Kurzzeitfotografie im Eigenbau: unglaubliche Bilder für 15 Euro

Von einer Kugel durchsiebte Hühnereier, eingefroren im Moment des Platzens. Bizarre Säulen aus Wasser, die wie Glas aus einem Gefäß aufsteigen, in das ein Apfel fällt. Die spektakulären Momentaufnahmen wandern seit Jahren durch Fotomagazine und das Internet. Doch für die Bilder, die aussehen wie aus einer anderen Welt, braucht es weder großartiges Know-how noch sündhaft teures Equipment.

Der Kumpel hat einen neuen Skateboardtrick drauf. Also muss natürlich ein spektakuläres Foto davon her. Nach zwei Stunden Knipsen ist der Speicher der Kamera voll, ihr Akku leer, der Freund müde und immer noch keine wirklich brauchbare Aufnahme dabei. Es ist eben einfach schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Da hilft es nicht gerade, dass jede Kamera eine mehr oder minder große Auslöseverzögerung besitzt. Aber wenn ein einfacher Stunt schon so schwierig zu treffen ist, wie fotografiert man dann einen zerplatzenden Luftballon?

Prinzip der Low-Budget-Kurzzeitaufnahmen

Wir umgehen die Auslöseverzögerung, indem wir einfach sehr lange belichten. Damit das Foto nicht ausschließlich aus visuellem Geschmiere besteht, nehmen wir im Dunkeln auf. Für die Ausleuchtung der Szene zum richtigen Zeitpunkt sorgt ein externes Blitzgerät. Dieses kommt im Gegensatz zur Kamera ohne aufwändige Elektronik, Mechanik und Optik aus. Eine korrekte Ansteuerung vorausgesetzt, löst es praktisch sofort aus. Doch wie bringen wir den Blitz dazu, so exakt zu zünden? Die Reaktionsgeschwindigkeit eines Menschen liegt im Bereich von 20 Millisekunden, da stehen die Chancen auf ein richtiges Timing schlecht.

Ein Blitzgerät mit Standard-Zubehörschuh löst aus, sobald die beiden Kontakte kurzgeschlossen werden. Wir benötigen also einfach einen entsprechenden Sensor. Dazu kommen eine Kamera, die die erforderlichen manuellen Einstellungen erlaubt, und der richtige Versuchsaufbau. Wir haben beschlossen, mit einem Luftgewehr Obst, Gemüse, Glühbirnen und Luftballons zu Kleinholz zu verarbeiten. Und dabei natürlich nicht nur mit der Luftdruck-Flinte, sondern auch mit der Kamera zu schießen.

Was muss der Fotoapparat können?

Die eingesetzte Kamera sollte eine manuelle Einstellung der Belichtungszeit erlauben. Hervorragend eignet sich auch der Bulb-Modus. Darüber hinaus muss der Fokus manuell konfigurierbar sein. Denn im Dunkeln findet die Kamera keinen Punkt zum Scharfstellen. Der Sekundenbruchteil, in dem das Blitzgerät das Motiv ausleuchtet, ist selbst für den schnellsten Autofokussensor viel zu kurz. Eine verstellbare Blende ist hilfreich, aber nicht zwingend notwendig.

Jede digitale Spiegelreflexkamera erfüllt diese Anforderungen. DSLRs mit Kit-Objektiv sind bereits ab gut 300 Euro erhältlich, beispielsweise die Nikon D40. Aber auch Besitzer von gut ausgestatteten Bridgekameras oder analogen Spiegelreflexkameras sind für Kurzzeitfotos gerüstet. Wir setzen beispielsweise die schon etwas ältere Dimage A2 von Konica Minolta ein.

Ein Blitz für die Beleuchtung

Die Leuchtdauer eines Blitzgeräts liegt, abhängig von der Qualität und der Einstellung, zwischen einigen Milli- und Mikrosekunden. Eine Belichtungszeit von 20 Mikrosekunden – ein durchaus realistischer Wert – entspricht 1/50.000 Sekunde. Kaum eine Consumer-Digitalkamera schafft derart schnelle Verschlusszeiten, ganz abgesehen vom richtigen Timing des Fotografen.

Neueste Kommentare 

4 Kommentare zu Kurzzeitfotografie im Eigenbau: unglaubliche Bilder für 15 Euro

  • Am 3. März 2009 um 11:44 von Philipp

    Anleitung??
    Hi Ihr!
    Wiedermal ein tolles Wochenendprojekt mit ordentlich Pontential. Großes Kino und klasse geschrieben. Das einzige was mir als ambitionierten Nachbastler fehlt wären ein paar Bilder und eine Anleitung was beim verlöten des Blitzes so zu beachten ist. Gerade das stellt Amateure wie mich vor echte Probleme.
    Bitte reicht das doch noch nach, dann wird das nächste Wochenende ganz sicher zur Sauerei :)

  • Am 4. März 2009 um 09:33 von Daniel Schraeder

    Re: Anleitung??
    Hi Philipp,

    danke für die Blumen!

    Das mit dem Löten ist einfach – wir haben nicht gelötet. Wir haben den Blitzschuh-Adapter gekauft und den Stecker abgeknipst. Dann haben wir zwei Drähte vor uns. Die isolierst Du ab und montierst je ein Kabelende an einem Streifen Alufolie – wir haben das einfach mit einem Streifen Isolierband befestigt. Wenn sich die beiden Alustreifen dann berühren, blitzt es – fertig.

    Beste Grüße von der CeBIT,
    Daniel

  • Am 10. März 2009 um 09:20 von philipp

    Danke!
    Danke für die prompte Hilfe. So, dann kann der Bastler in mir endlich loslegen 😉
    Viele Grüße ans Team

  • Am 13. Januar 2016 um 17:43 von Philipp Radtke

    Ist zwar ein recht alter Beitrag, aber ich versuche es trotzdem mal:
    In der Theorie klappt die ganze Vorrichtung. Allerdings habe ich in der Praxis das Problem, dass der Blitz in der kurzen Zeit, in der die Alufolie sich berührt, gleich 4 mal auslöst. Durch diese Mehrfachbelichtung habe ich dann ausschließlich unscharfe Bilder.
    Hat da jemand einen Tipp?

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