Version 1 des Rad-Routenplaners im TVG-Verlag war vor Jahren eine Lachnummer. Er wollte die Nutzer bisweilen auf Strecken lotsen, wo sie vor lauter Abgasen kaum noch den Lenker erkannt hätten. Seither hat sich einiges getan: Die Software macht nicht mehr an der deutschen Landesgrenze halt, und auch die Routenplanung enthält jetzt mehr für Rennradfahrer interessante Strecken und Wege.

Dennoch: Routenplanung für Radfahrer hat es ähnlich schwer wie Spracherkennungssoftware. Letztlich ist die Technik noch nicht reif, es fehlt an Daten, um auch nur annähernd so gute Wege zu finden, wie sie ein ortskundiger Radfahrer kennt. Wer also erwartet, von dieser Software genauso perfekt gelotst zu werden wie von einem Auto-Navigationssystem, braucht nicht weiterzulesen: Gerade in Städten ist so etwas derzeit nicht möglich. Alle anderen erfahren, bis zu welchem Grad der Rad-Routenplaner die Wegfindung auf unbekanntem Terrain erleichtert – und in welcher Situation die Software hoffnungslos überfordert ist.

Merkmale

Das Wichtigste zuerst: Das Kartenmaterial des Rad-Routenplaners stammt von Navteq und offenbart im Test keine Probleme bei der Adressensuche. Auch relativ neue Straßen kennt es. Für eine einfache Navigation gibt man den Start- und den Zielort an. Auf Wunsch ergänzt man ein paar Wegpunkte, um dem Navi auf die Sprünge zu helfen, wo es denn nun wirklich am schönsten ist – oder weil man eben einen Abstecher machen möchte.

Aus diesen Koordinaten berechnet die Software die Strecke. Standardmäßig zeigt das System eine Abbiegeliste ebenso wie ein Höhenprofil auf der linken Seite an, während rechts die Karte eingeblendet wird, durch die sich die Route in Form eines dicken blauen Bandes zieht.

Zusätzlich bietet der Routenplaner fürs Rennrad auch die Möglichkeit, von einem bestimmten Ort aus eine Rundstrecke zu planen. Dabei lässt sich die Himmelsrichtung vorgeben beziehungsweise man kann einige Richtungen ausschließen. Das ist praktisch, wenn man etwa am südlichen Stadtrand Frankfurts oder einer anderen Großstadt losfahren möchte. Der Routenplaner sucht sich dann in einer etwas rechenintensiven Operation Wegpunkte heraus, die der Vorgabe von Startpunkt und ungefährer Streckenlänge entsprechen. Eine Art künstliche Intelligenz bewertet die Route anschließend – und verwirft sie gegebenenfalls wieder. Ist der Rechner zufrieden, wird die Rundfahrt dem Nutzer präsentiert – aber als grobe Route und noch nicht straßengenau. Die eigentliche Straßenfolge berechnet der Planer erst, wenn der Fahrer dies möchte – und ein weiteres Mal klickt.

Nach dem selben Prinzip arbeiten auch die vordefinierten Strecken. Sie bestehen ebenfalls nur aus Start, Ziel und Wegpunkten. Die Streckenführung berechnet das Programm auf Wunsch. Der Vorteil für den Nutzer: Er kann hier zusätzlich Präferenzen einbringen. So lassen sich Bundesstraßen bevorzugen – oder landschaftlich schöne Strecken. Und man kann von Haus aus eine Alternativroute anfordern, sodass eine Wahl zwischen zwei Routen besteht.

Was machen mit fertigen Strecken? Sie lassen sich drucken (als Karte oder Abbiegeliste) und elektronisch exportieren. Hier fällt besonders die Integration mit den marktführenden Outdoor-Navigationsgeräten von Garmin auf. Die Strecke („Track und Route“ in Garmins Terminologie) lässt sich direkt aufs System spielen oder mit nur einem Klick in die Garmin-Software MapSource übernehmen. Mit GPX (Global Positioning Exchange) steht ein Format bereit, das auch das Überspielen auf Navis anderer Hersteller erlaubt. Text- und Excel-Formate werden ebenfalls unterstützt.

Einen Import gibt es übrigens auch. Außer Routen aus anderen Systemen kann man beispielsweise seine Adressen aus Outlook importieren, um sie als Start oder Ziel zu verwenden.

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