Das richtige Stativ für Foto- und Videokameras

In der Frühzeit der Fotografie waren die Kameras groß und die Belichtungszeiten lang. Ohne Stative ging nichts. Dann wurden die Filme empfindlicher und die Kameras kleiner. Wenn heute Bilder verwischen, dann nicht, weil das Motiv nicht still gehalten, sondern weil der Fotograf verwackelt hat.

In der Frühzeit der Fotografie waren die Kameras groß und die Belichtungszeiten lang. Ohne Stative ging nichts. Dann wurden die Filme empfindlicher und die Kameras kleiner. Wenn heute Bilder verwischen, dann nicht, weil das Motiv nicht still gehalten, sondern weil der Fotograf verwackelt hat.

Für den Hintergrund hilft ein kurzer mathematischer Exkurs: Bei Belichtungszeiten unter dem Kehrwert der Brennweite bezogen auf Kleinbildfilm (36 x 24 mm2) kann die Kamera nicht mehr ausreichend stabil gehalten werden. Konkret bedeutet diese Faustformel: Bei einem 35-Millimeter-Objektiv – einem leichten Weitwinkel – an einer Kleinbildkamera kann 1/30 Sekunde noch aus der Hand geschossen werden. Das ist eine typische Belichtungszeit in gut erleuchteten Innenräumen.

Bei einem Teleobjektiv mit 200 mm Brennweite wird es dagegen schon mit 1/125 Sekunde schwierig. Ohne Blitz, Stativ oder hohe Empfindlichkeiten gelingen derartige Tele-Aufnahmen beispielsweise von Rednern in Innenräumen folglich nicht. Bei Kameras, deren Bildaufnehmer ein anderes Format als 36 x 24 mm2 hat, ist bei der Brennweite nicht der tatsächliche Wert, sondern das Äquivalent bezogen auf Kleinbildformat zu berücksichtigen.

Bei Videokameras können Bildstabilisatoren verhindern, dass die Zuschauer schon nach wenigen Minuten seekrank werden. Bei Fotokameras holen sie zumindest noch ein bis zwei Zeitstufen mehr heraus. Dann ist jedoch auch hier Schluss: Eine Belichtung von einer halben Sekunde ist nicht ohne eine stabile Lagerung der Kamera zu bewältigen. Ebenso wenig gelingt ein beeindruckender Videoschwenk über eine Landschaft oder ein Theaterensemble ohne Stativ.

Schon ab 20 Euro gibt es Universalstative, die für Foto- und Videokameras gleichermaßen geeignet sein sollen. Doch ruckeln die Schwenks bei Videoaufnahmen mit so einem Stativ schlimmer als ohne und das Foto ist nun zwar nicht mehr verwackelt, hat dafür aber es einen schrägen Horizont. Was ist hier im wahrsten Sinne des Wortes schief gegangen? Ganz einfach: Ein billiges Universalstativ erfüllt zwar seine Aufgabe, aber nicht wirklich gut. Foto- und Videokameras haben nämlich unterschiedliche Ansprüche an ein Stativ.

Mini-Stative sind nur etwas für Taschenknipsen

Eine kleine Taschenkamera kann sogar mit einem jener Mini-Stative für weniger als 10 Euro auskommen. Allerdings kann man eine solche Kamera auch auf einer Mauer abstützen. Würde man eine solche Kamera auf ein normales Stativ setzen, sähe das Ergebnis eher lächerlich aus, auch wenn es technisch kein Problem wäre: die Gewindegröße ist genormt. Umgekehrt würde ein Ministativ unter einer Spiegelreflexkamera „die Grätsche machen“.

Eine noch so kleine Videokamera kann mit einem solchen Ministativ dagegen überhaupt nichts anfangen, da die bei Videodrehs ab und zu notwendigen Kamerabewegungen während der Aufnahme hiermit ausgeschlossen sind. Videokameras benötigen nicht nur einen stabilen Stand, sondern auch eine leichtgängige Schwenkvorrichtung, die nicht ruckeln darf. Teure Videostative haben hierzu sogenannte Fluid-Köpfe, bei denen der Schwenk in einer Flüssigkeit läuft – eben wie in Butter. Dies verhindert nicht nur das Ruckeln, sondern auch störende Nebengeräusche, die ein Stativ mit schlechter Schwenkeinrichtung erzeugen.

Wenn es mit einem guten Videostativ immer noch ruckt, so hat man vermutlich vergessen, den Bildstabilisator abzuschalten. In diesem Fall versucht die Kamera, die Schwenkbewegung zunächst zu unterdrücken. Sie hält sie für ein Versehen des Filmers, und rennt dann übereilt dem Schwenk hinterher.

Fotos brauchen keinen Schwenk

Eine Fotokamera hat dagegen normalerweise ganz andere Bedürfnisse an ein Stativ. Universalstative erlauben durchaus, die Kamera für Hochkantaufnahmen um 90 Grad zu drehen – etwas, das bei einer Videokamera nicht vorkommt. Wenn es sich jedoch nicht nur um eine leichte Kompaktkamera, sondern um eine ausgewachsene Spiegelreflexkamera mit angesetztem Teleobjektiv handelt, ist das Universalstativ überfordert. Die Telelinse rutscht langsam, aber sicher nach unten, der Horizont wird schief und der Bildausschnitt ändert sich fast sekündlich. Doch selbst mit einem Weitwinkel hat man am Videostativ mit der Fotokamera wenig Freude. Der butterweich drehende Schwenkkopf führt leicht dazu, dass der eingestellte Bildausschnitt wegrutscht, wenn man die Einstellung nicht fixiert.

Wenn das Stativ nicht eben steht, passiert dies sogar ganz von alleine. Zudem ist die Schräglage des Horizonts bei Landschaftsaufnahmen ärgerlich und der Fotograf ständig dabei, die Länge der Stativbeine nachzujustieren, um diese Problem zu beheben. Dass die meisten Stative eine Wasserwaage haben, hilft hier auch nur bedingt weiter.

Profifotografen schwören bei reinen Fotostativen deshalb auf sogenannte Kugelköpfe. Diese werden nicht wie die Video-Schwenkköpfe horizontal und vertikal justiert, sondern nur mit einem Handgriff gelöst, auf die gewünschte Kameraposition justiert und dann wieder fixiert. Das klingt zwar primitiv, geht aber deutlich schneller und löst das Problem, dass das Stativ infolge unebener Bodenverhältnisse schief steht. An den Stativbeinen muss man so nicht hantieren.

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Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Das richtige Stativ für Foto- und Videokameras

  • Am 18. März 2010 um 21:52 von Fotostativ

    Sehr gute Infos!
    Sehr guter und ausführlicher Bericht über Fotostative. Besten Dank!

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