Rüstet die Handelsschifffahrt auf Segel um?

MS “Beluga SkySails”

Vor wenigen Tagen ist die MS „Beluga SkySails“ mit dem Winddrachen-Antriebssystem des gleichnamigen Hamburger Hersteller SkySails von ihrer fast 12.000 Seemeilen langen Jungfernfahrt zurückgekehrt. Sie ist mit einem 160 m² großen und mit Autopilot für Start, Flug und Landung ausgerüsteten Zug-Drachen bestückt, der auf See Maschinenleistung durch Windkraft ersetzen und damit Treibstoffkosten sparen und die Umwelt entlasten soll.

Die MS „Beluga SkySails“ war am 22. Januar von Bremen aus nach Venezuela aufgebrochen und erreichte Nach abstechern in die USA und in die Nähe des Polarkreises am 13.03.2008 nach insgesamt 11.952 Seemeilen und mit 8.000 Tonnen Fracht an Bord den norwegischen Hafen Mo-I-Rana.

„Wir können mit Frachtschiffen tatsächlich wieder segeln und schlagen damit ein neues Kapitel in der Geschichte der Schifffahrt auf“, so das Fazit von Kapitän Lutz Heldt nach seiner Rückkehr von der knapp zweimonatigen Jungfernreise des Mehrzweck-Schwergutfrachters.

Damit begann die erste Hälfte der einjährigen Pilot-Phase, in der das Kite-Segelsystem im Einsatz auf Kundenschiffen dahingehend optimiert werden soll, dass es den praktischen Erfordernissen auf See und den Ansprüchen der Kunden in Hinblick auf Stabilität, Zuverlässigkeit und einfache Nutzung vollauf genügt. Die zweite Hälfte der Erprobung soll dann der Ausdehnung der Flugzeiten und Optimierung der Leistungsfähigkeit dienen.

MS “Beluga SkySails”Auf der Jungfernfahrt konnte bereits bei mäßigem Wind der Stärke 5 eine zeitweilige Zugkraft von rund 5 Tonnen erreicht werden, was einer Ersatz-Maschinenleistung und damit Treibstoffersparnis von etwa 20 Prozent entspricht. Die täglichen Segelzeiten lagen dabei zwischen 5 Minuten und 8 Stunden. SkySails geht davon aus, je nach Windverhältnissen und Reiseroute künftig zwischen 10 und 35 Prozent Treibstoff einsparen zu können. Kurzfristig könne das Windsystem dann sogar bis zu 50 Prozent der Maschinenleistung ersetzen.

Laut dem Reeder Beluga entspricht bereits eine Windleistung von 20 Prozent auf der MS „Beluga SkySails“ hochgerechnet auf einen Tag einer Treibstoffersparnis von 2,5 Tonnen. Das sind rund 1.000 US-Dollar Ersparnis für den Reeder und entsprechend weniger Belastung für die Umwelt. 20 Prozent der künftigen Kostenersparnis will die Reederei übrigens direkt an die Mannschaft weitergeben.

Die MS „Beluga SkySails“ soll nach der Pilot-Phase ein doppelt so großes Kite-Segel erhalten und dann bis zu 2.000 US-Dollar pro Tag einsparen, während zwei in Bau befindliche Beluga-Schiffsneubauten mit je 20.000 Tonnen Tragfähigkeit ein je 600 m² großes Segel erhalten sollen.

Videos zum Einsatz der Kite-Segeltechnik auf der Jungfernfahrt der MS „Beluga SkySails“ finden Sie hier und hier, Videos zur Pressevorführung gibt es hier und hier. (gst, Quelle: SkySails)

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