Eine Woche Praxis-Test: So gut ist Windows Phone 7

Am Montag hat Microsoft im Zuge einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Telekom sein neues Handy-Betriebssystem Windows Phone 7 vorgestellt. Wir hatten seitdem die Möglichkeit, zwei Geräte ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Eine knappe Woche nach der Vorstellung ziehen wir ein erstes Fazit.

Zunächst einmal kann man getrost alles vergessen, was man über Windows Mobile weiß – oder zu wissen glaubt. Windows Phone 7 hat nichts mehr mit dem zunehmend glücklosen Vorgänger zu tun, weder optisch, noch technisch, noch von der Bedienung her. Und, das wird Microsoft freuen: Auch die ganzen Fehler, die inkonsistente Bedienung, die lahmen Reaktionen und das Ruckeln sind ganz offensichtlich Teil der mobilen Windows-Vergangenheit.

Ruckelt’s noch?

Denn trotz aller Bemühungen der Gerätehersteller war Windows Mobile bis zu Letzt einfach ein Produkt des letzten Jahrtausends. Trotz aufgehübschter User-Interfaces wie HTC Sense oder Samsung TouchWIZ, trotz umständlich hinzugebastelter Funktionen wie dem coolen Multitouch-Zoom und der zugehörigen Unterstützung kapazitiver Touchscreens – unter der Haube lief alter Mist. Hier und da tauchen Dialoge auf, die so schon bei den PDAs (genau, die alten Smartphones ohne Telefon) zu finden waren, als Windows Mobile noch Windows CE hieß, die Oberfläche ändert ihre Optik und ihre Dialoge, mal speichert man mit einem Druck oben rechts, mal unten links. Zugegeben: Bis zum Schluss hatte Windows Mobile eine Fangemeinde – denn Möglichkeiten, die Handys zu tunen, gibt es haufenweise. Aber, auch wenn eben diese Fans das gar nicht so gerne hören: Konkurrenzfähig ist Windows Mobile in den letzten Jahren nicht mehr gewesen. Egal, ob man das iPhone mag oder nicht, es hat den Markt revolutioniert – und alle anderen müssen sich jetzt daran messen.

Der Marktanteil beweist es: Trotz wachsendem Smartphone-Markt war Windows Mobile im zweiten Quartal dieses Jahres nicht mal mehr auf 10 Prozent aller Geräte installiert, während Googles Android-Betriebssystem schon auf 33 Prozent und Apples iOS auf 22 Prozent kommt. Ein halbes Jahr zuvor war die Windows-Company noch auf knapp 20 Prozent aller Smartphones vertreten. Fairerweise muss man dazu sagen, dass das Warten auf Windows Phone 7 daran sicherlich einen Anteil hat und viele Interessenten von Windows-Handys ihren Kauf auf einen Termin nach der Vorstellung verschoben haben – aber unterm Strich bleibt ein herber Verlust im Markt.

Egal, ob man in Anbetracht dieser Zahlen schadenfreudig grinst, sich denkt „so schlimm ist es doch nicht“ oder ob es einem schlicht egal ist, welches Betriebssystem auf seinem Handy läuft, solange alles funktioniert, bleibt eine entscheidende Frage zur Zukunft des mobilen Windows: Ruckelt’s noch, oder ist der Vorsprung von Apple, Google & Co. eingeholt? Die Antwort ist eindeutig: Windows Phone 7 ist flott – auch, wenn es der eine oder andere kaum glauben mag. Zähe Reaktionen, ruckeligen Zoom, lange Wartezeiten, verschluckte Nutzereingaben – all das gehört der Vergangenheit an, zumindest in 99 Prozent aller Fälle. Und damit hat Microsoft wohl die größte Hürde geschafft: Die Nutzung von Windows Phone macht Spaß.

Klicki, klicki, bunti, bunti

Das fängt bereits beim ersten Blick auf den Homescreen von Windows Phone 7 an. Eventuell vergraulen die Entwickler so vielleicht den einen oder anderen Fan des bisherigen Windows-Mobile-Interface, aber unterm Strich geht es hier stark in Richtung iPhone & Co. Kleine, filigrane Schriften, Icons und Buttons sind passé, der Homescreen wird dominiert von farbigen Rechtecken und Quadraten, den sogenannten Tiles, die größtenteils animiert sind. Beispiel Kontakte: Das etwa zwei mal zwei Zentimeter große Rechteck ist im Inneren in neun weitere Rechtecke unterteilt, die Fotos von Kontakten anzeigen, verschwinden, andere Bildchen zeigen und so weiter. Wer Verknüpfungen zu einzelnen Kontakten auf dem Homescreen ablegt (das erfolgt durch einen langen Fingertipp im Adressbuch), bekommt ein zusätzliches Rechteck – das ebenfalls wieder animiert ist. Mal steht der Name da, mal nicht, mal ist das Bild ganz zu sehen, mal halb, mal gar nicht. Schlecht sieht das nicht aus, aber die ständigen Bewegungen muss man mögen. Ist halt ganz anders als früher, aber da war auch nicht alles besser.

Animiert: Der Homescreen ist ständig in Bewegung. Bilder scrollen durch, verschwinden und tauchen wieder auf. Animiert: Der Homescreen ist ständig in Bewegung. Bilder scrollen durch, verschwinden und tauchen wieder auf. Animiert: Der Homescreen ist ständig in Bewegung. Bilder scrollen durch, verschwinden und tauchen wieder auf.
Animiert: Der Homescreen ist ständig in Bewegung. Bilder scrollen durch, verschwinden und tauchen wieder auf.

Das Rechteck, das einen zu den eigenen Fotos führt, zeigt beispielhaft ein Bild an – und tauscht es regelmäßig durch. Das Icon des Musik- und VIdeoplayers zeigt ein Albencover, und auch hier wird gewechselt. Das sorgt für Abwechslung auf dem Homescreen, aber nicht unbedingt dafür, dass man die richtigen Buttons auf Anhieb erkennt. Immerhin: Die Position bleibt gleich, solange man sie nicht händisch ändert. Per langem Fingertipp, versteht sich – hallo iPhone & Android.

Und überhaupt: Ständig bewegt sich etwas. Beim Start einer App drehen sich die Icons seitlich aus dem Bildschirm heraus, während sich kurz danach das gestartete Programm im Vollbild hereindreht. Am Anfang ist das hübsch anzusehen, auf Dauer nervt’s etwas, zumal das ständige Geschwurbel Zeit kostet – zwischen ein und zwei Sekunden Animation sind dauernd drin. Das ist übrigens durchaus gewollt und ein Trick, den Apple schon beim ersten iPhone eingesetzt hat: Wenn der Nutzer ein Icon antippt, muss das damit verknüpfte Programm starten. Das dauert einfach, egal, ob ein Microsoft- oder ein Apple-Betriebssystem im Hintergrund arbeitet. Aber während der Bildschirm flüssig animiert, hat der Anwender einfach nicht den Eindruck, warten zu müssen. Die zwei Sekunden, die Windows Phone Icons durch die Gegend dreht, reichen der App im Hintergrund, um zu starten – und tada: Alles scheint zu flitzen.

Praktisch hingegen ist, dass Platz für aktuelle Informationen bleibt – so zeigen die Tiles beispielsweise ungelesene E-Mails, frische SMS-Nachrichten oder verpasste Anrufe auf den ersten Blick im Homescreen an.

Neueste Kommentare 

13 Kommentare zu Eine Woche Praxis-Test: So gut ist Windows Phone 7

  • Am 15. Oktober 2010 um 20:42 von Olaf G.

    Guter Text
    Danke für den Text, ist ganz nett zu lesen. Mal eine Einschätzung jenseits von "iPhone ist besser" und "WP7 ist sooooo geil".

    Das getestete Gerät war ein Modell vor der RTM-Variante, oder?
    "Leider lässt sich derzeit nicht festlegen, dass man nur die bereits vorhandenen Kontakte um Facebook-Daten erweitern möchte – somit rutschen also auch Namen und Fotos von Personen in das Telefonbuch des Handys, die man nur mal irgendwann irgendwo zufällig auf einer Party getroffen hat. Diese Option fehlt uns durchaus."
    –> Diese Option ist doch seit RTM schon behoben, soweit alles stimmt, was man so liest.

    • Am 18. Oktober 2010 um 17:26 von Daniel Schraeder

      AW: Guter Text
      Hallo Olaf,

      danke für die Blumen. Inzwischen, nach zwei weiteren Tagen mit WP7, wächst allerdings meine Kritik am neuen Internet Explorer, der durchaus mehr als nur wenige Seiten nicht korrekt darstellt.

      Auf unserem 7 Mozart läuft Windows Phone 7.0.7004.0. Das müsste eigentlich die "fertige" Version sein, aber hundertprozentig sicher bin ich mir nicht. HTC konnte oder wollte das weder bestätigen noch dementieren.

      Beste Grüße
      Daniel Schraeder, CNET.de

  • Am 16. Oktober 2010 um 08:56 von Hans

    turn by turn navigation bei Windows Phone 7?
    Ist das serienmäßiger Bestandteil? Im Test gab es keinen Hinweis.

    • Am 20. Oktober 2010 um 12:08 von Daniel Schraeder

      AW: turn by turn navigation bei Windows Phone 7?
      Hallo Hans,

      nein, Turn-by-Turn ist in Windows Phone 7 nicht standardmäßig integriert. Es gibt allerdings Providerlösungen – so gibt’s bei T-Mobile beispielsweise Navigon Select für die Vertragslaufzeit dazu.

      Beste Grüße
      Daniel Schraeder, CNET.de

  • Am 16. Oktober 2010 um 16:38 von IKO

    WP7 wirds nicht schaffen…
    ich kann mir gut vorstellen, dass wp7 sich in den ersten paar tagen, einige male verkaufen wird. durchsetzen oder gar den markt dominieren,wird es sich nie! ich schätze 5-8% marktanteil, mehr nicht.
    wie ich darauf komme?
    -zu viele einschränkungen wie z.b. kein tethering, kein flash, kein HTML5, kein multitasking, kein copy&paste, musikstore-anbindung, market- anbindung, kein Threaded-E-Mail, langweilige uns nicht austauschbare oberfläche, keine SD-Karten ünterstützung!!!!!! und ein leerer appstore-> der für 95% aller apps geld verlangen wird!!!!!
    amen

    aus meiner sicht, ein genickbruch total und da hilft auch kein ach so tolles office-paket,denn office auf dem handy ist eh nur ein joke für zwischendurch und weder fisch, noch fleisch!
    und sonst bietet (wie von euch ja schon erwähnt) WP7 garnix neues oder gar revolutionäres!
    also wieso sollte man sich so ein gerät kaufen,wenn es alternativen gibt,die das alles bieten???

    • Am 18. Oktober 2010 um 22:43 von Roger

      AW: WP7 wirds nicht schaffen…
      Revolutionäres bietet es z.B. das neue xbox live feature

      • Am 19. Oktober 2010 um 21:20 von IKO

        AW: AW: WP7 wirds nicht schaffen…
        also wer sich das gerät wegen xbox-diensten kauft,der sollte sich lieber vlt. nen schnuller kaufen.
        ausserdem glaubst du doch nicht wirklich,dass du da echte xbox spiele spielen kannst?!
        der unterschied zu iphone- oder android-spielen wird sich irgendwo bei null einreihen! es ist und bleibt ein handy, d.h. keine wirkliche power,keine wirkliche grafik, zu kleines display und allen voran, keine richtige steuerung ala ps3 oder xbox (wohnzimmerkasten)

        • Am 20. Oktober 2010 um 14:42 von Wortissimo

          AW: AW: AW: WP7 wirds nicht schaffen…
          Wenn nach ein paar Updates und etwas Zeit App und Funktions-vielfalt an die gängigen iOS und Android Funktionen angeglichen wurden, dann ist xbox live für mich persönlich ein absolut entscheidender Punkt, um sich von den anderen abzugrenzen.
          Da habe ich mein komplettes XboxLive Netzwerk immer dabei und kann unterwegs meinen Gamerscore hochpushen…für den ein oder anderen verspielten (wie mich) ein nicht zu unterschätzender Kaufanreitz.

          Anderes Beispiel: Ich seh wann mein Freunde online sind und was diese spielen, kann denen direkte einen Nachricht auf ihren Fernseher senden und bescheid geben, wann ich zuhause bin. Würde mich nicht wunderen, wenn man diese dann bald auf ihrem Headset direkt anrufen kanngeile Möglichkeiten…hat viel Potential, gerade was multiplayer und Games, die mit den stationären Konsole Zuhause in Verbindung stehen angeht. Vermute stark da wird in Zukunft viel passieren.

          Ich gebe allerdings zu, dass man gerade als First Mover von beschriebenen Möglichkeiten noch nicht sonderlich viel hat und Android und iOS4 reifer sind. Allerdings sagt mir meine Glaskugel, dass in 0,5 bis 1 Jahr der Kampf erst richtig losgeht. Entscheidend wird sein, ob MS dauerhaft den Features der anderen hinterherläuft oder bald selber auch Impulse setzen kann.

  • Am 19. Oktober 2010 um 16:28 von grieche

    Internet Explorer
    wie soll den zoomen funktionieren wenn ihr auf der mobilen seite vom spiegel seit ???? m.spiegel.de ! Da geht kein zoom !!

    • Am 20. Oktober 2010 um 12:01 von Daniel Schraeder

      AW: Internet Explorer
      Korrekt – der Zoom geht nicht, genau so, wie’s darstellt. Ist ja auch okay, wenn der Text dann auf die Seite passt – nur das tut er bei Windows Phone 7 eben nicht: Er läuft rechts aus dem Bild raus. Und da man ihn nicht verkleinern kann, muss man für jede Zeile horizontal scrollen – und das nervt.

      Beste Grüße
      Daniel Schraeder, CNET.de

  • Am 21. Oktober 2010 um 13:23 von Sebastian

    Na das klingt
    ja schon mal vielversprechend. Ich warte aber allerdings darauf das Sony mal seine WP7 Handys vorstellt. Am besten mit PSP Funktion. Den am Markt mit Abstand besten MP3 Player hätten sie ja auch, müssten in nur noch integrieren. Das einzigste was wirklich alles Smartphones fehlt ist der professionelle Anspruch. Weder das Iphone noch sonst eines (mal Blackberry ausgenommen) ist mehr als ein Spielzeug. Auch die Vergleiche mit den APP Markets finde ich wenig aussagekräftig. Was bringen mir 300.000 Apps wen davon 250.000 unterirdisch schlecht sind? Ich brauche nicht 1000 Tetrisvarianten und auch nicht gefühlte 1 Millionen Taschenlampen Apps. Furzsimulatoren und und und? Das macht keinen guten Appstore aus. In ihrem Handling finde ich übrigens weder Android noch IPhone Appstore wirklich gut.

    • Am 25. Oktober 2010 um 17:29 von Daniel Schraeder

      AW: Na das klingt
      Hallo Sebastian,

      derzeit arbeitet Sony Ericsson nicht an einem Windows-Phone-7-Gerät – bei der Vorstellung des Betriebssystems wurde das Unternehmen zumindest nicht als Partner genannt. Auch Symbian hat übrigens eine Absage erhalten – man konzentriert sich derzeit offensichtlich auf die Android-Plattform.

      Beste Grüße
      Daniel Schraeder, CNET.de

  • Am 26. November 2010 um 14:25 von Suffi

    Kann man mit dem Ding eigentlich auch telefonieren?
    Hallo zusammen,

    ich lese den Beitrag erst jetzt (tut mir leid) hätte aber mal einige Fragen:

    Wie steht es mit der bluetooth Anbindung z. B Auto, Headset usw.?

    Sprachverständlichkeit gut, schlecht?

    Wie steht es mit W-lan Verbindung und dem überspielen von Dateien aus, ist es besser als beim IPohne?

    Wie sieht es mit der Synchronisation von Outlook und Exchange aus?
    Termine, Kontakte, E-Mails, Aufgaben.?

    Wie sieht es mit PDF Dateien aus, lassen sich diese öffnen und lesen?

    Gibt es eine Musikverwaltung und kann ich das Ding am PC anschließen und die Musik abspielen lassen??

    Fragen über Fragen

    Gruß
    Suffi

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *