Abwrackprämie für Altautos: Tausch gleicht einem Kuhhandel

Im Zuge der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise sind auch die deutschen Automobilhersteller in Turbulenzen geraten. Jetzt will der Staat Konsumenten mit Hilfe einer staatlichen Förderung dazu bewegen, sich frühzeitiger als bislang zum Kauf eines Neuwagens verleiten zu lassen. Wem aber nützt die Abwrackprämie wirklich etwas?

Immer länger fahren die Bundesbürger ihre Autos – und sie hoffen dabei insgeheim darauf, dass sie möglichst von allzu großen und teuren Reparaturen verschont bleiben. Durchschnittlich neun Jahre ist jedes Fahrzeug hierzulande auf den Straßen unterwegs. Von der geringen Neigung, sich einen teuren Neuwagen anzuschaffen, haben bislang vor allem die Gebrauchtwagenhändler und Reparaturwerkstätten profitiert.

Dass die gebeutelte Automobilindustrie derzeit die Idee einer staatlich bezuschussten „Abwrackprämie“ für Altautos beim gleichzeitigen Kauf eines neuen und umweltfreundlichen Fahrzeugs befürwortet, überrascht deshalb kaum. Denn die Hersteller hoffen, dass dies die ins Schlingern geratenen Absatzzahlen beim Neuverkauf kräftig ankurbelt.

Folgen für Konsumenten, Industrie und Umwelt

Kosten soll diese Prämie die Steuerzahler nach vorläufiger Schätzung von Experten rund eine Milliarde Euro. Im Gegenzug sollen durch rund 750.000 mehr verkaufte Neuwagen höhere Steuereinnahmen über die Mehrwertsteuer rund zwei Milliarden in die öffentlichen Kassen spülen, rechnen Experten vor. Klappt dieser Kuhhandel tatsächlich?

Denn das seltsame politische Treiben in der Automobilindustrie mutet schon seit längerem wie intensive Lobbyarbeit an. Und hier rücken seltsamerweise die Sozialdemokraten mit ihrem Vorschlag ins Visier, jedes verschrottete Auto mit immerhin bis zu rund 3000 Euro zu vergüten.

Doch wer profitiert eigentlich von der Stilllegung älterer, aber möglicherweise noch fahrtauglicher Vehikel? Zunächst einmal gibt es viele, die davon nicht profitieren werden. So schade die Abwrackprämie sowohl dem Klima als auch der Industrie, kritisiert Greenpeace. Und zwar deshalb, so Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck, weil die Regierung durch eine pauschale Prämie nach dem Gießkannenprinzip alle Neuwagen unabhängig vom CO2-Ausstoß fördere.

„Zudem werden die meisten Altautos gar nicht verschrottet, sondern als Gebrauchtwagen weiterverkauft. In der Summe entstehen also noch mehr Emissionen als zuvor“, bilanzieren die Umweltschützer. Aber auch ökonomisch sei die Verschrottungsprämie sinnlos, da die Regelung nur bei in Deutschland verkauften Autos gelte und nicht sicher sei, dass speziell der Absatz deutscher Autos zunehme.

Außerdem mache der Kauf von Pkw durch private Personen nur den kleinsten Teil des Pkw-Absatzes aus. Im Klartext: Rund 70 Prozent der deutschen Pkw-Produktion werden exportiert und 60 Prozent der verbleibenden, in Deutschland zugelassenen Autos als Dienstwagen angemeldet. Den Privatkauf zu fördern, helfe der Autoindustrie also nicht aus ihrem strukturellen Absatzproblem heraus, so Greenpeace.


Laut Greenpeace verringert sich der CO2-Ausstoß durch die Abwrackprämie für Altautos nicht (Foto: Greenpeace).

Ähnliche Regelungen existieren bereits

Auch ein Vergleich mit den Nachbarländern lohnt, um zu sehen, wie ineffektiv sich ein derartiges Förderinstrument erweisen kann. So gibt es etwa in Frankreich eine derartige Prämie bereits, verbunden sogar mit einer konkreten Umweltauflage. Und trotzdem bricht auch dort der Autoabsatz weiter ein. Wer also versucht, auf diese Weise einen Rettungsfallschirm für die gebeutelten Automobilhersteller zu spannen, der dürfte am Ende wohl herb enttäuscht werden.

Denn im Prinzip existiert hierzulande mit Hilfe der „Schwacke-Liste“ für das Ausmustern von Altautos bereits ein etabliertes Vergütungssystem. Mit dem kleinen Unterschied, dass bislang die Händler – und nicht der Staat – dem Kunden einen Umstieg auf das Neufahrzeug finanziell vergüten. Allerdings sind bei Schwacke erst Fahrzeuge ab dem Baujahr 1996 registriert, ältere Varianten also zumindest theoretisch bereits auf den Buchwert „Null“ abgeschrieben.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Abwrackprämie für Altautos: Tausch gleicht einem Kuhhandel

  • Am 7. Februar 2009 um 00:45 von Christel Weiher

    Statt Kuhhandel Chance für die Autoindustrie
    Die Tatsache, dass Opel jetzt beim Insignia aufgrund der guten Auftragslage Mehrschichten schieben will und in zwei Werken die Kurzarbeit doch kürzer als geplant halten will, sagt doch alles, oder? Und die allein an diesem Freitag 6.000 gestellten Anträge für die Umweltprämie, wie die Abwrackprämie heißt, auch. 😉

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