Videoaufnahme mit DSLRs: überhitzende Sensoren beschränken die Aufnahmedauer

Überhitzt sich die Sony A55V im Videomodus?Sony hat letzte Woche für Aufregung gesorgt: Die beiden SLT-Kameras mit transluzentem Spiegel A55V und A33 verfügen einer von Sony Japan veröffentlichten Pressemitteilung zufolge über eine Einschränkung der maximalen Videoaufnahmedauer. Der A55V geht demnach während des Ägypten-Urlaubs im 40 Grad heißen Luxor mit aktiviertem Bildstabilisator bereits nach drei Minuten die Puste aus! Der Grund: ein überhitzender Sensor. Oh Schreck! Also doch besser zum Konkurrenz-Modell greifen?

Das bringt nur leider auch nichts. Denn auch wenn Sony mit der Veröffentlichung der schlechten Nachricht dem einen oder anderen Videofan sicherlich nicht gerade ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat, kann es die Konkurrenz auch nicht besser. Die kontinuierliche Aufnahmezeit der Nikon D3100 beispielsweise beträgt laut Handbuch höchstens zehn Minuten, bei hohen Umgebungstemperaturen durchaus auch weniger. In der Dokumentation der Canon EOS 60D finden sich zwar keine konkreten Angaben, doch Hinweise auf einen heißlaufenden Sensor gibt es ebenfalls.

Wenn die großen lichtempfindlichen Chips mit hohen Auflösungen und Bildraten ausgelesen werden, dann kommt es schlicht und ergreifend zu einer Erhöhung der Temperatur. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass es so lange dauerte, bis Live View bei den DSLRs verfügbar war – die massiven Sensoren waren schlicht und ergreifend nicht effizient genug und heizten sich beim dauerhaften Auslesen zu stark auf. In den Bedienungsanleitungen der Kameras finden sich auch stets Hinweise, Live View zu deaktivieren, sobald es nicht benötigt wird.

Ein mechanischer Bildstabilisator, der zum Ausgleichen von Verwacklungen den Bildsensor bewegt, verkürzt die Aufnahmedauer zusätzlich. Der Motor, der den Chip hin- und herschiebt, erzeugt Wärme. Und selbst wenn man ihn abschaltet, erlaubt die aufwändige Mechanik keine so gute thermische Verbindung wie ein fest eingebauter Bildsensor. So lässt sich das Gehäuse nicht als Kühlkörper nutzen. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die maximale Videoaufnahmedauer der Sony SLT-A55V und der SLT-A33 bei verschiedenen Temperaturen und abhängig vom Bildstabilisator verhalten.

Modellbezeichnung Umgebungstemperatur Bildstabilisator aktiviert Bildstabilisator deaktiviert
  20°C 9 min 29 min
Sony SLT-A55V 30°C 6 min 13 min
  40°C 3 min 5 min
  20°C 11 min 29 min
Sony SLT-A33 30°C 7 min 22 min
  40°C 4 min 9 min

Wer jetzt seine Spiegelreflexkamera auf Eis legen möchte, um die dreistündige Schulaufführung seines Nachwuchses zu dokumentieren: Nutzt nichts. Fotokameras dürfen leider nur maximal 29 Minuten und 59 Sekunden Videos am Stück aufnehmen – mehr ist per Gesetz nicht drin. Denn fällt die maximale Aufnahmedauer länger aus, gelten die Knipsen rechtlich als Videokameras und müssen mit 4,9 Prozent Importzoll belegt werden. Eingeschränkt videotaugliche Digitalkameras dagegen sind davon befreit.

Für stundenlange Dauervideos bleibt also nur eines: Kauft Euch einen Camcorder. Und für den zehnminütigen Auftritt vom Sohnemann beim Schultheater tun es auch die Sony-SLT-Kameras. Denn das Dauerfilmen macht aus der freien Hand eh keinen Spaß, und beim Einsatz eines Stativs kann der Bildstabilisator getrost abgeschaltet bleiben. Ach ja: Die längste Super-8-Rolle für den Massenmarkt war 61 Meter lang und reichte gerade einmal für 13 Minuten und 20 Sekunden Aufnahme. So viel dazu. (Foto: CBS Interactive)

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