Neue Technologien: Elektroautos kommen in Fahrt

Nach einem Aufschwung um die Jahrtausendwende ließen die Autobauer das Elektroauto wieder kurzerhand in der Schublade verschwinden. Heute erlebt es neuerlich einen Boom. Wie realistisch ist die Vision, dass der Fahrer als Stromlieferant fungiert?

Das radikalste Projekt verfolgt der frühere SAP-Kronprinz Shai Agassi. Er will gleich eine ganze Region flächendeckend zum Mekka der Elektroautos machen, nämlich sein eigenes Heimatland Israel. Dazu gründete er das mit rund 200 Millionen Dollar Risikokapital ausgestattete Vorhaben Project Better Place. Die erste Massenproduktion von Elektrofahrzeugen soll gemeinsam mit Renault-Nissan bald schon beginnen.

Ein Netz von einer halben Million Ladestationen soll parallel dazu im ganzen Land installiert werden. Um die große Vision Wirklichkeit werden zu lassen, ist aber auch das Zutun der israelischen Regierung gefragt, die durch Steuererleichterungen den Elektroautos zum Durchbruch verhelfen will. Denn bislang droht das Elektroauto an der mangelnden Energiespeicherung sowie der unzureichenden technischen Infrastruktur zu scheitern.

Die zahlreichen neuen Vorhaben, an denen sich mittlerweile so gut wie alle Hersteller in seltener Eintracht beteiligen, machen fast vergessen, dass in der Branche noch erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht. Forscher an der amerikanischen University of Delaware regen bereits seit Jahren an, Elektro- und Hybridautos auch in das Lastmanagement von Stromnetzen einzubauen.

Elektro-Auto von Renault-Nissan
Elektro-Auto von Renault-Nissan: Im Rahmen von Project Better Place sollen in Israel eine halbe Million Ladetankstellen für Autos entstehen (Foto: Project Better Place).

Woher kommt der schnelle und preisgünstige Strom?

Während der nächtlichen Standzeiten etwa, in denen mangels Stromnachfrage Strom besonders billig zu haben ist, könnten diese Autos als Zwischenspeicher dienen. Für Lastspitzen könnte der Auto-Akku dann den Strom direkt in das Netz einspeisen Die Universität Delaware arbeitet bereits an einer technischen Standardlösung, im Fachjargon als Vehicle-to-Grid (V2G) bezeichnet.

Das kalifornische Unternehmen AC Propulsion setzt die Konzepte der Forscher schon um – und hat einen Fahrzeug-Prototypen hergestellt. Das Herzstück der Erfindung ist der Bordcomputer des Autos, der Breitband über Stromkabel nutzt. Ab einer kritischen Masse von mehreren Tausend eingebundenen Fahrzeugen rechnet das Unternehmen mit relevanten Auswirkungen des Systems auf die elektrische Versorgung.

Der wirtschaftliche Anreiz läge darin, dass ein einzelnes Auto um die 4000 Dollar Stromlagerkosten abdecken könnte, kalkulieren die Experten. Das High-Power-System selbst ist mit Einbaukosten von rund 600 Dollar veranschlagt.

In den USA hat der Medienhype um das Elektroauto mittlerweile bereits eine kritische Masse an kaufwilligen Interessenten erreicht, die bis in die Luxusklasse hinein reicht. Kein Wunder, denn nicht jedermann kann sich die teure Technologie leisten. Als Heimat von vermögenden Eliten mit Umweltwünschen gilt vor allem Kalifornien. Zahlreiche Unternehmen feilen unterstützt von wagnisbereitem Risikokapital an der Vision, stationäre und mobile elektrische Akkus wie Lithium-Ionen-Batterien mit regionalen Stromversorgungsnetzen zu verknüpfen.

Studie von AC Propulsion: E-Auto aus Deutschland?
Im Moment noch eine Studie aus den USA, bald vielleicht Realität: Massenfahrzeug Golf mit Akkupack und Elektromotor (Foto: AC Propulsion).

Als Vorreiter gilt indes der Tesla Roadster, der bereits in diesem Jahr in die Serienproduktion gehen soll.

Neueste Kommentare 

4 Kommentare zu Neue Technologien: Elektroautos kommen in Fahrt

  • Am 13. Juli 2008 um 00:03 von john

    Auf jeden Fall Elektro
    Ich habe Persönlich von unserer Regierung
    und unserer verschlafenen Deutschen Auto Industrie die Nase voll.

    Ich kaufe mir den Elektro Volvo C30
    Und packe mir eine Solar Inselanlage in den Anhänger.
    Und dann, Öl Scheichs Ade
    Viel spas beim Kamel durch die Wüste treiben. (:)

    • Am 16. April 2011 um 17:57 von Bewußtsein2012

      AW: Auf jeden Fall Elektro
      seit 6 Jahren fahre ich Prius – mindestens noch 6 Jahre dauert das mit einer Elektro-Rundumversorgung…
      Habe mir eben den neuen zugelegt – der alte ist noch zu haben.

  • Am 17. November 2008 um 12:40 von Georg

    Neue Technologien brauchen Zeit.
    Von der Entwicklung des Transistors bis zum Bau eines elektronischen Speichers dauerte es 20 Jahre. Weitere 10 Jahre vergingen bis der erste transistotisierte Computer entstand. Das erste Windrad stand vor 20 Jahren an der Nordsee. Jetzt stehen sie überall. Die Zeiten, wo ein einzelner Tüftler einen Quantensprung hervorbrachte, sind vorbei. Um neue Techniken zu entwickeln, bedarf es heut eine Vielzahl von Wissenschaftlern und Technikern. Dafür sind die jahrzehnte langen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zu komplex.

    Ein Markt für leistungsfähige Akkus war bisher nicht da. Das hat sich mit der Entwicklung des Funktelefons geändert. Der Lithium Ionen Akku lässt hoffen, das das Elektroauto seinen Durchbruch schafft. Der Elektrosmart ist ein guter Anfang.
    Die bisherigen Elektrofahrzeuge erfüllen einfach nicht die Anforderungen, die wir von einem Benziner gewohnt sind. Sollte die Zeit da sein, werden diese herzerquickenden und gut gemeiten Hinterhofautos verschwinden.

    Was wollen wir? Zurück in die Steinzeit? Geht nicht!
    Soll dieser schöne Planet nicht weiter ruiniert werden, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als unseren Kopf anzustrengen. Pessimismuß und Weltuntergangsstimmung haben da keinen Platz.
    Gott schuf die Nüsse, knacken müssen wir sie schon selbst. Dazu gab er uns den Verstand.

  • Am 11. März 2009 um 08:47 von Laut

    Elektroautos
    Ich bin eigentlich enttäucht von den Artikeln.Ich habe vor in 1bis 2 Jahren mir ein Neues Auto zu Kaufen, und wollte eigentlich wissen was ein Elektroauto wohl kosten würde,aber leider bekommt man niergent wo eine vernünftige aussagen hinsichtlich des Kaufpreises. Ausserdem Elektroautos mit einem Gewicht von 1t bis 1,5 t sind ja unsinnig,da kann man gleich einen Panzer fahren.
    Es dürfte ein vernüntiges Elektrauto maximal 15000€ Kosten.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *