Grünes Auto: Kfz-Hersteller pushen umweltoptimierte Modellpalette

Elegant und leistungsstark soll es sein, das Automobil der Zukunft. Aber auch ein niedriger Spritverbrauch und umweltfreundliche Technologien rücken stärker in den Mittelpunkt.

Der damalige Chef von Volkswagen, Ferdinand Piech, machte es vor: Im Frühjahr 2002 legte er in einem Konzeptfahrzeug die Strecke von Wolfsburg nach Hamburg mit einem Verbrauch von 0,89 Litern pro 100 Kilometer zurück. Ein Meilenstein in der Geschichte der deutschen Automobilindustrie schien greifbar.

In der Folgezeit beachtete die Öffentlichkeit das „Ein-Liter-Auto“ und ähnliche Varianten mit einem niedrigen Spritverbrauch kaum mehr. Zu teuer verlief die Entwicklung der Konzeptfahrzeuge. Zu wenig reif waren sie für den alltäglichen und kostengünstigen Masseneinsatz. Infolgedessen froren Volkswagen und andere Hersteller das „Ein-Liter-Projekt“ wieder ein.

Aber auch die Kunden setzten damals noch andere Prioritäten. Heute sind die weltweiten Herausforderungen infolge des Klimawandels und steigender Ölpreise kaum mehr zu übersehen. Hinzu kommt, dass sich die Zahl der Autobesitzer nach Schätzungen von Experten von derzeit global 800 Millionen bis zum Jahr 2020 auf über 1,1 Milliarden erhöhen dürfte.

Und das bei derzeit weiter steigenden Spritpreisen von bis zu 1,50 Euro beim Superbenzin und mehr. Kein Wunder, dass auch der Konzern Volkswagen nach etwa dreijähriger Pause die Entwicklung eines Serienfahrzeugs mit einem ähnlich niedrigen Verbrauch wie dem 1-Liter-Auto wieder vorantreibt.

1-Liter-Auto
Bereits 2002 verbrauchte Ferdinand Piech mit diesem Versuchsträger weniger als einen Liter Sprit auf 100 km. (Foto: Creative Commons/Klaus Nahr

Zahlreiche Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren verändert. Zu den hohen Benzin- und Ölpreisen gesellt sich im Zuge des Klimawandels ein verändertes Umweltbewusstsein der Verbraucher hinzu. Hält der Klimawandel also auf breiter Front Einzug in die deutsche Automobilindustrie?

Eine aktuelle Aral-Studie stellt zunächst einmal eine große Kluft zwischen Anspruchsdenken und Wirklichkeit fest. Denn so sehr die Verbraucher umweltfreundliche Technologien im Prinzip befürworten, so wenig sind sie in der Praxis dazu bereit, zusätzliches Geld auszugeben. „Die Kunden wollen ein ökologisches Auto bei gleichen Kosten oder bestenfalls einem moderaten Aufpreis“, so Bernd Mattes, Geschäftsführer der Ford-Werke.

Käuferstreik: Wie viel Öko kann sich der Verbraucher leisten?

Das schlechte Umweltgewissen scheint die Verbraucher also nicht so sehr zu plagen. Allerdings mangelt es weniger an der Bereitschaft, einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Vielmehr sind die realen Arbeitseinkommen des Durchschnittskäufers in den letzten Jahren hierzulande kaum gestiegen.

Zusätzliches Geld für die Umwelt bleibt kaum übrig. Es dominiere der Pragmatismus, auch beim Kauf eines neuen Autos genau abzuwägen, wofür es sich lohnt, zusätzliches Geld auszugeben, bestätigt Ford-Mann Bernd Mattes. So verfügt der durchschnittliche Kunde bei einem deutschen Automobilhersteller über ein monatliches Einkommen von nur rund 1800 Euro.

Viel Luft für den sprudelnden Geldbeutel, um das Öko-Gewissen zu befriedigen, bleibt also nicht, das weiß auch Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA): „Nachhaltigkeit lässt sich nicht durch Verbote erkaufen, sondern nur durch mehr technische Innovation.“

Das Problem dabei allerdings ist, dass das deutsche Innovationspotenzial verstärkt im Bereich des umsatz-, aber auch margenträchtigen Premium-Segments angesiedelt ist, sprich in der gehobenen Fahrzeugklasse. 80 Prozent des Umsatzes liegen nach VDI-Angaben in diesem Bereich. Und das eine oder andere Offroad-Fahrzeug ist bekanntermaßen ein Spritfresser mit bis zu 60 Litern in der ersten Beschleunigungsphase.

Porsche Cayenne
Porsche konnte im Oktober 2007 mit 3.018 in den USA verkauften Fahrzeugen den Vorjahreswert von 2.487 um 21 Prozent steigern. (Foto: Public Domain/IFCAR)

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