Elektronikflut im Auto erstickt Fahrkomfort und Sicherheit

Elegant angeordnete Bedienelemente halten auch in der Mittelklasse Einzug. Die multimediale Infotainmentschlacht ist jedoch nicht für jeden Fahrer ein vergnügungssteuerpflichtiges Unterfangen.

So gut wie alle Fahrzeughersteller gehen dazu über, die Bedienung von Informations-, Unterhaltungs- und Komfortsystemen in einer zentralen Bedieneinheit zusammenzufassen. Die Schlüsselelemente hierbei bilden zum einen das so genannte Central Information Display (CID), zumeist in die Mittelkonsole integriert, und ein zentraler Multifunktionsschalter zur Navigation durch die Menüoberfläche, die auf dem CID angezeigt wird.

„In Oberklassefahrzeugen gehören solcherlei Bedienkonzepze bereits zum Standard, doch auch in der Mittelklasse zeichnet sich eine solche Entwicklung bereits ab“, erläutert Mario Klein, Product Marketing Manager Automotive LCD bei Sharp Microelectronics Europe. Auch für den Elektronikriesen Sharp stellen sogenannte „InCarInfotainment-Systeme“ ein wichtiges Zukunftsfeld dar.

Getrieben wird der boomende Markt durch die Digitalisierung von Content, Technologien zur Vernetzung wie Mobilfunk und Bluetooth sowie die Satellitennavigation. Auf dem Markt agieren nicht nur die Fahrzeughersteller, die immer mehr Multimediafunktionen in ihre Produkte integrieren. Auch das Potenzial nach gelagerter Dienstleistungen fürs Car-Infotainment – dem so genannten After-Sales-Markt – ist immens und liegt nach Schätzung von Experten in Europa bei rund 220 Millionen zugelassenen PKWs.

„Davon profitieren vor allem die Hersteller von portablen Navigationsgeräten, die neben der Routenführungsfunktions inzwischen auch als Staumelder, MP3-Player und digitaler Fotorahmen fungieren“, sagt Mario Klein. Damit unterwegs beim Fahrer bloß keine Langeweile aufkommt, bietet etwa das von Harmann-Becker Automotive System entwickelte „Traffic Assist“ vielfältige Funktionen für die multimediale Unterhaltungsshow.

So kann das Gerät eine Reihe von Video- und Audioformaten wie MPEG-, WMV- und MP3-Dateien von SD-Card abspielen. Für die Sprach- und Musikwiedergabe dient ein Lautsprecher mit einem Durchmesser von vier Zentimetern. Ein Bildbetrachter kann etwa die aufgenommenen Fotos der letzten Strandparty als Standbild oder Slideshow präsentieren.

Personal Navigation Device
Tragbare Navigationssysteme im Wandel: Moderne Geräte spielen Videos und Musik ab, zeigen Fotos und dienen als Freisprecheinrichtung fürs Handy.

Hautsächlich zum Einsatz kommt der smarte Navigators eben laut Harmann-Becker im Auto. Das Becker Traffic Assist 7927 offeriert immerhin eine 2 GByte starke SD-Card, auf der Straßenkarten für ganz Mittel- und Osteuropa installiert sind. Außerdem lassen sich über einer Million Restaurants, Hotels, Tankstellen und weitere Highlights am Rande der Straße darstellen.

Als äußerst vorteilhaft preist der Hersteller gewisse Sonderfunktionen entlang der Route an. Mit dessen Hilfe lassen sich ausgewählte Sonderziele sowohl als Symbole als auch im Klartext mit Entfernungsangabe auflisten und die genaue Position in Fahrtrichtung darstellen.

So kann man beispielsweise die nächstgelegene Tankstelle per Fingertipp mühelos als Zwischenziel in die Routenführung übernehmen. Sicherlich sind dies auch nützliche Funktionen. Gut wäre es trotzdem, wenn der Lenker noch an das Fahren denkt – und nicht nur an die Slideshow, das Tippen oder das Ablesen während des Manövrierens.

Wirkt die Infotainment-Schlacht im Fahrzeug kontraproduktiv?

Denn wie weit sich die Elektronikflut im Innenraum überhaupt negativ auf andere Aspekte wie den Fahrkomfort oder die Fahrsicherheit auswirken kann, dieser Aspekt geht in der Marketingschlacht der unzähligen trendigen neuen Funktionalitäten etwas unter. Zwar unterliegen vor allem in Europa die Hersteller einem strengen gesetzlichen Reglement, welche elektronischen Bauteile und Komponenten sie regelkonform ins Fahrzeug integrieren dürfen.

Allerdings mahlen die Mühlen der Justiz gelegentlich etwas langsam. Was etwa portable Systeme anbelangt, so steuert der Gesetzgeber bei Bedarf eher hinterher nach, wie das Handy-Verbot am Steuer deutlich macht. „Im Rahmen des Zulässigen entscheidet letztendlich der Markt darüber, was sinnvoll und nützlich ist“, bilanziert Mario Klein.

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