Sony SLT-A55V angetestet: rasante DSLR mit fixiertem Spiegel

Sony hat heute die ersten beiden Kameras seiner neuen SLT-Serie angekündigt. Die A33 und die A55V sind die ersten digitalen Systemkameras mit einem sogenannten Pellicle-Spiegel. Aufgrund seiner partiellen Lichtdurchlässigkeit erspart er sich im Gegensatz zu “echten” Spiegelreflexkameras die Mechanik. In erster Linie soll sich das auf die Geschwindigkeit auswirken: Das Datenblatt der A55V verspricht zehn Fotos pro Sekunde mit kontinuierlichem Autofokus. Unsere Kollegen von CNET.com hatten bereits die Gelegenheit, die Kamera auszuprobieren.

So gut die Bildqualität aktueller Systemkameras auch sein mag, in einem Punkt hinken sie ihren DSLR-Kollegen eindeutig hinterher: Die Auslöseverzögerung ist deutlich höher. Der Grund dafür liegt in dem Verfahren, mit dem die Kamera scharfstellt. Praktisch alle Kameras ohne Spiegelkasten setzen auf den sogenannten Kontrastautofokus. Das bedeutet, dass sie im Prinzip einmal das Objektiv durch den gesamten Fokusbereich fahren und dann auswerten, wo es die stärksten Kontraste gab. An diesen Punkt fährt das Objektiv dann zurück und betrachtet die Fokussierungsarbeit als erledigt. Das funktioniert zwar in der Regel recht gut, braucht aber seine Zeit. Es sind zahlreiche “Messungen” vonnöten, bis die Kamera den Fokus gefunden hat.

Ihren deutlichen Geschwindigkeitsvorteil verdanken Spiegelreflexkameras dem Phasenvergleichs-Autofokus. Hier reicht eine einzige Messung aus, um die korrekte Objektivstellung herauszufinden. Die Optik muss nicht in der Gegend herumgurken und suchen, sondern fährt schnurstracks an die erforderliche Position. Das geht zwar extrem schnell, setzt aber einen eigenen Autofokus-Sensor voraus. Bei der Kontrast-Methode hält der lichtempfindliche CMOS- oder CCD-Chip als Sensor her.

Der Hersteller Fujifilm versucht derzeit, das Kontrast-AF-Problem zu lösen, indem er in den CCD-Chip einen Phasenvergleichssensor einbaut. Die ersten beiden Kameras mit diesem System – die F300EXR und die F800EXR – kommen demnächst auf den Markt. Sony hingegen bringt bei den Modellen SLT-A33 und A55V einen halbdurchlässigen Spiegel vor dem Bildsensor an und zwackt einen Teil des einfallenden Lichts für den Phasenvergleichssensor im oberen Teil des Gehäuses ab.

Die Sony SLT-A55V verfügt über 15 Autofokuspunkte, drei davon sind Kreuzsensoren.
Die Sony SLT-A55V verfügt über 15 Autofokuspunkte, drei davon sind Kreuzsensoren.

Design & Ausstattung

Die Sony SLT-A55V überzeugt in Sachen Design und Handling. Das dreh- und schwenkbare Display sorgt für Pluspunkte und ist eine große Hilfe bei schwierigen Aufnahmesituationen. Die A55V ist ihren Kollegen aus Sonys Alpha-DSLR-Serie recht ähnlich und verzichtet auf das etwas umständliche Interface der NEX-Reihe. Neu dazugekommen bei der A55V ist eine intelligente Automatik namens Auto+, die selbsttätig das zum Motiv passendste Szenenprogramm auswählt. Bei Sony ist das eine Neuheit, beim Rest der Kamerawelt Standard.

Hinzu gesellen eine ganze Reihe von alten Sony-Bekannten: HDR-Automatik, Nachtaufnahmemodus, Schwenkpanorama und 3D-Schwenkpanorama. Die HDR-Automatik schießt bis zu sechs unterschiedlich belichtete Fotos und kombiniert diese zu einem Einzelbild mit erhöhtem Dynamikumfang. Das soll dafür sorgen, dass sowohl in hellen als auch in dunklen Bildbereichen mehr Details erhalten bleiben. Der Nachtaufnahmemodus schustert gleich sechs einzelne Aufnahmen zusammen und soll so auch bei schlechten Lichtverhältnissen unverrauschte, helle und scharfe Fotos liefern.

Die Schwenkpanorama-Funktion nimmt, wie der Name schon verrät, ein Panorama auf, wenn der Fotograf die Digicam über das Motiv schwenkt. Die kamerainterne Bildbearbeitung übernimmt das Zusammenschnipseln des eingefangenen Bildmaterials. Die Rundum-Aufnahmen speichert die Knipse wahlweise in 2D oder in 3D ab.

Wie bei allen Sony-Kameras, die ein “V” am Ende ihres Namens tragen, ist bei der A55V ein GPS-Receiver an Bord. Er sorgt dafür, dass sich später nicht nur der Aufnahmezeitpunkt, sondern auch der Aufnahmeort der Bilder nachvollziehen lässt. Bei unseren ersten Tests auf dem Land funktioniert das Feature einwandfrei. Wir sind gespannt, ob die Kamera ihren Orientierungssinn auch in den Häuserschluchten einer Großstadt beibehält.

Wenn man ernsthaft Videos aufnehmen möchte, klingt die A55V nach einem verlockenden Angebot. Doch leider verzichtet Sony darauf, dem Kameramann sonderlich viele manuelle Einstellungsmöglichkeiten zu gewähren. Die händische Konfiguration von Blende und Belichtungszeit ist beispielsweise nicht möglich. Es gibt zwar einen Aufnahmemodus namens Blendenpriorität, doch dieser wählt immer die größtmögliche Blendenöffnung, und der Autofokus funktioniert hier nicht. Möglicherweise soll das verhindern, dass so die laute Irisblende der A-Bajonett-Linsen auf dem Video zu hören ist. Vielleicht geht es auch darum, die manuellen Modi später in einem Nachfolge-Modell zur Verfügung zu stellen oder der NEX-VG10 keine potentiellen Käufer wegzunehmen.

Neueste Kommentare 

3 Kommentare zu Sony SLT-A55V angetestet: rasante DSLR mit fixiertem Spiegel

  • Am 24. August 2010 um 23:39 von hd-chris

    wer bietet mehr ????
    Ich bin nach jetzigem Kursurlaub und dem Mitschleppen von Video + Foto schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einer guten Kombination in entsprechender Größe.

    Sie sollte im Foto- und Videobereich gute Eigenschaften mitbringen. Das Konzept von Sony mit den Zusätzen von HDR und Panoramafunktion gefällt mir sehr gut. Das bietet zur Zeit nur Sony (meines Wissens).

    Warten wir mal ab was Canon, Nikon, Panasonic und Pentax zur Photokina liefern – ich hoffe auf lichtstarke, schnelle und kompakte Kameras in der Preisklasse 500,- bis 750,- Euro

  • Am 3. Oktober 2010 um 06:30 von Jürgen Hildebrandt

    wer bietet mehr?
    > ich hoffe auf lichtstarke, schnelle und kompakte Kameras in der Preisklasse 500,- bis 750,- Euro <

    Gibt es die nicht schon lange? Bisher allerdings nicht eine dabei, die wenigstens die Bildqualität einer "Einsteiger-DSLR" oder einer der neunen Systemkameras erreicht. Und die sind wieder Werlten von der Bildqualität der Vollformatsensorkameras entfernt.
    Im Kompakt- oder Bridgekamerabereich ist eine Verbesserung nur durch die Verwendung der größeren APS-C Sensoren möglich. Nur, welcher Hersteller wagt so einen bahnbrechenden Schritt, der nämlich seine "Einsteiger-DSLRs" die er im Programm hat, überflüssig machen würde!
    Letzlich wird es auf so genannte "Systemkameras" mit Spiegelreflexeigenschaften ohne Spiegel aber mit wechselbaren Objektiven hinauslaufen. So kann man weiter Wechselobjektive verkaufen, die eigentlich, bei einer Bridge mit APS-C Sensor, nicht erforderlich wären.

    • Am 6. Oktober 2010 um 10:41 von Stefan Möllenhoff

      AW: wer bietet mehr?
      Hallo Jürgen,

      das Problem ist, dass sich ein großer Bildsensor nicht mit einem kompakten und gleichzeitig extrem zoomstarken Objektiv vereinbaren lässt. Es gab da von Sony mal die DSC-R1, eine Bridgekamera mit APS-C-Sensor. Allerdings war die Kamera eben alles andere als handlich und hatte auch nur einen fünffachen optischen Zoom.

      Wer sich eine vollausgestattete Bridgekamera kauft, entscheidet sich gegen die Bildqualität, die in dieser Preisklasse bei einer Einsteiger-DSLR möglich wäre, und für die Flexibilität, die das Megazoomobjektiv bietet.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

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