Google App Inventor angetestet: Android-Apps aus dem Lego-Baukasten

Android-Anwendungen selbst entwickeln? Das soll mit dem Google App Inventor möglich sein. Auch für Anfänger – denn anstelle von kryptischem Code in einer Programmiersprache wie Java zieht man hier einfach die benötigten Elemente im Lego-Stil via Drag&Drop zusammen. Wir haben uns angesehen, was der App Inventor kann und was nicht und wie leistungsfähig und anfängertauglich er wirklich ist.

Googles App Store, der Android Market, hat inzwischen über 100.000 Programme für Smartphones mit dem Android-Betriebssystem zu bieten. Eine gigantische Auswahl, möchte man meinen, von zigtausenden Spielen über Office-Suiten, WLAN-Findern, Reiseführern, Bild- und Fotobearbeitungsprogrogrammen bis hin zu Aufgabenplanern gibt es nichts, was es nicht gibt.

Bis auf die eine kleine App, die man jetzt gerade unbedingt braucht. Sei es ein virtueller Einkaufszettel, auf den die Freundin die nötigen Zutaten fürs Abendessen per Browser hinzufügen kann, eine CNET.de-App oder ein Tool, das einen Freund auf dem Weg nach Hause per SMS über den Abendplan informiert.

Apps im Eigenbau

Grundsätzlich kann das ja nicht so schwierig sein, solche Apps zu entwickeln. Wir wollen ja weder freie Energie gewinnen noch das Perpetuum Mobile bauen – sondern einfach nur eine simple Applikation auf dem Android-Handy laufen lassen.

Das ist auch kein Problem. Bei Google gibt’s alles, was Programmierer benötigen. Das Android-SDK (Software Development Kit) ermöglicht jedem, eigene Apps in der Sprache Java zu schreiben. Nötige Programmierumgebungen wie Eclipse sind dank Open Source kostenlos – und dank eines Emulators benötigt man theoretisch noch nicht einmal ein Android-Smartphone.

So leicht kann's gehen: Der Google App Inventor verspricht die Entwicklung von Android-Apps für jedermann.
So leicht kann’s gehen: Der Google App Inventor verspricht die Entwicklung von Android-Apps für jedermann.

Aber Java sollte man eben beherrschen – oder lernen. Kein Hexenwerk, zumal es unzählbar viele Anleitungen, Tutorials, Bücher, Beispiele und Demo-Programme gibt. Aber man muss sich darauf einlassen, sich damit befassen, lernen, lesen, viele Tools auf seinem Computer installieren. Kurz: Die Einstiegshürde in die Anwendungsentwicklung ist hoch genug, um selbst interessierte Power-User abzuschrecken. Ganz abgesehen vom Durchschnittsanwender, der vielleicht äußerst gute Ideen für coole, praktische oder nützliche Apps hat, diese aber wohl nie realisieren wird.

Apps aus dem Baukasten

Vor genau vier Wochen hat Google seinen App Inventor vorgestellt und damit eine Lösung, die das Entwickeln von Apps für Android-Smartphones deutlich vereinfachen soll. Etwas wie Lego soll der App Inventor funktionieren – man hat eine große Kiste mit unterschiedlichen Bausteinen, die man auf- und ineinandersetzt, um damit bestimmte Funktionen auszuführen.

Derzeit läuft das Projekt als Closed Beta – anmelden und direkt Losstarten geht noch nicht. Im Gegensatz zu anderen Google-Produkten wie Mail, das monate-, wenn nicht jahrelang als Beta-Version ausgezeichnet war, obwohl es schon perfekt funktionierte, ist der App Inventor tatsächlich noch eine Beta. Heißt: Die Google-Ingenieure schrauben noch fleißig und rund um die Uhr an dem Programm. Immer wieder geht etwas schief, die Puzzleteilchen haken auf einmal nicht mehr ineinander oder die App läuft nicht auf dem Handy.

Noch nicht fertig: Regelmäßig ploppt diese Meldung auf. Zum hier angesprochenen
Noch nicht fertig: Regelmäßig ploppt diese Meldung auf. Zum hier angesprochenen „merkwürdigen Verhalten“ gehört beispielsweise, das Puzzleteilchen auf einmal nicht mehr ineinander rasten.

Man kann sich aber als Interessent registrieren und bekommt dann früher oder später Zugang zum App Inventor. Die einzige Voraussetzung dafür ist ein Google-Konto. Wir haben inzwischen Zugang zur Android-Legokiste erhalten und bereits die ersten Anwendungen zusammengeklickt.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Google App Inventor angetestet: Android-Apps aus dem Lego-Baukasten

  • Am 17. August 2010 um 16:48 von Daniel

    App
    "Sei es ein virtueller Einkaufszettel, auf den die Freundin die nötigen Zutaten fürs Abendessen per Browser hinzufügen kann[…] das einen Freund auf dem Weg nach Hause per SMS über den Abendplan informiert. "

    Klingt beides gut. Habt ihr das auch versucht?

    • Am 19. August 2010 um 10:52 von Daniel Schraeder

      AW: App
      Hallo Daniel,

      für das Einkaufszettel-Projekt müsste man wohl auf eine Datenbank zugreifen (oder wieder Twitter nehmen 😉 ). Es gibt ein entsprechendes Modul im App Inventor, allerdings muss man dafür schon fast eine eigene Datenbank auf einem eigenen Webserver aufsetzen – und das war uns zu aufwändig. Ansonsten spricht nichts gegen das Projekt.

      Da dürfte es schon deutlich einfacher sein, die GPS-Koordinaten abzufragen und eine SMS abzuschicken – entsprechende Module bzw. Puzzleteilchen sind vorhanden :-)

      Beste Grüße
      Daniel Schraeder, CNET.de

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *