Entfesselt Blitzen über Funk: immer perfektes Licht fürs Foto

Die fortgeschrittenste Spiegelreflexkamera und das teuerste Objektiv der Welt nutzen wenig, wenn die Beleuchtung nicht mitspielt. Blitze, die sich praktisch frei im Raum positionieren sowie mit verschiedenen Farbeffekten sowie Lichtformern versehen lassen, sorgen für Unabhängigkeit von Sonne & Co. Zudem bieten die sogenannten entfesselten Blitze deutlich mehr fürs Geld als Highend-DSLRs und -Linsen. Wie das funktioniert und was man für Ausrüstung benötigt, verrät dieser Artikel.

Ein eigenes Fotostudio dürfte der Traum eines so ziemlich jeden ambitionierten Amateurfotografen sein. Aber neben den teuren Studioblitzen, Sendern, Empfängern und Lichtformern spielt auch der verfügbare Platz eine Rolle darin, dass die professionelle Knipsumgebung oftmals ein Traum bleibt. In der 60-Quadratmeter-Wohnung lässt sich einfach kein ganzer Raum entbehren. Das beste Studio der Welt ist aber nicht irgendein Kämmerchen, sondern die ganze Welt selbst. Eine verrottete Ziegelwand im Industriegebiet, ein Sonnenuntergang am Waldrand oder eine aufregende Skyline im Hintergrund sorgen für ein stimmigeres Ergebnis, als es die meisten vor weißem Papier geschossenen und in Photoshop totbearbeiteten Fotos könnten.

Die allermeisten Fotos, die geschossen werden, nutzen eine von zwei Lichtquellen: die Sonne oder irgendwelche Lampen, die in der Gegend herumfunzeln. Und sowohl der Feuerball am Himmel als auch die allermeisten Leuchten haben einen gravierenden Nachteil: Sie lassen sich nicht nach Belieben herumschieben. Wenn die Sonne und der spektakuläre Hintergrund in einer Richtung liegen, dann lässt es sich einfach nicht ohne Gegenlicht knipsen. Bleibt also nur, bis zum nächsten Abend oder Morgen zu warten, und dann nochmal zu der Stelle zu tigern und zu fotografieren.

Wir lassen die Sonne Sonne und die Straßenlaternen Straßenlaternen sein und bringen unsere Beleuchtung einfach selbst mit. Und zwar nicht in Form von sündhaft teuren und sperrigen Studioblitzen und Reflektoren, sondern im kompakten und halbwegs erschwinglichen Format. Unsere gesamte Ausrüstung passt in eine leichte Umhängetasche und einen Fotorucksack – und kostet weniger als 1000 Euro. Inklusive DSLR, inklusive drei Blitzen und mitsamt allem, was sonst noch dazu gehört.

Links deaktiviert, rechts aktiviert: Um gegen das starke Gegenlicht anzukommen, positionieren wir zwei Blitze rechts neben dem Kameramann. Ohne zusätzliche Beleuchtung wäre es auch mit der teuersten Kamera der Welt nicht möglich, unser Fotomodel vernünftig auszuleuchten und gleichzeitig den Hintergrund nicht überzubelichten (zum Vergrößern auf die Fotos klicken).

Sender, Empfänger und Blitze

Um einen Blitz nicht auf der Kamera selbst, sondern an einer beliebigen Position im näheren Umkreis nutzen zu können, ist ein drahtloses Kommunikationssystem Voraussetzung. Das Herzstück unserer Ausstattung sind ein Sender und drei Empfänger. Der Sender sitzt oben auf der DSLR, und die drei Empfänger verbinden sich per Zubehörschuh mit unseren Blitzen. Betätigen wir nun den Auslöser an unserer Canon EOS 450D, zünden alle drahtlos angesteuerten Blitze gleichzeitig.

Wir setzen auf Kommunikationsmodule von Cactus. Für drei drahtlos gesteuerte Blitze kostet das System 90 Euro. Wir haben uns für die Variante v4s entschieden, weil sie sehr kompakt und recht günstig ist. Diese Sender und Empfänger bieten keine E-TTL-Messung. Das bedeutet, dass die Blitze die Intensität nicht automatisch anpassen, wie es beispielsweise bei einem modernen Aufsteckblitz auf der Kamera geschieht. Zwar gibt es auch drahtlose Systeme mit E-TTL-Unterstützung auf dem Markt, doch diese sind deutlich teurer. Canon bietet etwa den Infrarot-Transmitter ST-E2 an, allerdings kostet dieser mit 200 Euro mehr als das Doppelte im Vergleich zu den Cactus-Modulen und erfordert außerdem freie Sicht zwischen Kamera und Blitz sowie ein kompatibles Blitzgerät.

Entfesselungskünstler: Der Cactus-Empfänger (links) kommt unter den Blitz, der Sender (rechts) wird auf die Kamera aufgesteckt.
Entfesselungskünstler: Der Cactus-Empfänger (links) kommt unter den Blitz, der Sender (rechts) wird auf die Kamera aufgesteckt.

Nachdem die erschwinglichen drahtlosen Blitzsteuerungssysteme kein E-TTL unterstützen, sind auch die Anforderungen an die Blitze deutlich niedriger. Es sind keine ausufernden Funktionen vonnöten, wie sie die hunderte Euro teuren Topmodelle von Canon, Nikon, Sigma und Metz bieten. Uns reicht im Wesentlichen eine manuelle Einstellungsmöglichkeit der Blitzintensität. Wir setzen auf Geräte von LumoPro vom Typ LP160, die für 140 Euro den Besitzer wechseln und in puncto Lichtleistung mit den knapp 400 Euro teuren High-End-Blitzen Canon 580EX II und Nikon SB900 in einer Liga spielen.

Nachdem die Blitze und die Cactus-Receiver nicht in Deutschland erhältlich sind, haben wir sie bei cameranu in Holland bestellt. Drei Tage nach Bezahlung war die Ausrüstung in München. Wer nicht im Ausland bestellen möchte, findet aber auch hierzulande Funkauslöser für die Blitze, beispielsweise vom Hersteller Phottix. Second-Hand-Fotogeschäfte sind zudem eine recht vielversprechende Anlaufstelle, um gebrauchte Blitzgeräte halbwegs günstig zu erstehen.

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