Okay, es mag vielleicht etwas gemein sein – aber irgendwie wirkt das Zylo von Sony Ericsson ein bisschen wie ein Ruf aus der Vergangenheit. Vor zwei Jahren wäre ein Walkman-Handy mit proprietärem Kopfhöreranschluss und ohne besondere Extras zumindest ansatzweise interessant gewesen. Aber heute? Heute legen wir nicht viel mehr Geld auf den Tisch und bekommen ein vollwertiges Android-Smartphone, das als Navi, Terminplaner, Kalender, E-Mail-Maschine, Spielekonsole und so weiter dient – und nebenbei auch noch Musik abspielt.

Aber gut. Das war jetzt gemein, zumindest ansatzweise. Denn schlecht ist das Zylo sicher nicht. Es sieht ganz gut aus, wirkt äußerst solide und kann Einiges. Aber eben auch nichts Besonderes. Ihm fehlt der Kick.

Walkman ohne Klinkenbuchse

Die Botschaft des Herstellers ist deutlich: Das Zylo richtet sich an Musikfans. Deswegen darf das Handy auch das Walkman-Logo unterm Display und auf der Rückseite tragen. Aber es fehlt bereits an den Basics. Anstelle einer Klinkenbuchse befindet sich auf der rechten Geräteseite ein proprietärer Anschluss. Ohne Adapter kann man also keine anständigen Kophörer benutzen, sondern ist auf das vergleichsweise günstige, mitgelieferte Headset angewiesen. Das hätte es bei einem echten Walkman nie gegeben. Außerdem vermissen wir eine USB-Buchse, die das einfache Kopieren von Musik ermöglicht. So müsste man eigentlich immer ein Kabel mit dem Sony-Ericsson-eigenen Stecker mit sich herumschleppen, wenn man soundtechnisch Up-to-Date sein will. Immerhin gibt es einen microSD-Speicherkartenslot.

Auch PlayNow, dem Pendant zu Apples iTunes, fehlt die gewisse Würze. Oder besser: die gewisse Günstigkeit. Die Auswahl an Liedern ist zwar nicht schlecht, aber der Preis zu hoch. Ein einzelnes Lied schlägt mit 1,49 Euro zu Buche – 50 Prozent mehr als bei Apple. Noch dazu erfolgt der Zugriff auf den PlayNow-Shop über den fummeligen Webbrowser des Handys. Eine einfache App wie beim iPhone gibt es hier nicht. Schade.

Aber man muss die Songs ja auch nicht im PlayNow-Shop kaufen – das Handy spielt ja auch einfache MP3-Dateien ab. Die Audioqualität geht durchaus in Ordnung. Der MP3-Player selbst sieht ganz witzig aus. Die Software zeigt eine Retro-Musikkassette an. Leider hat das Albencover in unseren Tests aber nicht immer so perfekt in den dafür vorgesehenen Platz gepasst.

Darüber hinaus gibt es noch ein paar weitere nette Features für Audiophile, die mit den genannten Einschränkungen leben können. TrackID beispielsweise nimmt über das Mikrofon Musik aus der Umgebung oder direkt über das integrierte UKW-Radio auf und ermittelt Künstler, Album und Tracknamen via Internet. Außerdem gibt es den Stereo-Bluetooth-Standard A2DP – wer also auf ein kabelloses Headset setzt, mag die Standard-Buchse gar nicht erst vermissen.

Soziale Netze

Auf dem Homescreen liegen ein paar Widgets, die aktuelle Fotos und Statusupdates aus den typischen sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Myspace & Co. darstellen. Während wir mit Facebook im Test keinerlei Probleme hatten, schaffte es das Twitter-Widget leider nicht, eine Verbindung aufzubauen. Außerdem ist die Bedienung ohne Touchscreen oder Trackball etwas mühseliger als bei den zugegebenermaßen teureren Konkurrenten.

Wer häufig chattet, sozialnetzwerkt oder E-Mailt, sollte sich vielleicht lieber für ein Handy mit vollwertiger QWERTZ-Tastatur entscheiden. Für gelegentliche SMS-Nachrichten genügt die Zifferntastatur des Zylos aber. Sie hat angenehm große Tasten sowie einen ausreichenden Abstand zwischen der obersten Tastenreihe und dem Slider, aber nur einen relativ kurzen Tastenhub.

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