Warum sollen immer nur die Kinder der reichen westlichen Länder coole Gerätschaften bekommen? Nicolas Negropontes ehrgeiziger Plan, die globale digitale Kluft zu überbrücken, hat Früchte getragen: Der XO-1 ist ein ultraportables Notebook für Kinder in Entwicklungsländern.

Er kostet jetzt zwar doppelt so viel (200 Dollar) wie ursprünglich anvisiert. Und auch die Handkurbel fehlt, mit der das Gerät völlig unabhängig von einem Stromnetz wäre. Ansonsten ist er aber der Wirklichkeit gewordene Traum jedes Cyber-Hippies: ein einfacher, praktischer kabelloser Laptop, basierend auf sinnvollen neuen Technologien und voll gepackt mit Open-Source-Software.

Für Endverbraucher ist der XO-1 gegenwärtig nicht erhältlich. Doch Negroponte hat angekündigt, dass es demnächst Spendenprogramme geben wird, in denen der Spender für jedes gespendete Gerät auch selbst eines bekommt.

Design

Die Hauptzielgruppe des XO-1 sind Kinder. Sie profitieren von der strapazierfähigen Ausführung und dem Kunststoffgehäuse mit seiner griffigen Oberfläche. Dank eines geschickt integrierten Handgriffs benötigt man keine separate Transporttasche. Es gibt daneben noch Dutzende clevere Design-Elemente, von den aufklappbaren WLAN-Ohren, die auch als Seitenabdeckung und Arretierung dienen, bis hin zu den praktischerweise an drei Seiten angebrachten USB-Ports, die den unterschiedlichsten Geräten und Kabeln gerecht werden.

Öffnet man den 7,5-Zoll-Bildschirm, findet sich eine spritzwassergeschützte, an den ZX Spectrum erinnernde Gummitastatur. Sie ist für die Finger von Erwachsenen definitiv zu eng. Man muss die Tasten schon richtig fest drücken, damit sie reagieren. Doch sie sind gut durchdacht angeordnet, mit speziellen Lautstärke- und Helligkeitstasten, allerdings ohne eine Feststelltaste. Es gibt vereinzelt Berichte über Probleme mit dem Touchpad, bei unserem Testgerät funktioniert es aber einwandfrei.

Auf beiden Seiten des Bildschirms gibt es Bedienelemente zum Spielen: ein Richtungspad und vier Aktionstasten. Mit einer anderer Taste lässt sich der Bildschirm entriegeln, da er wie bei einem Tablet-PC um bis zu 180 Grad gedreht und dann über die Tastatur geklappt werden kann. Im normalen Betrieb bietet das Display eine ordentliche, farbintensive Oberfläche, die sich gut zum Surfen eignet. Regelt man jedoch die Helligkeit bis auf das Minimum herunter, dann verwandelt sich das LCD in ein ultrascharfes Graustufendisplay. In prallem Sonnenlicht lässt es sich so fantastisch verwenden und spart überdies auch noch Strom.

Funktionsumfang

In den meisten neuen Computern werden die aktuellsten Komponenten verbaut. Sie bringen lieber zu viel Leistung als zu wenig, damit auch die Anforderungen künftiger Software bedient werden können. Beim XO-1 ist das anders. Ein bescheidener 433-MHz-Prozessor muss Betriebssystem, Software und Grafik ganz allein antreiben. Der Arbeitsspeicher hat nur 256 MByte, der Flashspeicher knapp 1 GByte Kapazität.

Ein wichtiges Merkmal ist die WLAN-Performance des XO-1. Man bekommt nicht nur volle 802.11b/g-Funktionalität, sondern auch 802.11s. Das ermöglicht den Aufbau von Mesh-Netzwerken (Ad-hoc-Verbindungen), und das sogar im heruntergefahrenen Zustand. Gelangt man in die Reichweite eines anderen XO-1 – getestet wurde auf über zwei Kilometer Distanz im australischen Hinterland -, kann man dessen Internetverbindung nutzen, Dateien austauschen oder miteinander spielen. Es gibt spezielle Schaltflächen, über die grafische Darstellungen des lokalen Ad-hoc-Netzes und der weiteren drahtlosen Nachbarschaft abrufbar sind.

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