Retro-Adapter im Eigenbau: Makrofotos mit dem Kitobjektiv schießen

Facettenaugen von Insekten, Blütenstempel von exotischen Blumen und riesige Tautropfen auf der Wiese: Makroobjektive fangen faszinierende Details ein, die für das bloße Auge kaum sichtbar sind. Allerdings kosten die vergrößerungsstarken Linsen mindestens 250 Euro. Wie es für ein 30stel der Kosten auch geht, zeigt dieser Workshop.

Das Wort „retro“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „zurück“. Bei der sogenannten Retrostellung sitzt das Objektiv beim Knipsen verkehrtherum auf der Kamera. So steigert sich der Abbildungsmaßstab gewaltig, und Makroaufnahmen sind auf einmal auch mit der Standard-Kitoptik möglich. Allerdings gibt es auf der Vorderseite der Linsen keinen Bajonettanschluss – Zeit, einen Retro-Adapter zu basteln.

Funktionsprinzip

Unser Eigenbau-Retroadapter besteht aus der im Lieferumfang mit der DSLR enthaltenen Gehäuseabdeckung und einem Objektivdeckel. Wir kleben die beiden Teile einfach aufeinander und bohren in der Mitte ein dickes Loch durch das Konstrukt. Auf der einen Seite passt der Adapter jetzt an den Spiegelreflex-Body, auf der andere Seite an die Vorderseite der Linse.

Aus zwei mach' eins: So sieht unser fertiger Retro-Adapter aus.
Aus zwei mach‘ eins: So sieht unser fertiger Retro-Adapter aus.

Ist das Objektiv verkehrtherum auf der Kamera montiert, dann dreht sich der Zoombereich um: je niedriger die Brennweite, also je weitwinkliger das Objektiv, desto stärker ist die Vergrößerung und damit auch der Abbildungsmaßstab. Ein Abbildungsmaßstab von 1:1 bedeutet, dass das Objekt vor der Linse genau so groß auf dem Bildsensor erscheint, wie es in Wirklichkeit ist. Einsteiger-DSLRs verfügen über einen etwa 2,3 Zentimeter breiten Bildsensor. Eine 2,3 Zentimeter lange Spinne landet beim Abbildungsmaßstab 1:1 also formatfüllend auf dem Foto.

Zum Vergleich: Das 250 Euro teure Canon EF 50mm F2,5 schafft 1:2 – das Objekt wird in halber Größe auf dem Sensor abgebildet. Novoflex baut Retroadapter und gibt beispielhaft für ein verkehrtherum montiertes 28-bis-105-Millimeter-Zoomobjektiv im Weitwinkel einen Abbildungsmaßstab von 2,8:1 an. Das gilt allerdings für einen größeren Vollformat-Sensor mit einer Breite von 3,6 Zentimetern. Mit unserer 18-bis-55-Millimeter-Kitoptik, die ein Vollformat-Äquivalent von 29 bis 88 Millimetern besitzt, wollen wir ihn ähnliche Bereiche vorstoßen.

Jetzt geht’s ans Basteln

Die für den Eigenbau-Retroadapter benötigten Materialien sind sehr überschaubar: Wir brauchen lediglich den Gehäuseverschluss von unserer Spiegelreflexkamera und eine Linsenabdeckung. Im Elektronik-Markt unseres Vertrauens erstehen wir einen Hama-Objektivdeckel für 8,99 Euro. Darüber hinaus benötigen wir noch Sekundenkleber, eine Laubsäge und einen Metallspieß, um ein kleines Loch in die beiden Hardplastikabdeckungen zu bohren.

Mit der Laubsäge dauert das Ausschneiden der Löcher in die Deckel keine fünf Minuten.
Mit der Laubsäge dauert das Ausschneiden der Löcher in die Deckel keine fünf Minuten.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Retro-Adapter im Eigenbau: Makrofotos mit dem Kitobjektiv schießen

  • Am 4. März 2012 um 18:41 von Klaus Gerstenberger

    Makrofotogrfie
    Das mit dem Retrodeckel ist eine klasse Sache, aber was ist mit der ungeschützten Gegenseite? Ich habe einen Rückseiten deckel in der mitte aufgesägt ca.40mm und darauf einen Skylight Filter geklebt. Kann ich nur empfehlen .

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