Der Audiomythos: Wunderkabel, esoterische Steckerleisten und goldene Cinch-Stecker

Um kaum eine andere Zubehörgruppe ranken sich so viele Mythen wie um Audio-Kabel. Verwandeln sauerstofffreie Kupferkabel und vergoldete Stecker die Discounter-Stereoanlage wirklich in ein Klangwunder oder bringen sie selbst bei teuren High-End-Komponenten nichts? Die Antwort ist ein klares Jein.

Der Werbetext trägt sofort dick auf: Handverlesene Kupferstränge auf dem Jahr 1954 machen das TMD-Audiokabel klanglich so einzigartig, weil sie sich laut Anbieter heutzutage nicht mehr in dieser Qualität produzieren lassen. Doch damit nicht genug: Die ausgewählten Strippen werden in mühevoller Handarbeit mit Baumwollfäden umwickelt, in Seide gehüllt und schließlich mit goldenen Cinchsteckern verlötet. So viel Aufwand will natürlich bezahlt werden: Beispielsweise kostet ein Meter der Kabel-Variante „Inca Red“ 1799 Euro.

Guter Klang oder Placebo-Effekt?

Zugegeben, dieses Beispiel ist plakativ gewählt und provoziert sicher das eine oder andere spöttische Grinsen. Doch es soll den Anbieter nicht diskreditieren, denn so mancher Audio-Enthusiast ist gewillt, derart viel Geld für ein Lautsprecherkabel zu bezahlen, und hört nach eigenen Angaben dann tatsächlich einen klanglichen Unterschied. Zudem relativiert Anbieter Poppi Electronic: Die teuren Kabel seien an einer 200-Euro-Stereoanlage deplatziert und würden sich erst bei hochwertigen Hi-Fi-Bausteinen ab 1000 Euro aufwärts lohnen. Dort könnte man dann aber eine hörbare Klangverbesserung registrieren.

Audio-Kabel
Teures Kabel: 1800 Euro für einen Cinch-Verbinder.

Das Thema Lautsprecherkabel sorgt bei Hi-Fi-Bastlern und Klangfetischisten regelmäßig für emotionale und erbitterte Diskussionen. Für die einen beeinflussen die Kabel die Klangqualität entscheidend mit und können daher gar nicht hochwertig genug sein. Andere wiederum tun sämtliche High-End-Verbindungen als Humbug ab. Wer nur fest genug daran glaubt, so ihr Argument, der hört auch einen Unterschied.

Betrachtet man das Thema Lautsprecherkabel von der technischen Seite, beschränkt es sich auf wenige Fakten: Ein Audiokabel verschickt Klanginformationen vom Verstärker zu den Lautsprechern. Das geschieht selten auf optischem Wege, sondern meistens über ein Kupferkabel – und läuft wie bei jedem elektrischen Bauteil nicht verlustfrei ab. Dem Elektronenfluss stellt sich ein Innenwiderstand entgegen, der von Material, Durchmesser und der Temperatur des Kabels abhängt. Insofern beeinflussen die zweiadrigen Kabel tatsächlich den übertragenen Klang, aber in einem recht überschaubaren Rahmen: Je höher der Innenwiderstand, desto geringer die Leistung, die ein Verstärker an die Boxen abgeben kann.

Neueste Kommentare 

9 Kommentare zu Der Audiomythos: Wunderkabel, esoterische Steckerleisten und goldene Cinch-Stecker

  • Am 13. Januar 2008 um 11:23 von Michael Haen

    unqualifizierter Artikel
    Ich habe selten einen so unqualifizierten Artikel über Kabeleinfüsse im HiFi/HighEnd-Bereich gelesen. Man muss nicht unbedingt ein abgeschlossenes Elektrotechnik Studium vorweisen können, um die elektrischen Zusammenhänge einer Signalübertragung verstehen zu können. Dieses Verständnis ist aber unabdingbar, um einen grundlegenden Einblick in die Thematik zu bekommen. Ich möchte nur mal kurz einen Teilbereich erklären. Der elektrische Widerstand (es wurde wohl der Gleichtromwiderstand gemeint) ist für die "Klangbeeinfussung" absolut unerheblich.
    Bei den besagten Kabeln handelt es sich um Widerstandswerte im MilliOhmbereich (in der Regel 5-200 mOhm). Um dieses Argument zu widerlegen schalte ich bei Vorführungen absichtlich 5000 mOhm in ein Kabel in Reihe. Der verblüffte Zuhörer kann natürlich keinen "Klangunterschied" feststellen. Natürlich verbraucht dieser Widerstand Leistung, falls man ihn am Lautsprecherkabel benutzt. Nun geht es hier aber nicht darum möglichst viel Leistung an den Lautsprecher zu übertragen, denn wir wollen ja schließlich keine Glühbirne betreiben, sondern möglichst unverfälschte Musik geniessen. Es geht vielmehr darum die Musikinformationen, die in den meisten Fällen als analoges elektrisches Signal übertragen werden, mit möglichst geringer Veränderung zu übertragen. Hierzu betrachtet der Fachmann im ersten Schritt die elektrischen Parameter Widerstand, Abteilung, Induktivität und Kapazität. Im zweiten Schritt folgt dann das molekulare Verhalten der verwendeten Materialien. Es hat sich gezeigt, dass das reine Leitermaterial eigentlich am wenigsten Einfluss hat. Vielmehr liegt das Geheimnis im Aufbau des Kabels und denen zur Konstruktion und Isolation verwendeten Materialien.
    mit freundlichen Grüßen
    Dipl.-Ing. Michael Haen

  • Am 15. Januar 2008 um 14:12 von Manuel Masiero

    Re: unqualifizierter Artikel
    Hallo Herr Haen,

    vielen Dank für ihr Feedback. Der Artikel soll einen etwas augenzwinkernden Überblick über derzeit kursierende Audiokabel-Mythen im HiFi/HighEnd-Bereich geben und beleuchtet dabei auch – wie es der Titel andeutet – mehr oder weniger esoterische Ansichten. Der Text ist freilich keine ultima ratio in Sachen elektrische Kabeleinflüsse und will Audiokabel-Mythen auch nicht mit der naturwissenschaftlichen Keule austreiben.

    Viele Grüße,
    Manuel Masiero

  • Am 25. März 2008 um 14:27 von docmod

    vergoldete Anschlüsse
    Hallo,
    ich habe viele Cinchkabel, die älter als 20 Jahre sind. Eines davon hat vergoldete Anschlüsse. Bis auf das vergoldete funktionieren alle Kabel nicht mehr richtig. Das Metall an den Steckern ist derart stark korrodiert, dass es dauernd zu störungen kommt. Das vergoldete Kabel funktioniert dagegen super.
    Mit freundlichen Grüßen.

  • Am 6. April 2008 um 04:24 von Marco

    Re: unqualifizierter Artikel
    Hallo,

    man kann sich über alles mögliche aufregen, man kann es aber auch lassen.

    Ich finde die art wie Sie Hr. Dipl.-Ing. Haen über diesen Beitrag her ziehen, zeigt mir das Sie in Ihrer Ausbildung wahrscheinlich über Elektronische und Magnetische und was weiß ich noch über was für zusammenhänge enorm viel gelernt haben aber manchmal tun es ein klein bisschen Humor und/oder Toleranz auch.

    Gruß Marco

  • Am 22. November 2009 um 20:54 von Egon Struck

    Guter Bericht, nur zu wenig
    Hallo,
    ich finde, dass viel zu wenig über Esoterik im Audio Bereich geschrieben wird.

    Eigentlich überlassen wir, die es besser Wissen, den Esoterikern das Feld und es werden leider immer mehr, die an solchen Humbug glauben.
    Da haben natürlich die Fachzeitschriften einen großen Anteil. Dort werden immer wieder Produkte mit esoterischen Charakter für Super Klangentscheident ausgewiesen.
    Da muß ja ein unbedarfter Leser den Eindruck gewinnen, das es sich um ein Klasse Produkt handelt.
    Beziehen wir doch überall Stellung.

    Mfg. Egon Struck
    S&P-Audio

  • Am 21. Januar 2010 um 00:10 von Jörg Hein

    Aufklärung tut Not
    Hallo,

    ich hab mich schon lange darüber gewundert, wie eine Steckerleiste für 300€ den Klang einer Anlage verbessern soll. Wie sollen die 2 Meter Kabel was ausmachen, wenn die restlichen zig Meter in der Wand dann für 2 € / Meter sind? Als Argument wird oft angeführt, das die Masseleiter besonder gut sind und so verhindern, das die Masse nicht über die Cinchkabel geleitet werden muss. Hallo, über welche Stromstärken reden wir hier? Und wie soll es gehen, wenn die (Billigen) Anschlusskabel der Geräte dann nur einen Eurostecker ohne Massekontakt haben?
    Irgendwie erinnert es mich immer an "Des Kaisers neue Kleider". Vielleicht sollte ich solche Kabel produzieren, damit kann man anscheinend gut Geld verdienen.

    Gruß

    Jörg Hein

    (Studium Elektrotechnik; Maschinenbau; Programmierer; Kameramann)

  • Am 11. Februar 2014 um 21:44 von ElTechnico

    Zitat: „Dem Elektronenfluss stellt sich ein Innenwiderstand entgegen, der von Material, Durchmesser und der Temperatur des Kabels abhängt.“

    Von der Temperatrur?
    R = Länge ( Kappa * Querschnitt )

    Naja, bei 0 Grad Kelvin hört die Molekularbewegung auf. Damit endet allerdings auch die Existenz des Atoms.
    Das hat mein Physiklehrer gesagt.

    Achja (1), wo steht eigentlich eine Formel für R wo die Temeratur eine Rolle spielt?

    Achja (2), R ist bei Wechelstrom anders: Scheinwiderstand:
    Z = SQR(R*R + X*X)
    Wenn die Lautspecherleitung nicht allzu lang ist oder aufgerollt ist, kann man X bestimmt igorieren.

    Cinch: Wenn man die Stecker nicht in feuchten Garagen oder Kellern lagert, rosten die auch nicht so schnell. Meine sind locker 30 Jahre und sind (noch) so gut wie vergoldete.

  • Am 12. Februar 2014 um 06:07 von chris

    cooler Artikel. (wie viel man über Kabeln schreiben kann?)

    um eventuell etwas den Mythos zu entblättern. Von der Übertragung eines Signals her, hat Gold die besten Eigenschaften/ ist ja auch ein Edelmetall – wobei es dennoch von Kupfer und Silber in puncto Leitfähigkeit übertroffen wird. Die Verwendung bei Kontakten hat eher den praktischen Wert, dass Gold schwerer verschmutzt, oder gar oxidiert und dadurch die Leitfähigkeit beeinträchtigt.

    Wobei das Kabel eigentlich gar nicht so wichtig ist wie die Verstärkung des Signals und die Ausgabe über die Lautsprecher.
    Es gab etliche Test mit niedrigen Codierungen mp3 udgl.
    Und das Ergebnis ist dasselbe: wenn die Lautsprecher gut sind, dann sind kaum – bis gar keine Unterschiede – wahrzunehmen.

    es gibt auch Unterschiede bei Codierungen. Bei mp3 sollt man auf eine „Lame3.99“ Codierung achten. ALAC ist wirklich lossless.

    mW ist derzeit Apple der einzige Konzern, welcher sich mit drahtloser Übertragung von Audiosignalen beschäftigt (Streaming).

  • Am 12. Oktober 2014 um 16:57 von Christof

    Ich habe beim Hausbau damals als Lautsprecherkabel 3 x 1,5 mm² NYM-Kabel verlegt. Habe damals beim Praktiker für einen 50-Meter-Ring 8 Euro bezahlt, also der Meter 0,16 Euro und mich natürlich gleich gut damit eingedeckt. Momentan liegen die Preise dafür bei ca. 25 Euro. Das war so ca. 2004. Jedenfalls habe ich mir gedacht: Kupfer ist Kupfer und habe dieses Kabel auch als Lautsprecherkabel für meine 5.1-Anlage verlegt. Also ich zumindest höre keinen Unterschied.

    Wohlgemerkt, die Kabel sind Unterputz. Von den Lautsprecherdosen zum AV-Receiver habe ich natürlich normale Lautsprecherkabel (Litze) genommen. Sieht ja sonst bescheuert aus.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *