. Die sprachgesteuerten Infotainment-Geräte verstehen Deutsch und Englisch.

Das sprechende Auto ist Teil des europäischen Forschungsprojekts TALK, das von Manfred Pinkal, Professor für Computerlinguistik an der Universität des Saarlandes und Leibnizpreisträger des Jahres 2000, koordiniert wird. „Herkömmliche Sprachdialogsysteme haben den Nachteil, dass sie häufig nur über spezielle Kommandos funktionieren, die der Benutzer mühsam lernen muss“, meint der Computerlinguist Pinkal. Der unerfahrene Benutzer gibt oft nach wenigen Versuchen frustriert auf, weil das System anders als erwartet oder gar nicht reagiert.

Für die Wissenschaftler des TALK-Projekts war daher von Beginn an klar, dass die Kommunikation zwischen Mensch und komplexem Gerät nur erfolgreich sein kann, wenn der Mensch in seiner Alltagssprache den Ton angibt. Hierfür entwickelten sie Steuerungssysteme, in denen die menschliche Sprache mit grafischen Oberflächen und der konventionellen Tastenbedienung kombiniert wurden. Die Systeme sind inhaltsorientiert, der Benutzer kann also zuerst sagen, was er will. Sie sind flexibel aufgebaut, das heißt, der Mensch fragt so, wie er es will, statt Tasten zu drücken oder Kommandos zu verwenden, die das Gerät erwartet. Und die Systeme sind anpassungsfähig, sie stellen sich also nicht nur auf das Wissen und Können des Benutzers ein, sondern auch auf die Situation.

Wann aber wird TALK serienreif sein? „Um in Serie gehen zu können müssen im Wesentlichen noch zwei Dinge geschehen: Zum einen läuft das System aktuell auf einem handelsüblichen PC. Um im Auto zum Einsatz zu kommen, muss das System noch auf den Computer eines Automobils herunterskaliert werden. Zum anderen ist es notwendig, einige noch nicht integrierte Funktionalitäten in die Benutzeroberfläche einzubauen“, sagte Professor Pinkal zu ZDNet. „Die Serienfertigung wird also noch einige Jahre auf sich warten lassen. Greift die Industrie das heute auf – Bosch und BMW sind ja Entwicklungspartner -, bin ich optimistisch, dass Sie das System in rund fünf Jahren im Fahrzeug finden werden. So oder so wird TALK aber bis in spätestens zehn Jahren fester Bestandteil eines Automobils sein. Daran führt kein Weg vorbei.“

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