"Linux auf Rädern" soll Windows-Monopol ausbremsen

Inwieweit sich eine Standardumgebung ähnlich der von Windows im Auto durchsetzen wird, ist noch offen. Zu spezifisch sind die Bedürfnisse in der Car-to-Car-Kommunikation, als dass Hersteller diese auf einen Schlag abdecken können. Denn gefragt sind vernetzte offene Betriebssysteme in Echtzeit, weshalb sich die Open-Source-Community auch im Automobil auf der Überholspur befindet.

Hardwarespezialist Intel und Embedded-System-Hersteller Wind River haben kürzlich eine neue Kooperation bekannt gegeben. Das Ziel haben die Protagonisten ausgesprochen ambitioniert formuliert, nämlich ein „Linux auf Rädern“ bereitzustellen. Das geplante System inklusive Video und 3D-Grafik soll schon im kommenden Jahr vom Band rollen.

Das kommerzielle Linux-System von Wind River punktet vor allem durch Echtzeitfähigkeiten und Optimierung für eingebettete Systeme. Die technologische Basis dazu bietet die „River Linux Platform for Infotainment“ – eine Plattform, die auch die neue Prozessortechnologie „Atom“ von Intel beinhaltet und deutlich weniger Ressourcen verbrauchen soll. Der einzige Wermutstropfen besteht darin, dass das Ganze natürlich nicht komplett nach dem Plug-and-play-Prinzip funktionieren kann.

Denn die von Wind River entwickelte Technologie müssen die Hersteller selbst für ihre konkreten Bedürfnisse umschneidern. Gegenüber den gängigen Varianten aus der proprietären Welt besitzt die Linux-Plattform aber laut Anbieter den Vorteil, die Entwicklungszeit gegenüber einer selbst entwickelten Lösung aufgrund des hohen Grads in der Standardisierung deutlich zu verkürzen, weil optionale und zusätzliche Komponenten bereits integriert oder zumindest leicht integrierbar sind.

Dazu zählen etwa die Spracherkennung von Nuance Communications, Bluetooth und fortgeschrittene Lösungen zur Echokompensation und Rauschunterdrückung, Musik- und Playlisten-Verwaltung, Multimedia-Netzwerklösungen sowie der DVD-Player LinDVD. Der Fokus beim Partner Nuance liegt dabei ausschließlich auf der so genannten Human-Machine Interface (HMI), speziell dem SUI (Speech User Interface), wie eine Nachfrage von CNET ergab.

Windows Automotive, Fiat 500
Windows Automotive: Der Fiat 500 fährt auf Wunsch mit Windows-Taste auf dem Lenkrad vor, die Zugriff auf Multimediafunktionen und angedockte Geräte ermöglicht. (Foto: CNET Networks)

Dabei ist es laut eigener Aussage für Nuance zunächst einmal technologisch unerheblich, welche Embedded Open Source in den entsprechenden Komponenten wie Infotainment Headunit, Telematik oder Connectivity Box sowie Autoradio verbaut sein wird. Allerdings gibt es dennoch große Unterschiede im Aufwand und Preis der Entwicklungsleistungen.

Denn gerade die Elektronikspezialisten wie Nuance rechnen mit spitzem Bleistift. Je besser die Entwicklungsumgebung ausfällt und je näher das Betriebssystem an den Applikationslayer angebunden ist, desto positiver wirkt sich dies auf den Aufwand aus, sprich die Kosten bei der Entwicklung einer sprachbasierten Benutzeroberfläche. Lösungen made by Open Source können hier mittlerweile durchaus mithalten.

Das von Wind River entwickelte System soll es außerdem ermöglichen, populäre Geräte wie iPods anzuschließen. Es soll 3D-Grafik beherrschen, wie sie bereits in neueren Navigationssystemen zum Einsatz kommt, aber auch für zahlreiche Video- und Audio-Standards zugänglich sein. Weitere Pluspunkte wären ein niedriger Energieverbrauch und kurze Startzeiten. Zudem soll das System eine Verbindung zum CAN-Bus des Fahrzeugs (Controller Area Network) aufnehmen und den Standard für Automobil-Multimedia-Netze MOST (Media-Oriented Systems Transport) unterstützen.

Ein bisschen Linux, aber sonst?

Das gewöhnliche Automobil mutiert somit zweifellos immer mehr zu einem mobilen Knoten in einem Informationsnetzwerk. Man denke etwa an die Car-to-Car-Kommunikation, die Vernetzung mit der Verkehrsinfrastruktur und die unzähligen Mehrwertdienste, die schon heute in Fahrzeugen verfügbar sind – Verkehrsinformationen aus dem Internet zum Beispiel.

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