Arcade-Automat im Eigenbau: Pacman, Paperboy & Co.

Wir haben einen alten Arcade-Automaten restauriert und die Retro-Technik aus dem letzten Jahrtausend durch simple PC-Hardware ersetzt. Das Ergebnis ist eine kultige Zock-Maschine der Extraklasse, die fit ist, um die nächsten zehn Jahre Spieleklassiker wie Bomberman, Streetfighter oder Asteroids weiterleben zu lassen. Eine technische Zeitreise mit viel Arbeit, vielen Fehleinschätzungen und viel Spielspaß.

Wer vor 30 Jahren am Computer spielen wollte, musste in die Spielhalle ziehen – denn vor Playstation, Commodore 64 oder gar den heutigen High-End-Boliden, die die Nordschleife in Full-HD-Auflösung auf den Flachbildschirm holen, gab es in den eigenen vier Wänden keine Videogames.

In den Spielhallen hingegen, die die jüngeren unter uns zumindest noch von italienischen Campingplätzen kennen dürften, gab es sie: Arcadeautomaten. Große, schwere Kisten mit Monitoren, Joysticks und Münzeinwurf. Für ein paar Pfennig bis hin zu etlichen Mark erkaufen sich Spielwütige Credits oder Leben, um dann in Pixelgrafik mit Grundfarben an rudimentären Joysticks Zeitungen auszutragen, Punkte zu fressen oder vor Geistern zu fliehen.

Wer die Games heute neben Forza 2, World of Warcraft oder Counterstrike stellt und einen direkten Vergleich zieht, kann über die Videogames der 80er nur müde lächeln. Verständlich, denn die Spiele waren weder komplex noch realistisch. Aber sie haben einfach Spaß gemacht. Verdammt viel Spaß sogar, denn auch heute kann sich kaum einer verwehren, zum Joystick zu greifen, wenn Pac Man läuft – wenn auch nur für ein paar Runden. Theoretisch, denn spätestens, wenn die Highscore auf dem Monitor auftaucht, packt es einen: “Wer ist denn eigentlich TGA, und warum ist er vor mir?!”

Emulatoren lassen die Spiele weiterleben

Von den großen Klassikern wie eben Pac Man oder Dig Dug gibt es Portierungen für die modernsten Computer. Einige dieser Games laufen sogar als Flash- oder Java-Applet im Browser. Aber darunter sind längst nicht alle Kassiker vertreten, und außerdem sind viele der Portierungen aus rechtlichen Gründen nicht zu 100 Prozent dem Original nachempfunden, sondern in Nuancen verändert.

Wer eines der alten Kult-Games in seiner ganzen Retro-Pracht genießen möchte, kann die originalen Automatenausführungen mit einem Emulator auf seinen PC oder Mac holen. Zu den bekanntesten dieser Emulatoren gehört MAME. Das Programm ist kostenlos und für quasi alle Betriebssysteme zu haben. Es führt die ROMs der Arcade-Kästen direkt aus, also die Inhalte der Speicherbausteine, die anno dazumal mit Liebe von Hand auf Platinen gelötet wurden.

Diese Arbeit können sich die Nutzer von MAME & Co. sparen. Viele der alten ROMs stehen im Internet zum Download bereit. Etliche davon sind legal, weil sie von den Urhebern freigegeben wurden. Bei den meisten dürfte es sich allerdings um sogenannte Abandonware handeln. Dabei sind die Urheber entweder nicht mehr ermittelbar oder nicht zu erreichen – und Betreiber von ROM-Download-Seiten stellen die alten Spielchen “einfach mal” so lang ins Netz, bis sich jemand beschwert. Rechtlich einwandfrei ist das sicherlich nicht, aber wo kein Kläger, da kein Richter.

Möchte man sich wirklich ernsthaft mit Freunden virtuell bei Street Fighter prügeln, kommen die Emulatoren aber schnell an ihre Grenzen. Bei weitem nicht an technische – jeder moderne Computer verfügt über die hundert- bis tausendfache Rechenleistung wie die alten Zock-Kisten. Aber beim Einprügeln auf die Tastatur mag einfach eben nicht so eine tolle Stimmung aufkommen wie in der verrauchten Halle vor einem Schrank mit Bildschirm und stabilen Joysticks, mit denen sich auch Einbrecher vertreiben ließen.

Wir kaufen einen Arcadeautomat

Die Sache ist klar: Auf den blauen Dunst in der Luft können wir zwar verzichten, aber wir brauchen so einen Automaten! Einige Stunden Recherche später steht fest, welche Alternativen wir haben:

– Wir kaufen einen neuen Automaten
– Wir kaufen einen funktionstüchtigen Klassiker
– Wir kaufen einen defekten Klassiker und reparieren ihn
– Wir bauen einen Arcade-Automaten komplett selbst
– Wir kaufen einen defekten Klassiker und bauen ihn auf PC-Technik um

Die erste Möglichkeit verwerfen wir sofort wieder. Erstens wäre es doch viel zu einfach, einen funktionierenden Kasten zu kaufen – und zweitens ist das ziemlich teuer. Mit 2000 Euro wären wir dabei, nach oben hin sind alle Grenzen offen. Für das Geld gäbe es auch einen fetten Plasma-Fernseher mit 50 Zoll und Full-HD-Auflösung, eine Xbox 360 und eine Playstation 3 samt aller wichtigen Spiele.

Zumindest mal ein Stück billiger wäre es, einen funktionierenden, alten Automaten zu kaufen. Schon mit ein paar hundert Euro sind wir dabei, je nach Zustand – und je nach Spiel: Die Games sind nämlich nicht austauschbar, sondern auf Platinen untergebracht. Die müsste man alle einzeln kaufen, wenn man sie überhaupt noch bekommt. Möglichkeit zwei entfällt also auch.

Deutlich günstiger ist es, einen kaputten Kasten zu kaufen. Für unter hundert Euro ist die Auswahl bereits groß, doch die Defekte sind meist gravierend: Rauchentwicklung, kein Bild, Einbruchschaden, Spiele starten nicht. Selbst, wenn die Büchse wieder läuft, bleiben Fragen offen. Wie lange funktioniert das wohl? Wo bekomme ich die Spiele her? Und wo Ersatzteile? Diverse Foren befassen sich zwar ausführlich mit der 80er-Jahre-Technik im Inneren der Kästen, doch mit wenig Vorwissen ist für uns klar: Wir lassen die Finger davon.

Sympathischer ist uns da schon die PC-Technik. Warum nicht einfach selbst einen Arcadeautomaten bauen, Computer rein und ab geht die Post? Nach dem Studium diverser Bilder verschiedener Arcade-Kisten verwerfen wir auch diesen Plan. Wenn das richtig gut aussehen soll, ist das richtig viel Arbeit.

Es bleibt die letzte Variante – wir kaufen einen defekten Automaten, restaurieren ihn und bauen unseren PC ein. Das erscheint auf den ersten Blick am sinnvollsten.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Arcade-Automat im Eigenbau: Pacman, Paperboy & Co.

  • Am 15. März 2014 um 16:42 von Scylla

    Hahaha das ding sieht ultra scheisse aus !!!
    Als wenns ein 10jähriger gmacht hätte LOOOOOL !!!

  • Am 23. Juni 2015 um 09:04 von Thorsten

    Hallo. Schönes Projekt. Hat Spaß gemacht, das zu Lesen. Direkt einmal eine Frage: Was für einen Monitor habt ihr da rein gesetzt? Überlege im Moment, ob ich meinen TV Ideal Twinline ausschlachten soll. Eigentlich funktioniert er zwar noch, aber die Technik frisst ja Strom ohne Ende, und ewig wird die Röhre auch nicht mehr halten. Was meint ihr?

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