Bolivien: endlose Busfahrten und atemberaubende Höhen

CNET on the Road in SüdamerikaMit dem Bus von Asunción, Paraguay, bis nach Santa Cruz in Bolivien – wenn man den Reiseführern Glauben schenken darf, insbesondere während der Regenzeit zwischen Dezember und Februar keine gute Idee. Nur ein kleiner Teil der Strecke ist asphaltiert, der Rest besteht je nach Feuchtigkeit aus einer knochenharten Buckelpiste oder zähem Schlamm. Ich erwische einen trockenen Zeitpunkt und damit die wirbelsäulenmalträtierende Ausführung. Beinahe 30 Stunden dauert die Fahrt durch den paraguayanisch-bolivianischen Chaco. Mit inbegriffen sind nächtliche Reifenplatzer samt anschließender Schleuderpartien im Puma-Jagdgebiet, dubiose Ein- und Ausreiseprozedere in heuschrecken- und käferverseuchten Grenzposten im Niemandsland sowie massenweise seltsames Obst, Fleisch und Gemüse, das gelegentlich von Kindern im Bus verkauft wird.


Die paraguayanische Grenzstation ist mit Käfern und Heuschrecken übersät. In dem kleinen Häuschen gibt es den Ausreisestempel.

Endlich in Santa Cruz: Das kompakte Zentrum lässt sich auch mit kaputtem Rücken schnell erkunden und wirkt modern, aber langweilig. Ein für die Öffentlichkeit gesperrter Park, ein extrem hell ausgeleuchteter Platz und ein paar Kirchen neuerer Bauart – viel mehr gibt es hier nicht zu sehen. Dementsprechend leer sind auch die Straßen, und insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit raten uns die Einheimischen davon ab, durch die Gassen zu streunen.

Ich will weiter, doch die Straßen nach Sucre – der ehemaligen bolivianischen Hauptstadt – sind aufgrund von Massenprotesten gesperrt. Die zweite Nacht in Santa Cruz ist das im Nordwesten der Stadt gelegene Viertel Equipetrol an der Reihe. Zwar wirkt die Gegend eher wie ein Dorf denn wie eine Millionenstadt, doch hier tobt das Leben – dem schlechten Wetter zum Trotz. Es reihen sich Restaurant an Restaurant, und die Straßen sind voll von ausgelassenen Menschen, die sich entweder den Bauch vollschlagen oder eine der zahlreichen Bars und Discos besuchen wollen. Das lebendige Viertel wirkt wie eine völlig andere Stadt als das öde Zentrum.


Diese Hütte stellt das Herzstück der bolivianischen Grenze zu Paraguay dar. Dank des dreh- und schwenkbaren Displays lässt sie sich mit der Canon PowerShot G11 unauffällig fotografieren.

Am nächsten Tag sind die Straßen nach Sucre beziehungsweise Potosí und schließlich Uyuni frei. Jegliche Art vom Komfort sucht man bei den Bussen inzwischen vergeblich – es gibt keine Toiletten und keine Klimaanlage, und ganz gleich wie ich mich hinsetze, stoße ich mit den Knien an der Metallverstrebung des Vordersitzes an. Der übelgelaunte Fahrer sperrt die Fahrgäste während der gut 20-stündigen Fahrt in der Kabine ein und akzeptiert nach längeren Überredungsversuchen immerhin zwei nächtlichen Fünf-Minuten-Pausen mitten in der Wildnis. Während die Passagiere aussteigen, lässt er völlig ungeniert ein zigarettenschachtelgroßes Stück Haschisch neben dem Lenkrad liegen.


Atemberaubend: Treppensteigen auf über 4000 Metern Höhe ist alles andere als ein Kinderspiel.

In Sucre angekommen, bleibt eine zehnminütige Verschnaufpause, bis der Bus nach Potosí fährt – der mit auf über 4000 Meter über dem Meeresspiegel höchstgelegenenen Stadt der Welt. Einen halben Tag verbringen wir in der gut 150.000 Einwohner starken Siedlung, die einem nicht nur aufgrund der Lage den Atem verschlägt. Millionen Sklaven fanden in den hiesigen Silberminen den Tod, und auch heute noch schürfen die Einheimischen unter mittelalterlichen Bedingungen in eigenen Claims nach Metallen. Leider fehlt die Zeit, die Bergwerke zu besichtigen, denn der Salzsee in Uyuni beziehungsweise erst einmal eine weitere achtstündige Busfahrt auf unbefestigten Straßen rufen.

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