CNET.de in Kolumbien – Cali, Bogota, Medellin und Cartagena

CNET.de in KolumbienNach einem dreitägigen Aufenthalt in Salinas am Pazifik geht es mit dem Bus zurück nach Guayaquil und von dort in die ecuatorianische Hauptstadt Quito. Die 1,5-Millionen-Metropole wirkt überraschend sauber und aufgeräumt, allerdings auch fast etwas langweilig. Es zieht mich weiter nach Kolumbien, das Land, vor dem mich die meisten Menschen, denen ich von meiner Reise erzählt habe, gewarnt haben. Pablo Escobar und Kokain, Entführungen und Auftragsmorde, FARC und Guerillakriege – das waren häufig die ersten Assotiationen, die ich in Deutschland gehört habe. Auch die Internetseite des auswärtigen Amts macht nicht gerade Mut: Die Grenzregionen zu Ecuador sind gefährlich, und auch um die an Venezuela grenzenden Regionen sollte man besser einen Bogen machen.

Alle Traveller und auch die Menschen aus Ecuador berichten allerdings vom Gegenteil, kommen fast ausnahmslos ins Schwärmen und legen mir die junge Partymetropole Cali, die hektische Hauptstadt Bogota, die ehemals gefählichste Stadt der Welt Medellin und das am karibischen Meer liegende Cartagena ans Herz.


Quito ist zwar eine recht schöne und aufgeräumte Stadt, hat aber verglichen mit den traumhaften Stränden in Ecuador und den aufregenden Großstädten à la Lima und La Paz nicht viel zu bieten. Dieses Foto von einem der zahlreichen Plätze in der Innenstadt entsteht mit der Olympus E-P1. Die Kamera schlägt sich hier trotz starkem Gegenlicht erstaunlich gut.

Frohen Mutes geht es also mit dem Nachtbus in Richtung Grenze. Früh am morgen verlasse ich Ecuador und stehe tatsächlich nach knapp sechs Wochen Reise in Kolumbien, in der Grenzstadt Pasto. Von dort aus geht es nach Cali – weitere zehn Stunden Fahrt durch den Regenwald stehen an. Und bereits hier beginnt das Land, mich zu überzeugen. Von Gefahren ist hier kaum etwas zu spüren, die Orte, die wir passieren, strahlen eine Gemütlichkeit und Herzlichkeit aus, die im ganzen Kontinent ihresgleichen sucht. Und auch der enge Bus, der hunderte Male in der tropisch-feuchten Dschungellandschaft anhält und eher wie ein Stadt- denn ein Reisebus wirkt, ist die ganze Fahrt über mit fröhlicher Musik und angenehmer Stimmung erfüllt.


Bei diesem Foto vom kolumbianischen Urwald bei Sonnenuntergang spielt die Ricoh GXR ihre Lichtstärke voll aus. Obwohl die Sonne bereits hinter den Bergen verschwunden ist, reicht der Systemkamera eine Belichtungszeit von 1/1620 Sekunde bei ISO 1600.

Nach zwei Nächten im Bus lautet die Priorität in Cali: duschen. Anschließend geht es gutgelaunt ins Nachtleben der jugendlich wirkenden Stadt. Ausgelassene, junge Menschen und eine friedliche Stimmung prägen das Bild. Zumindest in den zentralen Vierteln ist nichts von Gefahr zu spüren. Die einzige Warnung zwecks Sicherheit erhalten wir lustigerweise hinsichtlich genau der drei Blocks, die unser Hostal umgeben. Im Idealfall fährt man die letzten 300 Meter also mit dem Taxi – naja. Ich bin ohne Gepäck unterwegs, verzichte darauf, und nichts passiert. Der nachfolgende Tag verstreicht gemütlich in diversen Stadtparks und Cafés. Am Abend geht es per Nachtbus in die kolumbianische Hauptstadt.


Bogota von oben: Vom Monserrate gewinnen wir und die Olympus E-P1 einen eindrucksvollen Überblick über die kolumbianische Hauptstadt.

Verglichen mit Bogota wirkt Cali wie eine Schlaftablette. Die gut sieben Millionen Einwohner schwere Hauptstadt gleicht einem pulsierenden Strudel, aus dem es kein Entrinnen gibt. Rund 15 Stunden bleiben uns in der Metropole. Der Tag startet mit einem Besuch des weltgrößten Goldmuseums, das tonnenweise Schätze aus der Inkazeit bereithält. Anschließend brauchen wir Geld – einen Automaten zu finden, ist nicht immer ganz einfach. Als wir vor der Universität nach der nächsten Bank fragen, kommt eine Studentin auf uns zu und bietet uns zwischen mit vollautomatischen Waffen und Rottweilern ausstaffierten Polizisten an, uns in das Unigebäude zu schleusen – dort gibt es einen Geldautomaten. Zwanzig Minuten später haben wir neben provisorischen Studentenausweisen auch das Angebot, ein paar Tage umsonst in Bogota zu bleiben und kostenlose Stadtführungen zu bekommen. Leider ist die Zeit zu knapp, nächstes Mal bestimmt.

Vor einem Modeladen für schusssichere Kleidung – Miguel Caballero – lerne ich Gabo kennen, einen Freund des Besitzers. Leider ist das Geschäft in der finster wirkenden Gasse bereits geschlossen, doch dafür bekomme ich nebenan in der Bar Fotos zu sehen, die meine frische Bekanntschaft mit Bill Clinton, dem kolumbianischen Präsidenten Uribe und zahlreichen weiteren Berühmtheiten zeigen. Die Frage, wie die Bilder zustandegekommen sind, wird mehrfach elegant umschifft – dafür gehen in dem finsteren Viertel seltsame Dinge vor sich – zwischen Handkarren und Müllhaufen taucht auf einmal ein Aston Martin auf, der Besitzer löst ein kurzes, hektisches Treiben aus, und schon ist die Szene wieder vorbei. Ganz gleich, ob ich mit Studentinnen, mit Taxifahrern, mit Barbesitzern oder Kellnern spreche, so herzlich wie hier waren die Menschen in Südamerika nirgens. Und nirgends habe ich mich bisher so wohl gefühlt, wie in Kolumbien.


In den Slums von Medellin leben die Leute in notdürftig zusammengeschusterten Hütten. Selbst in dem schiefen Haus scheinen noch Menschen zu wohnen. Diese Aufnahme entsteht mit der Canon PowerShot G11.

Eine weitere Nachtfahrt durch den kolumbianischen Dschungel später wache ich in Medellin auf. Zu Lebzeiten Pablo Escobars war die gut zwei Millionen Einwohner schwere Stadt wohl eines der gefährlichsten Pflaster auf dem Planeten – jugendliche Auftragskiller aus den Slums, sogenannte Sicarios, machten sich für nicht einmal 25 Euro mit Motorrad und großkalibriger Waffe auf die Jagd. Heutzutage gibt es hier aufgrund des schlechten Rufs immer noch nicht viele Touristen: Eine Medellin-Postkarte zu finden kostet uns beispielsweise endlose Fragerei und eine einstündige Schnitzeljagd. Im Gegensatz zu Bogota und Cali sind hier auf den Straßen kaum Polizeipatroullien unterwegs. Und ganz so sicher fühlen sich die Straßen nicht an. Nach Anbruch der Dunkelheit bleiben wir in der Nähe des zentralen Platzes und fahren mit dem Sicherheitstaxi eines Hotels zurück zum Busbahnhof. Das nächste Ziel liegt am karibischen Meer und hört auf den Namen Cartagena.


Das Castello de San Felipe bietet einen schönen Ausblick auf Cartagena. Einst diente die Festung zur Verteidigung gegenüber Angriffen der karibischen Piraten.

Nach der Magellanstraße im Süden, dem Atlantik im Osten, dem Pazifik im Westen stehe ich endlich im Norden am karibischen Meer. Cartagena bietet lange Sandstrände, eine wunderschöne Altstadt im Kolonialstil, eine sich durch die Stadt ziehende Lagune und – für mich persönlich am wichtigsten – die bereits erwähnte kolumbianische Freundlichkeit und Offenheit. Ein Taxifahrer beispielsweise macht mit uns einen aufpreisfreien Abstecher zum Fußballstadion seiner Lieblingsmannschaft und will uns die Truppe von Real Cartagena beim Training zeigen. Dass ein anderes Team gerade um Punkte kämpft spielt keine Rolle, unterhaltsam ist es allemal. Wir entschließen uns, hier drei Nächte zu bleiben und etwas zu entspannen, bevor die Reise nach Caracas weitergeht, der angeblich gewalttätigsten Stadt der Welt. (Fotos: CBS Interactive)

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu CNET.de in Kolumbien – Cali, Bogota, Medellin und Cartagena

  • Am 17. Februar 2010 um 01:54 von Karl

    Busfahrt nach Caracas
    Hallo Stefan Möllenhoff, nachdem ich nun deine E-Mail Adresse nicht ausfindig machen konnte, auf diesem Weg eine Frage: Wir werden am Sonntag (28.2.) von Cartagena nch Caracas müssen, weil am Montag unser Flug zurück geht. Wie zuverlässig ist die Fahrt, ist es wirklich so, dass man um 3 Uhr in der Nacht in Caracas ankommt, und wenn ja, gibt es einen Aufenthaltsraum o.Ä. … was hast du gemacht um dire Zeitb in dieser Stadt zu überbrücken?
    Wir wären über eine Reaktion sehr froh, da wir ggfls noch umplanen würden.
    Herzl. Dank, gute Weiterfahrt
    Karl

    • Am 17. Februar 2010 um 11:20 von Stefan Möllenhoff

      AW: Busfahrt nach Caracas
      Hallo Karl,

      ich bin mit dem Busunternehmen “Brasilia” um halb 9 Uhr morgens in Cartagena aufgebrochen. Aufgrund einiger teilweise recht langwieriger Polizeikontrollen sind wir erst rund 24 Stunden später in Caracas angekommen. Der Busbahnhof macht – jedenfalls am Vormittag – einen halbwegs sicheren Eindruck. Ich bin dann vom Busbahnhof direkt zum Flughafen gefahren. Von den schwarzen “Sicherheitstaxen” wurde mir von Einheimischen abgeraten, ich habe ein gewöhnliches, aber registriertes Taxi genommen.

      Leider gibt es am Flughafen in Caracas selbst keine Möglichkeit, das Gepäck zu deponieren, und man muss sich auf zahlreiche, wahllose Kontrollen einstellen. Ich wurde insgesamt sechsmal komplett durchsucht, einmal ganzkörpergerönkt und zweimal von aufdringlichen Sicherheitsleuten verhört. Ich würde Ihnen empfehlen, mindestens drei Stunden vor Abflug mit dem Einchecken zu beginnen. Wenn Sie sich noch Caracas ansehen möchten, sollten Sie das Gepäck – falls möglich – am Busbahnhof einsperren lassen. Von einer Fahrt zum Flughafen im Dunkeln wurde mir dringend abgeraten, die “Autobahn” führt durch die Slums, und angeblich kommt es dort bei Dunkelheit zu zahlreichen Überfällen.

      Beste Grüße und eine gute Reise,
      Stefan Möllenhoff, Redaktion CNET.de

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