Hohe Spritpreise: Was taugen Erdgasautos?

Benziner und Diesel stehen aufgrund anhaltend hoher Spritpreise in der öffentlichen Kritik. Auch der Umweltgedanke kommt beim Verbraucher zunehmend ins Spiel. Mit Erdgas betriebene Fahrzeuge stellen aber vor allem aufgrund deutlich niedrigerer Verbrauchsdaten einen praktikablen Ausweg dar.

Noch hat sich der Kraftstoff Erdgas in Deutschland nicht so richtig etabliert, mit mehreren zehntausend zugelassenen Fahrzeugen und einem verschwindend geringen Marktanteil von 0,09 Prozent in 2007. Als Zugpferd dient vor allem die massive staatliche Förderung, mit einem verminderten Mineralölsteuersatz im Vergleich zum Benzin von lediglich 18 Prozent des Satzes, und von 26 Prozent im Vergleich zum Dieselkraftstoff.

„Mit steigenden Kraftstoffkosten wird dieser Preisvorteil die Nachfrage nach Erdgasfahrzeugen steigen lassen“, sagt Hans-Jürgen Berner, Leiter Thermodynamik und Brennverfahrensentwicklung beim Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren (FKFS) in Stuttgart. Der Experte hält aufgrund der Festschreibung des Mineralölsteuersatzes bis 2018 für heutige Autokäufer eine ausreichende Planungssicherheit bei der Anschaffung als vorhanden an.

„Erdgasfahrzeuge sind derzeit eine Randerscheinung in Deutschland, haben aber das Potenzial sich in einem stabilen Nischenmarkt zu etablieren“, bekräftigt Berner. Im internationalen Vergleich ist derzeit europaweit Italien mit über 400.000 Erdgasfahrzeugen führend. Die Ursachen für diesen Vorsprung liegen historisch bereits einige Jahrzehnte zurück.

Das italienische Umweltministerium reagierte nämlich bereits mit einer ausgeprägten Politik der Anreize zur Zeit der großen Ölkrisen in den siebziger und achtziger Jahren. Weltweit schätzen Experten die Zahl der Erdgasfahrzeuge auf etwa vier bis fünf Millionen. Davon dürfte ein Drittel bereits auf die beiden Länder Brasilien und Argentinien entfallen. Insbesondere Argentinien gilt aufgrund des kostengünstigen Zugangs zu seinen eigenen Rohstoff- bzw. Erdgasvorkommen als einer der Vorreiter.


Von wegen „Alles Super“: Inzwischen bieten auch Markentankstellen Erdgas an ihren Zapfsäulen an. (Foto: BDEW)

Die im Zuge der Klimadiskussion verstärkte Suche nach wirtschaftlichen und umweltschonenden Antriebsalternativen hat Erdgas als alternativen Kraftstoff im vergangenen Jahr auch hierzulande endgültig in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte befördert. Die Zulassungszahlen steigen kontinuierlich. Auf Deutschlands Straßen fahren derzeit nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V (BDEW) rund 70.000 Fahrzeuge.

Deutsche Modelle noch wenig gefragt

Die Steigerungsrate der Zulassungen beträgt demnach jährlich rund 35 bis 40 Prozent. „Erdgasfahrzeuge, die mit dem fossilen Brennstoff betrieben werden, haben eine bessere Umweltbilanz als vergleichbare Benzin- oder Dieselfahrzeuge“, betont BDEW-Geschäftsführer Wolf-Ingo Kunze. Denn die Fahrzeuge stoßen im Vergleich zum Diesel nicht nur so gut wie keinen Feinstaub aus, sondern zudem bis zu 70 Prozent weniger Stickoxide.

Auch im Vergleich zum Benziner emittiert die mit Erdgas betriebene Variante bis zu 25 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid. „Auch im Vergleich zu Fahrzeugen, die mit Flüssiggas betrieben werden, sind Erdgasautos beim CO2-Ausstoß im Vorteil. „Dieser Anteil beträgt im Vergleich zum Benziner nur bis zu neun Prozent“, ergänzt Kunze. Die ohnehin gute Klimabilanz von Erdgasfahrzeugen lässt sich durch den Einsatz von regenerativ erzeugtem Bioerdgas als Kraftstoff noch einmal deutlich verbessern.

Denn bei der Verbrennung wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie in der zur Kraftstoffherstellung eingesetzten Biomasse zuvor durch Photosynthese gebunden wurde. Je nach Art der eingesetzten Rohstoffe kann der CO2-Vorteil zwischen 30 und 90 Prozent betragen. Erdgasfahrzeuge können den regenerativen Kraftstoff ohne technische Veränderungen sowohl in Reinform als auch in variablen Anteilen am fossilen Kraftstoff Erdgas nutzen.

Die deutsche Gaswirtschaft hat bereits das Ziel bekräftigt, bis 2020 dem Kraftstoff Erdgas 20 Prozent Bioerdgas beizumischen. Erste Projekte gibt es bereits in der Praxis. In München etwa können Autofahrer an sechs Erdgastankstellen anteilig Bioerdgas tanken. Aus Sicht des Verbrauchers liegen die Vorteile auf der Hand: Die Anschaffungskosten können sich durch den um 50 Prozent günstigeren Kraftstoffpreis von Erdgas im Vergleich zum Benzin je nach jährlicher Fahrleistung relativ schnell amortisieren.

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3 Kommentare zu Hohe Spritpreise: Was taugen Erdgasautos?

  • Am 17. Februar 2008 um 18:01 von Bassmann

    Brauchbare Technik
    Herzlichen Glückwunsch. Endlich mal ein Artikel über Erdgasautos, dem man nicht schon nach den ersten fünf Zeilen eine wie auch immer geartete Voreingenommenheit attestieren muss. Leider mit einem sachlichen Fehler: Von 1000 Tankstellen sind wir leider recht weit entfernt: 776 ist wohl aktuell. Mehr dazu auf http://www.erdgasfahrer-forum.de . Gegen die zu geringe Anzahl an Tankstellen helfen POI-Dateien für Navigationsgeräte. Topaktuell sind dazu die Overlays von http://www.gas-tankstellen.info . Also ist die Erdgastechnik bereits heute für weite Teile Deutschlands, Österreichs. der Schweiz, Italiens und auch der Niederlande, nördlich auch noch Schweden, völlig unproblematisch. Frankreich wacht langsam auf. Nehmen Sie ruhig mal einen Erdgaser: Bei Sixt kann man welche mieten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Bassmann

  • Am 18. Mai 2008 um 10:27 von Handwerker

    Handwerker mit Ergasauto
    Hallo,
    Ich habe gerade mein neues Auto bestellt. Ein Erdgasauto von VW (es gibt Geldvorteile z. Zeit.). Freue mich schon Sparsam zu fahren !

  • Am 28. Januar 2010 um 11:30 von Rocco

    Erdgasauto Test
    Hallo liebe Leser,

    wenn ich ehrlich bin, kann ich jedem nur abraten dieses Fahrzeug als Erdgasfahrzeug zu wählen. Ich bin in einem großen Unternehmen beschäftig und wir besitzen mehrere T5 Modelle mit Gas und keines der Fahrzeuge schafft es im Schnitt über die 8 Wochen, ohne seinen freundlichen VW-Vertragshändler wieder zu sehen!!! Die angegebenen Reichweiten sind Traumwerte! (wahrscheinlich nur mit Fahrer und unbeladen) Im Schnitt tanken die Fahrzeuge bei uns 20-22Kg Gas (Temperatur abhängig) und kommen ihre 160-180km.
    Privat wäre ich schon längst PLEITE wenn ich die Kosten für Reparaturen trägen müßte.

    Desweiteren redet hier KEINER von den wirklichen Abgasbedingungen von Erdgasfahrzeugen! Ja toll CO2 rediziert das ist gut für die Umwelt wird uns immer gesagt und was niemand sagt:” Bei der Erdgasverbrennung entsteht *giftiges Schwefel* (bei jeder Erdgasverbrennung)” So und nun kommen wir zur Umwelt! Jeder Baum, Strauch oder Pflanze können CO2 umwandeln und damit die Luft reinigen, jedoch Schefel wird nur auf genommen und mit der Zeit stirbt die Pflanze und was passiert mit dem Mensch????

    Denk mal darüber nach, bevor Ihr Euch ein Erdgasfahrzeug anschafft!

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