Eagle-I ist ein kleines Wortspiel – im Deutschen könnte das Gerät „Adlerauge“ heißen – und der passende Name für eine Sonnenbrille, die eigentlich eine Kamera ist. Sie wird gern von Drachen- und Gleitschirmfliegern oder Fallschirmspringern auf einem ihrer Flüge getragen, um Bilder dieser Abenteuer aufzuzeichnen. Aber auch Radler, Wanderer, Kletterer oder Inline-Skater dürften ihre Freude an dem unauffälligen Videorekorder haben.

Design

Die Modemarke Oakley verkauft schon seit ein paar Jahren Sonnenbrillen mit integriertem MP3-Player. Das Design der Eagle-I aus dem Hause Banana Factory erinnert stark an dieses erfolgreiche Vorbild. Also logo, dass die Brille echt elegant aussieht und trotz eingebauter Kamera gerade mal ein paar Gramm auf die Waage bringt. An den Brillenbügeln sind zwei Ohrhörer befestigt, so dass der Besitzer nicht nur Bilder aufnehmen, sondern auch Videos inklusive Ton ansehen kann. Die Ohrhörer sind in Länge und Winkel verstellbar. Damit sitzen Brille und Kopfhörer beinahe auf jedem Eierkopf gut fest. Nur bei kleinen Köpfen passt der Abstand nicht – die Brille sitzt zu locker. Für Kinder ist sie daher nicht geeignet.

Die Linse befindet sich direkt über der Nase – unauffällig in der Mitte des Brillengestells. Der Praxistest im Café zeigt: Man kann seine Umwelt gnadenlos anstarren. Dass man filmt, ahnt niemand.

So gut die Brillenkamera gelungen ist, so gepfuscht wirkt der Player, der als Aufzeichnungsgerät dient. Die Knöpfe reagieren schwerfällig, die 5-Wege-Steuerung unter dem Display stöhnt und ächzt bei jeder Berührung. Insgesamt fühlt sich der Player unglaublich billig an. Da kann auch der schwarze Klavierlacküberzug nichts mehr retten.

Eine psychedelische Erfahrung der dritten Art macht man mit, wenn man durchs Menü surft. Teilweise überlappt die Beschriftung der Navigationspunkte, so dass nur noch Hellseher sich zurechtfinden.

Ausstattung

Die Eagle-I nimmt über eine im Vergleich zu manch anderen Kamerabrillen höchst unauffällige Linse über der Nase bis zu zweistündige Videos im Format 3GP auf. Die Anfangsblendenöffnung liegt bei f3,6. Allzu dunkel darf es also nicht sein, wenn die Filme etwas werden sollen. In dunklen Hotel- oder Schlafzimmern hat der Einsatz also keinen Zweck.

Mit der mitgelieferten Software hat der kleine Hobbyregisseur die Möglichkeit, die aufgenommenen Filme aus dem Format 3GP-Datei in ein MPEG-4-Video verwandeln und damit auf die gängigen Video-Plattformen wie Youtube, Clipfish oder MyVideo hochladen.

Aufnehmen kann die Kamera nur, wenn sie mit dem beiliegenden MP4-Player verbunden ist. Dieser dient als Speichermedium. Der interne Speicher im Player beläuft sich auf ein Gigabyte. Da passt etwa eine halbe Stunde Film drauf. Wer länger unterwegs ist, kann per SD-Karte aufrüsten. Der Eagle-I-Player kommt mit Speicherkarten von bis zu zwei Gigabyte zurecht.

Nach einem spektakulären Sprung oder einer abenteuerlichen Tour lässt sich das Filmwerk auf dem 2,5 Zoll großen TFT-OLED des Players direkt ansehen. Das Display ist allerdings mit 49 mal 37 Millimetern bei 320 mal 240 Pixeln Auflösung wirklich mini. Und weil das so knickerig ist, lässt sich der Player per TV-Ausgang an einen Fernseher anschließen.
Auf dem 10 mal 7 mal 1,4 Zentimeter großen Player sind zudem einige Spiele vorinstalliert. Weiter hat der Eagle-I-Player eine Diktierfunktion, einen Taschenrechner, ein Notepad und ein Wörterbuch an Bord. Da diese Funktionen auch in den meisten Handys anzutreffen sind, erscheinen sie eher als nutzlose Dreingabe. Ferner stellt das Gerät auch E-Books dar.

Zum Lieferumfang gehören neben der Eagle-I-Brille und dem Eagle-I-Player ein Ladekabel, fest an die Brille geschraubte Kopfhörer, ein USB-Kabel, ein Videokabel, ein Netzteil, Software sowie drei Brillengläser-Paare.

Leistung

Wer die Brille aufsetzt und einfach drauflos filmen will, wird auf erste Schwierigkeiten stoßen. Das, was das menschliche Auge sieht, stimmt nämlich nicht mit dem überein, was die Kamera aufzeichnet. Es empfiehlt sich also, erst mal ein paar Probeaufnahmen zu machen, um herauszufinden, wie man den Kopf am besten hält – damit Eagle-I auch das filmt, was man für die Ewigkeit aufbewahren will.

Die Filmqualität ist gar nicht mal schlecht, die Farben wirken allerdings ein wenig überzeichnet. Probleme gibt es bei großen, einfarbigen Flächen: Sie strahlen in ihre Umgebung ab und färben sie ein. Sitzen zum Beispiel Menschen an einem Tisch mit knallgelber Tischdecke, wirken auch die Menschen ein wenig gelblich im Gesicht.

Tonaufzeichnungen werden schwierig, wenn der Player in der Tasche steckt, denn an ihm befindet sich das Mikro. Es ist überraschend empfindlich und zeichnet die Töne laut auf. Leider kommt auch ein Dauerrauschen mit auf die Tonaufnahme – am besten ist es daher, den Film nachzuvertonen, sofern es große Dinge zu sagen gibt. Das Videovergnügen darf knapp zwei Stunden dauern, wie der Test gezeigt hat. Dann muss der Akku wieder an die Steckdose.

Gut gefallen hat uns die mitgelieferte Software: Die aufgezeichneten Werke liegen im Format 3GP vor, mit Hilfe der Software lassen sie sich in die Formate MPEG-1, -2 oder -4 und AVI umwandeln und abspielen.

Musik gibt der Player als MP3- oder WMA-Datei wieder – dazu am Besten die Brille abnehmen und eigene Kopfhörer einstöpseln. Der Player verfügt über einen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss für Standardkopfhörer, so dass das kein Problem ist.

Standbildfreunde können sich auch Fotos auf dem MP4-Player ansehen, sofern sie als JPEG-Datei vorliegen. Sämtliche Daten lassen sich via USB mit dem PC austauschen.

Fazit

Die Eagle-I ist eine nette Idee – von chinesischer Hand umgesetzt. Player und Brille sind billigst verarbeitet, beim Scrollen durchs Menü kracht es nur so. Außerdem sind die Ohrhörer extrem bruchgefährdet. Unser Schluss: Verarbeitung mangelhaft. Die Filmqualität und die mitgelieferte Software machen dagegen Laune.

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