3D-Camcorder im Eigenbau: So dreht man dreidimensionale Videos für 200 Euro

Die Playstation 3 kann es, zahlreiche aktuelle Blu-ray-Player können es, und auch bei Fernsehern der gehobenen Klasse gehört es zum guten Ton. Die Rede ist von 3D. Lediglich an einer Stelle mangelt es: den passenden Inhalten. Derzeit ist gerade einmal eine Handvoll 3D-Filme auf Blu-ray erhältlich. Wir wollen nicht länger auf Hollywood warten und zeigen, wie sich mit einfachen Mitteln selbst dreidimensionale Videos produzieren lassen.

Panasonic ließ auf der IFA die Herzen 3D-begeisterter Hobbyfilmer höher schlagen. Der dort vorgestellte Camcorder HDC-SDT750 nimmt mit der im Lieferumfang enthaltenen Aufstecklinse dreidimensionale Filmchen auf. Mit Anschaffungskosten von gut 1000 Euro ist die Videokamera zwar deutlich günstiger als professionelle Modelle wie der 21.000 Dollar teure AG-3DA1, den ebenfalls Panasonic baut, aber für unseren Geschmack ist das immer noch zu viel Geld. Etwas günstiger geht es mit Fujifilms Kompaktkamera FinePix Real 3D W3, doch auch knapp 400 Euro sind kein Pappenstil. Wer bereits eine Video-DSLR besitzt, kommt mit der rund 150 Euro teuren 3D Lens in a Cap 9005 von Loreo vergleichsweise günstig weg.

So funktioniert unser Eigenbau-3D-Camcorder

Anstelle einer fertigen 3D-Video- beziehungsweise -Kompaktkamera „bauen“ wir uns unseren Camcorder selbst. Zwei Linsen, zwei Bildsensoren und zwei Gehäuse – wir verwenden einfach zwei eigenständige Geräte. Um die Kosten gering zu halten, setzen wir auf zwei Pocket Camcorder vom Typ Kodak Zi8. Kostenpunkt in günstigen Online-Shops: rund 100 Euro. Um die Aufnahme bei beiden Kameras gleichzeitig starten und stoppen zu können, bestellen wir noch die dazu passende Fernbedienung für knapp 10 Euro.

Die beiden Videokameras montieren wir im Augenabstand nebeneinander auf einer Schiene. Für unseren Test kleben wir sie mit Tesa Powerstrips auf einen Schubladenteiler aus Kunststoff. Der Abstand zwischen den beiden Linsen sollte dem der menschlichen Augen entsprechen – also etwa 6,5 Zentimeter. Ein größerer Abstand sorgt für eine stärkere Tiefenwirkung, übertreiben sollte man es allerdings nicht.

Um die Einzelvideos für rechtes und linkes Auge aufzunehmen, kleben wir die beiden Camcorder auf einen Schubladenteiler.
Um die Einzelvideos für rechtes und linkes Auge aufzunehmen, kleben wir die beiden Camcorder auf einen Schubladenteiler.

Wenn es etwas flexibler sein soll, empfiehlt es sich, die Stativgewinde der beiden Pocket Camcorder zu nutzen. Ideal eignet sich eine Eisen- oder Metallschiene, in die im benötigten Abstand zwei Löcher gebohrt werden, und auf der die Videokameras befestigt werden. Die passenden 1/4-Zoll-Schrauben sind im Baumarkt schwer zu finden, aber in diversen Online-Shops für wenige Euro zu haben, etwa bei Foto-Brenner.de. Mit einem zusätzlichen Loch und einer beispielsweise ebenfalls im genannten Online-Shop erhältlichen 1/4-Zoll-Flügelmutter lässt sich der Aufbau dann außerdem auf einem Stativ befestigen.

Aufnahme von 3D-Videos

Der Doppel-Camcorder-Aufbau ist soweit, jetzt können wir die ersten Videos aufnehmen. Hier kommt unsere Fernbedienung ins Spiel: Nachdem wir die beiden Clips fürs rechte und fürs linke Auge später zusammenfügen wollen, müssen sie zum exakt gleichen Zeitpunkt beginnen und enden. Das ist insbesondere bei bewegten Motiven wichtig. Leider lässt uns die Kodak-Fernbedienung hier ein wenig im Stich. Die Aufnahme startet nicht immer genau gleichzeitig, sondern meist mit ein paar Frames Unterschied, stellenweise aber mit bis zu zweisekündiger Differenz. Es bleibt uns also leider nichts anderes übrig, als die Videos später am PC händisch zurechtzustutzen.

Diese 10-Euro-Fernbedienung ermöglicht ein annähernd gleichzeitiges Starten der beiden Camcorder.
Diese 10-Euro-Fernbedienung ermöglicht ein annähernd gleichzeitiges Starten der beiden Camcorder.

Damit wir einen Anfangspunkt für das Geschnippel finden, setzen wir auf eine Filmklappe. Wer keine hat, bekommt sie für ein paar Euro auf eBay oder verwendet beispielsweise eine Smartphone-App, die das Display blitzartig von Schwarz auf Weiß wechselt, oder blinkt mit der Taschenlampe in die Linsen. Wichtig ist nur, dass sowohl auf dem rechten als auch auf dem linken Video derselbe Zeitpunkt auszumachen sind. Viel mehr gibt es vorerst nicht zu beachten, mit den genaueren Problemen, die beim Filmen auftreten können, wollen wir uns an späterer Stelle im Artikel beschäftigen.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu 3D-Camcorder im Eigenbau: So dreht man dreidimensionale Videos für 200 Euro

  • Am 22. April 2013 um 23:56 von Tobias Claren

    Angeblich braucht es unbedingt zwei Kameras mit „lanC“-Buchse (bzw. „AAC“ oder „Remote“) sowie einen mindestens 149 Euro teuren „lanC-Controller“ (die Billigversion) der die beiden Kameras absolut zeitgleich startet (es geht um mehrere tausendstel Sekunden), und anzeigt wenn die beiden Videos maximal eine 500stel Sekunde auseinander laufen (um abzubrechen und eine neue Szene zu starten).

    Eine detaillierte Anleitung wie man mit zwei so grob gestarten Kameras am Ende ein Synchrones 3D-Video erstellt wäre hilfreich.

    Ich suche auch vergeblich nach einer „3d-Schiene“.
    Einer Schiene mit der ich zwei Kameras auf einem Stativ fixieren kann.

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