Roaming-Gebühren: So entgehen sie der Kostenfalle im Ausland

Wer die Daheimgebliebenen an der verregneten Nordsee mit der strahlenden Sonne über der Adria neidisch machen will, greift schnell zum Handy – ein Telefonat, ein paar Bilder per E-Mail und ein Youtube-Video, und der Nachbar ist grün vor Neid. Doch der Urlauber erlebt nach der Heimkehr schnell ein Wunder, das noch blauer ist als der Himmel in Italien: Wer sein Handy freizügig im Ausland nutzt, bekommt schnell eine vierstellige Rechnung. Wir zeigen, wie Sie im Urlaub günstiger telefonieren und surfen.

Während man sich noch im letzten Jahr bei freizügiger Nutzung von Telefonaten, SMS, MMS und Datenverbindungen im Ausland schnell auf Rechnungen mit sogar fünfstelligen Beträgen freuen durfte, haben die seit dem 1. Juli 2009 geltenden EU-weiten Regelungen den teils skandalösen Roaming-Preisen der Provider einen Riegel vorgeschoben. Eines der bekanntesten Beispiele, die von der EU im Rahmen der Regulierung zitiert wurde, war ausgerechnet ein Deutscher, der im Urlaub in Frankreich durch das Ansehen von TV-Videos eine Rechnungssumme von rund 46.000 Euro anhäufte.

Auch wenn es eigentlich klar sein sollte, dass ein Smartphone eben doch kein Notebook mit DSL-Flatrate ist, so zeigen solche Beispiele dennoch, dass ein Schiedsrichter manchmal bitter nötig ist, um für Fair Play zu sorgen. Aus eigenem Antrieb verzichtet kein Mobilfunk-Provider auf die enormen Roaming-Einnahmen. Außerdem wird es einem ja schon fast zu leicht gemacht: Da steht auf dem Display halt TV – dann probiert man das doch mal aus, oder? Opa erzählt dann vielleicht sogar stolz dem Enkel, dass sein Handy sogar einen Fernsehempfänger besitzt – vielleicht sogar, ohne zu realisieren, dass er per UMTS aus dem Internet streamt.

EU-Spielregeln im Überblick

Die 2007 erlassene EU-Roaming-Verordnung definierte erstmals Preisobergrenzen für Mobilfunktelefonate in Form eines “Euro-Tarifs”, mit dem Roaming-Kunden rund 70 Prozent gegenüber dem Preisniveau von 2005 gespart haben sollen. Nach einer 2008 erfolgten Überprüfung schlug die EU-Kommission die Verlängerung der Maßnahme um drei Jahre und eine Ausweitung auf SMS und Datendienste vor. Dieser Vorschlag wurde vom europäischen Parlament mit großer Mehrheit im April 2007 bestätigt und trat zum 1. Juli 2009 in Kraft.

Die EU-Roaming-Regeln begrenzen seit diesem Zeitpunkt ab- und eingehende Anrufe im Ausland auf 0,43 Euro respektive 0,19 Euro pro Minute und gesendete SMS auf 0,11 Euro pro SMS, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Ankommende SMS haben für den Empfänger kostenlos zu sein. Der Mobilfunk-Provider muss zudem bei abgehenden Roaming-Anrufen ab der dreißigsten Sekunde und bei ankommenden Roaming-Anrufen ab der ersten Sekunde eine sekundengenaue Taktung bieten. Laut der EU bezahlten Verbraucher aufgrund der oft üblichen 60-Sekunden-Taktungen in der ersten Minute bisher bis zu 24 Prozent mehr, als sie real vertelefonierten. Schließlich wurde auch den Datendiensten ein Korsett angelegt: Sie wurden auf immer noch happige 1 Euro pro Megabyte begrenzt.

Zum Vergleich: Vor dem 1. Juli 2009 kostete eine SMS im Durchschnitt 0,28 Euro und damit fast dreimal mehr als jetzt. Der alte Euro-Tarif begrenzte Telefonate auf 0,46 Euro für im Ausland getätigte und auf 0,22 Euro für im Ausland angenommene Anrufe. Im Sommer 2005, also noch vor dem Eingreifen der EU, lagen die Roaming-Gebühren für Telefonate weit höher: Ein Deutscher in Österreich zahlte beispielsweise 1,70 Euro pro Minute, ein Belgier auf Zypern sogar 2,50 Euro. Bei den Datendiensten sah es noch finsterer aus. Der Durchnschnitt lag zwar bei “nur” 1,68 Euro pro Megabyte, aber Irland, Griechenland oder England schossen mit Megabyte-Preisen von 6,82 Euro, 5,30 Euro und 5,10 Euro den Vogel ab. Übrigens: Die Webseite, die Sie gerade lesen, ist etwa 1 MByte groß.

Die zweite Stufe der EU-Regelung, die die Transparenz von Datenverbindungen und damit den Verbraucherschutz verbessern soll, trat zum 1. März 2010 in Kraft: Europäische Mobilfunkbetreiber müssen ihren Kunden seit diesem Zeitpunkt eine monatliche Obergrenze von 50 Euro anbieten, die vom Kunden bewusst angenommen werden muss und nach Belieben neu gesetzt werden kann. Wer bis zum 1. Juli 2010 keine Obergrenze festgelegt hat, bekommt automatisch die 50-Euro-Obergrenze. Der Kunde muss zudem vom Provider kostenlos über die geltenden Roaming-Entgelte informiert werden (z.B. per SMS oder Pop-up-Fenster), wenn er Datendienste in einem fremden EU-Land nutzt, und erhält eine Warnmeldung, wenn er 80 Prozent der oben beschriebenen Obergrenze erreicht hat.

Fiese Nummer: Allein das gesammelte Kleingedruckte in der Tarifübersicht von T-Mobile nimmt 3,5 Din-A4-Seiten sein ein.
Fiese Nummer: Allein das gesammelte Kleingedruckte in der Tarifübersicht von T-Mobile nimmt 3,5 Din-A4-Seiten sein ein.

Die dritte Stufe der Regulierung tritt ebenfalls zum 1. Juli 2010 in Kraft. Ab diesem Datum kosten abgehende und ankommende Roaming-Telefonate 0,39 Euro respektive 0,15 Euro pro Minute; Datenverbindungen werden auf 0,80 Euro pro Megabyte begrenzt. Die Provider dürfen zudem keine Kosten für die Benachrichtigung über das Eingehen einer neuen Sprachnachricht erheben, wenn man in einem anderen EU-Land “roamt”.

Die vierte und vorerst letzte Stufe gilt dann ab dem 1. Juli 2011. Die Preise für abgehende und ankommende Roaming-Telefonate sinken auf 0,35 Euro respektive 0,11 Euro pro Minute, Datenverbindungen dürfen dann maximal 0,50 Euro pro Megabyte kosten.

Die EU-Roaming-Verordnung soll nach heutigem Stand bis zum 30. Juni 2012 gelten. Ob sie danach verlängert oder sogar weiter gestrafft wird, bleibt abzuwarten.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Roaming-Gebühren: So entgehen sie der Kostenfalle im Ausland

  • Am 14. Januar 2011 um 16:47 von Gast

    Roaming für Sprachanrufe deaktivieren (Android 2.1) Samsung Galaxy S i5800
    Hallo,

    ich habe folgendes im Artikel gelesen:

    "Und wer zum Wandern in die Alpen geht, in Ostfriesland Fahrradtouren plant oder sich an einem anderen Fleckchen in Grenznähe aufhält, kann die automatische Netzwahl deaktivieren. Dann bleibt das Handy beim deutschen Provider und springt nicht mal eben ins Ausland, weil dort die Verbindung gerade besser ist."

    Das Problem ist jedoch, dass das schlichtweg nicht möglich ist, da eine manuelle Netzauswahl nicht speicherbar ist und somit immer wieder eine Einwahl ins Fremdnetz vorgenommen wird, da dieses besseren Empfang bietet.

    Für Lösungsansätze wäre ich sehr dankbar. Eine App, die das Roaming auch für Sprachanrufe (also nicht nur für Daten) unterbindet, habe ich leider nicht auffinden können.

    Viele Grüße
    G.

    • Am 1. Oktober 2011 um 06:56 von e.

      AW: Roaming für Sprachanrufe deaktivieren (Android 2.1) Samsung Galaxy S i5800
      hast du hier schon eine Lösung gefunden? Daten-Roaming lässt sich ja problemlos ausschalten aber wie verhindere ich, dass mein Handy generell in ein anderes Netz wechselt und ich dann beim Telefonieren oder SMS schreiben teure Überraschungen erlebe

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