Mittelformat von Phase One: Wie viel Kamera bekommt man für 40.000 Euro?

Wenn man 400 Euro für eine Digitalkamera auf den Tisch legt, dann will das wohlüberlegt sein. Und selbst ambintionierte Amateure und Profis schlucken erst einmal, wenn sie 4000 Euro für die neueste Highend-DSLR von Nikon oder Canon überweisen. In der Mittelformat-Liga ist das alles Kleinkram – mit ein bisschen Zubehör steht bei Phase One schnell noch ein Nuller mehr auf der Rechnung.

40.000 Euro? Dafür bekommt man einen nagelneuen Sportwagen, eine Ferienwohnung auf Mallorca, einen Tauchgang zur Titanik – oder eben eine Knipse. Wobei Knipse nicht ganz treffend ist für den Phase-One-Boliden, dessen 645DF-Gehäuse ohne Sensor und Objektiv bereits 18,4 mal 15,3 mal 12,8 Zentimeter misst und damit selbst die Profi-DSLRs von Canon & Nikon fast ums Doppelte überragt. Die Hülle wiegt alleine bereits ein Kilogramm. Zusammen mit dem 1114 Gramm schweren und 15 Zentimeter langen Zweifach-Zoomobjektiv 75-150mm F4,5 fühlt sich die Mittelformat-DSLR eher wie eine Bazooka denn wie eine Kamera an.

Kamera-Monstrum: Dieses Bild zeigt die Phase-One-Kamera mit dem 3000 Euro teuren 75-bis-150-Millimeter-Objektiv.
Kamera-Monstrum: Dieses Bild zeigt die Phase-One-Kamera mit dem 3000 Euro teuren 75-bis-150-Millimeter-Objektiv.

Was macht diese Kameras so teuer? In erster Linie ist dafür der Sensor verantwortlich. Auch wenn es von der Bezeichnung her nicht so klingt: Mittelformat-Chips sind mehr als doppelt so groß wie die Vollformat-Chips von Profi-Spiegelreflexkameras. Die lichtempfindliche Fläche des Phase-One-P65+-Sensors misst 5,4 mal 4,0 Zentimeter. Das ergibt 2178 Quadratmillimeter, Profi-DSLRs bieten 864, Einsteiger-DSLRs um die 350 und die meisten Kompaktkameras gerade einmal 29 Quadratmillimeter. Und einfach gesagt gilt: Je mehr Platz, desto besser die Bildqualität.

Auf einem Foto im 15-mal-10-Zentimeter-Format bekommt man von den gewaltigen 60,5 Megapixeln nicht viel mit. Die Auflösung richtet sich an Profis, die für plakatgroße Abzüge von diamantenbesetzten Uhren und knapp bekleideten Models fotografieren. Eines vorweg: Wir haben weder die Heerscharen von Assistenten noch den Studioequipent-Urwald herumstehen, um die Grenzen der Kamera wirklich auszuloten. Aber wer sich fragt, was am Ende bei einer 40.000-Euro-Kamera auf der Speicherkarte landet – hier sind unsere Eindrücke.

Detail-Wahnsinn

Die 8984 mal 6732 Pixel großen Fotos laden gerade dazu ein, in sie einzutauchen. Sie schreien nach überdimensionalen Monitoren, Posterdruckern und Zoomorgien. Das folgende Bild zeigt einen Blick auf San Francisco. Ein Klick auf die Aufnahme bringt eine 2000 mal 1421 Pixel große Version auf den Bildschirm – das ist nicht einmal ein Zwanzigstel der Originalauflösung.

So sieht San Francisco durch das Auge der Phase One mit dem P65+-Rückteil aus.
So sieht San Francisco durch das Auge der Phase One mit dem P65+-Rückteil aus.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Mittelformat von Phase One: Wie viel Kamera bekommt man für 40.000 Euro?

  • Am 19. August 2010 um 23:30 von Jochen Groß

    Die vergleichweise langsame Blitzsynchronisationszeit von DSLRs…
    … hat nix mit der Geschwindigkeit zu tun, mit der die Kamera den Blitz ansteuert. Das ist eine konzeptionelle Schwäche des Schlitzverschlusses, wie er in allen DSLRs zum Einsatz kommt, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Schlitzverschluss .
    Effektiv bedeutet, dass das ab Verschlusszeiten kürzer als die Blitzsynchronisationszeit der Verschluss nie den ganzen Sensor freigibt. Da die Blitzleuchtdauer aber sehr kurz ist, würde nur der gerade exponierte Streifen auf dem Sensor die vom Blitzlicht beleuchtete Szene "sehen". Mittelformatkameras haben dagegen i.A: einen Zentralverschluss, der dieses Problem nicht hat.
    Aber auch für Schlitzverschlüsse kann man mit kürzeren Verschlusszeiten blitzen, Stichwort Highspeed-Synchronisation.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *