Kompaktkameras für Nachtfotografie: Exmor- gegen EXR-Sensor

Deutlich bessere Ergebnisse bei schlechten Lichtverhältnissen stellen einen wichtigen Grund für den Wechsel von Kompakt- zu Spiegelreflexkameras dar. Sowohl Sony mit seinem Exmor-Sensor als auch Fujifilm mit seinem EXR-Chip wollen dieses bisherige Manko von Digicams für die Hosentasche beheben. Wir haben uns mit zwei Modellen in die Nacht gestürzt.

Lichtteilchen fallen durchs Objektiv und auf den Bildsensor. Der Chip fängt die eintreffenden Photonen ein und rechnet sie schließlich zu einem fertigen Foto zusammen. Je dunkler es ist, desto länger muss der Sensor zählen, um eine ausgeleuchtete Aufnahme zustandezubringen. Ab einer gewissen Zähldauer machen dem Fotografen allerdings seine unruhigen Hände einen Strich durch die Rechnung. Als Faustregel gilt: Überschreitet die Verschlusszeit den Kehrwert der Brennweite im Kleinbildäquivalent, geraten die Fotos verwackelt. Demnach ist im 25-Millimeter-Weitwinkel 1/25 Sekunde das höchste der Gefühle. Ein Bildstabilisator verschiebt diese Grenze ein wenig, bewirkt aber keine Wunder.

Eine Lösung dieses Problems sind riesige Bildsensoren, die mit ihrer größeren Fläche schlicht mehr Licht einfangen. Mit den Abmessungen des Chips wachsen allerdings auch die Objektive. Und schließlich wird aus der Kompakten eine DSLR, die nicht mehr in die Hosentasche passt.

Die Tricks der kompakten Nachteulen

Sony und Fujifilm setzen in ihren lichtempfindlichen Modellen Sensoren ein, die mit 1/2,4 Zoll (Sony Cyber-shot DSC-WX1) beziehungsweise 1/2,0 Zoll (Fujifilm F70EXR) nicht größer sind als die Chips der Konkurrenten. Um trotzdem freihändige und scharfe Fotos zu ermöglichen, greifen die beiden Hersteller auf unterschiedliche Tricks zurück.

Fujifilms EXR-Sensor verfügt über drei verschiedene Arbeitsmodi. Liegt die Priorität bei guten Lichtverhältnissen auf hoher Auflösung, so setzt die Kamera die vollen 10 Megapixel ein. Im Zwielicht dagegen fasst die Elektronik jeweils zwei Pixel zusammen. Das Ergebnis ist zwar eine geringere Pixelzahl, doch dafür trifft auf jeden einzelnen Bildpunkt mehr Licht. Das resultierende 5-Megapixel-Foto bietet bei gleicher Verschlusszeit also deutlich mehr Ausleuchtung. Im dritten Modus belichten die Fujifilm-Kameras jeweils eine Hälfte der zehn Millionen Mini-Sensoren unterschiedlich lange. Aus diesen beiden Halbbildern errechnet der Bildprozessor schließlich ein Foto mit erhöhtem Dynamikbereich. Es handelt sich also um eine Art integrierte HDR-Funktion.

Der Konkurrent Sony setzt auf eine etwas andere Technik. Anstatt mit den Pixeln auf dem Sensor während einer Aufnahme zu jonglieren, schießen die mit Exmor-R-Chips ausgestatteten Modelle einfach mehrmals hintereinander mit voller Auflösung und rechnen die Einzelbilder zusammen. Der Fotograf hat hier die Auswahl zwischen einem Modus zur Reduzierung der Bewegungsunschärfe und einem, der das Bildrauschen minimiert. Außerdem soll der neuartige Aufbau des Sensors grundsätzlich eine bessere Sicht bei schlechten Lichtverhältnissen ermöglichen. Statt wie bei gewöhnlichen lichtempfindlichen Chips sitzt die Verdrahtung bei den Exmor-Lichtfängern nicht vor, sondern hinter den Photonenfallen. Damit steht mehr von der Gesamtfläche des Bildsensors für einfallendes Licht zur Verfügung.

Die beiden direkten Konkurrentinnen

Als Vertreter der beiden Lager kommen in unserem Schlagabtausch die Sony Cyber-shot DSC-WX1 mit Exmor-Sensor und die Fujifilm F70EXR mit EXR-Chip zum Einsatz. Bei den beiden Kameras handelt es sich um die neuesten Modelle, die der jeweilige Hersteller mit seiner Nachtfoto-Technologie ausstattet. Die folgende Tabelle vermittelt eine Übersicht über die Ausstattungsmerkmale des kompakten Duos.

Tabelle anzeigen: Fujifilm FinePix F70EXR und Sony Cyber-shot DSC-WX1 im Vergleich

Fujifilm FinePix F70EXR und Sony Cyber-shot DSC-WX1 im Vergleich

Hersteller Sony Fujifilm
Modell Cyber-shot DSC-WX1 FinePix F70EXR
Preis 250 Euro 210 Euro
Bildsensor 1/2,4-Zoll-Exmor-R-CMOS 1/2,0-Zoll-Super-CCD-EXR
Auflösung 10 Megapixel 10 Megapixel
Optischer Zoom 5-fach 10-fach
Brennweitenbereich 24 – 120 mm 27 – 270 mm
Lichtstärke F2,4 – F5,9 F3,3 – F5,6
Bildstabilisator optisch mechanisch
Max. Fotoauflösung 3648 x 2736 Pixel 3616 x 2712 Pixel
Max. Videoauflösung 1280 x 720 Pixel @ 30 fps 640 x 480 @ 30 fps
Dateiformate JPEG (Foto), MPEG-4 (Video) JPEG (Foto), MJPEG (Video)
Display 2,7 Zoll 2,7 Zoll
Sucher nein nein
Stromversorgung Lithium-Ionen-Akku Lithium-Ionen-Akku
Abmessungen 9,1 x 5,2 x 2,0 cm 9,9 x 5,9 x 2,3 cm
Gewicht 120 g 180 g

Neueste Kommentare 

9 Kommentare zu Kompaktkameras für Nachtfotografie: Exmor- gegen EXR-Sensor

  • Am 19. November 2009 um 21:51 von Marcel

    Test WX1 gegen F70 EXR
    ein Test WX1 gegen die F200EXR wäre sicherlich sinnvoller gewesen!!!!da wäre der Test sicherlich anders ausgefallen.
    mfg

  • Am 20. November 2009 um 11:20 von Stefan Möllenhoff

    Re: Test WX1 gegen F70 EXR
    Hallo Marcel,

    zum Testzeitpunkt stand uns leider keine F200EXR zur Verfügung. Wir rechnen allerdings nächste Woche mit einem Exemplar und werden die Story Ende November updaten.

    Beste Grüße,
    Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 26. November 2009 um 22:46 von Wolfram-Asmund Sattler

    F70EXR-Bilder vergleichsweise unterbelichtet
    Ich frage mich, warum die Bilder aus der F70EXR im Gegensatz zu denen aus der WX1 meist unterbelichtet sind. Hier hätte man ja doch öfter zur Belichtungskorrektur greifen müssen, um aussagekräftigeres Vergleichsmaterial zu erhalten.
    Mich beschleicht das Gefühl, als wollte man die Finepix absichtlich disqualifizieren …

  • Am 27. November 2009 um 19:05 von Stefan Möllenhoff

    Re: F70EXR-Bilder vergleichsweise unterbelichtet
    Hallo Wolfram,

    bei den gezeigten Fotos bewegen sich die beiden Kameras im absoluten Grenzbereich. Im EXR-Modus erlaubt die Finepix keine längeren Belichtungszeiten als 1/4 Sekunde – die Belichtungskorrektur ermöglicht hier leider auch keine helleren Aufnahmen mehr. Eine Disqualifikation der F70EXR findet hier meines Erachtens nicht statt. Die Fotos machen lediglich deutlich, dass die WX1 etwas mehr Spielraum bei extrem schlechten Lichtverhältnissen bietet. Wo die Fujifilm-Kamera noch ausreichend Licht einfängt, bietet sie eine höhere Schärfe und mehr Details.

    Beste Grüße,
    Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 29. November 2009 um 18:32 von Tristan Schlafhai

    Weitere Kameras zum Vergleichen
    Der Artikel und vor allem die Testfotos haben mich vielleicht vor einem Fehlkauf bewahrt. Ich hatte angenommen, dass die zwei Kameras bessere Bilder liefern würden. Wenn ich mir die Beispielfotos ansehe, dann ist wohl die Investition in ein leichtes, gutes Stativ immer noch die sinnvollste *g*.

    Es wäre sehr interessant, wenn zum Vergleich zu den beiden Modellen noch jeweils ein Foto mit einer guten SLR auf einem Stativ aufgenommen worden wären bzw. beim Update des Artkels aufgenommen werden würden.

    Abgesehen davon würde mich absolut interessieren, wie sich eine Leica M9 mit LEICA NOCTILUX-M 1:0,95/50 mm ASPH Objektiv verhalten würde (wenn die Redaktion ein solches Gerät für Tests überhaupt auftreiben kann *g*). Sicher – man müßte dafür andere Motive wählen bzw. eher Disco-, Party- oder ähnliche Fotos machen aber es man könnte das durchaus auch mit den oben getesteten Geräten tun (wäre zusätzlich interessant – solche Fotos fehlen nämlich beim Test bisher).

    Zugegeben – sowohl eine gute SLR, wie vor allem auch die Leica spielen in einer gaaaanz anderen Preisliga aber es wäre trotzdem schön mal einen Vergleich zu haben ;-).

  • Am 30. November 2009 um 11:50 von Stefan Möllenhoff

    Re: Weitere Kameras zum Vergleichen
    Hallo Tristan,

    vielen Dank für das Feedback. Wie bereits erwähnt, stoßen beide Kameras bei den in diesem Artikel veröffentlichten Fotos an ihre Grenzen. Bei guten Lichtverhältnissen sieht die Qualität ein ganzes Stück besser aus. Wenn Sie sich ein Bild davon machen möchten, was die Kompakten bei Tageslicht leisten, empfehle ich Ihnen die beiden Galerien mit Beispielfotos zur WX1, zur F200EXR und zur F70EXR.

    Eine Leica M9 mit dem F0.95-Noctilux wäre sicherlich sehr interessant für einen Vergleich, ist aber leider kurzfristig nicht aufzutreiben :-) Mit dem Veröffentlichen von Partyfotos ist es leider nicht ganz einfach, da einem hier die Clubbetreiber und die Partygäste beziehungsweise deren Anwälte leicht einen Strich durch die Rechnung machen. Ohne Stativ oder externem Blitz sind jedenfalls mit einer Einsteiger-DSLR und einem lichtschwachen Kit-Objektiv keine besseren Ergebnisse zu erzielen. Bei einer Vollformat-Kamera mit F1.2-Objektiv sieht das natürlich ganz anders aus – leider aber eben auch preislich. Wir behalten einen Vergleich von teuer gegen günstig im Hinterkopf :-)

    Beste Grüße,
    Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 1. Dezember 2009 um 23:12 von Hans-Peter

    Fuji F70EXR PRO LOW-LIGHT Modus
    Hallo!
    Die Fuji besitzt auch den PRO LOW-LIGHT Modus, bobei auch 4 Bilder hintereinander gemacht werden, das dann in der Kamera zu einem rauschvermindertem Bild verrechnet wird.
    Warum ist dieser Modus nicht benutzt worden?
    Zumindest finde ich keinerlei Angabe, das dieser Modus benutzt wurde bei der F70EXR!
    Ich finde, dadurch wird der gesamte Test unbrauchbar, oder sehe ich das falsch?

    Gruß
    Hans-Peter

  • Am 2. Dezember 2009 um 09:22 von Stefan Möllenhoff

    Re: Fuji F70EXR PRO LOW-LIGHT Modus
    Hallo Hans-Peter,

    vielen Dank für das Feedback. Sie haben recht, den Modus haben wir bei dem Test nicht berücksichtigt. In den nächsten Tagen werden wir einen Artikel veröffentlichen, der sowohl den Pro-Low-Light-Modus als auch die F200EXR mit etwas größerem Sensor abhandelt.

    Beste Grüße,
    Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 2. Dezember 2009 um 23:23 von M. Krimmel

    Endlich ein aussagekräftiger Test direkter Wettbewerber
    Hallo,

    ich möchte mich herzlich bedanken für diesen tollen Vergleichstest, den in dieser Form noch kein anderes (auch englischsprachiges) Forum geboten hat.

    Die Sony WX1 und die Fuji 70 EXR stehen in fast jedem Ranking ähnlich gleichauf (und auch die Casio EX-H10) , doch sieht man nie Bilder im direkten Vergleich.

    Mein Herz schlug schon immer für die Sony WX1 – trotz des höheren Preises – und mit diesen Bildbeispielen ist mir auch klar geworden warum.

    Herzlichen Dank
    M. Krimmel

Schreib einen Kommentar zu Tristan Schlafhai Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *