DSLR-Fotokurs: Menschen bei Portrait-Aufnahmen ins rechte Licht rücken

„Ich hasse Fotos von mir“, „hör‘ auf, mich zu fotografieren“ – wer zu jeder Gelegenheit fleißig durch die Gegend knipst, wird mit Sicherheit diese beiden und noch mehr Sätze in der Richtung abbekommen haben. Beachtet man beim Fotografieren von Menschen ein paar Grundregeln, sorgen die entstehenden Aufnahmen für positive Überraschungen. Und dafür, dass sich die Betroffenen später immer wieder gerne ablichten lassen.

Ein wichtiger Punkt ist natürlich die Ausrüstung. Klar, auch eine Kompaktkamera bannt ein Gesicht irgendwie aufs Bild. Aber mit Einsteiger-DSLRs, die auch nicht unbedingt ein Vermögen kosten, lassen sich deutlich bessere Ergebnisse erzielen – ein Grund hierfür sind die tollen Schärfe-Unschärfe-Effekte, die das Auge des Betrachters auf einen ganz bestimmten Bildbereich wandern lassen. Wer außerdem nicht einfach blind aufs Motiv draufhält, sondern sich vorher ein paar kleine Gedanken zu Licht und Schatten, zu Hintergrund und Vordergrund sowie zu Blende und Belichtungszeit macht, kann die Wirkung der Fotos deutlich steigern.

Übrigens: Wer sich für Fotografie begeistert, findet in unserer Sammlung der besten Fotokurse und Bastelprojekte zahlreiche Tipps und Tricks rund um Kameras und Fotos.

Ausrüstung: je teurer, desto besser?

Spiegelreflex- und EVIL-Kameras bieten ihren kompakten Digicam-Kollegen gegenüber einen entscheidenden Vorteil: Der Sensor ist um ein Vielfaches größer. Und je größer der Sensor ist, desto höhere „echte“ Brennweiten müssen die Objektive haben, um den gleichen Bildausschnitt auf den lichtempfindlichen Chip abzubilden, wie eine Kompaktkamera. Bei gleichem Bildwinkel hat eine kompakte Digicam also eine deutlich niedrigere „echte“ Brennweite als das Objektiv einer DSLR.

Das Gegenstück zu dieser „echten“ Brennweite ist die Brennweite im Kleinbildäquivalent. Diese Angabe findet üblicherweise bei Kompaktkameras Verwendung und entspricht jener Brennweite, die ein Objektiv auf einer Kleinbildkamera haben müsste, um den gleichen Bildwinkel abzubilden, wie es die Linse der Kompaktkamera tut. Um diese Abhängigkeit zu beschreiben, bedient man sich des sogenannten Formatfaktors (auch: Crop Factor). Bei einer Spiegelreflexkamera mit Sensor im Kleinbildformat beträgt er 1,0. Ein 50-Millimeter-Objektiv hat also logischerweise auch eine Kleinbildbrennweite von 50 Millimetern.


Die Grafik zeigt die Sensorgrößen von verschiedenen Kameras im maßstabsgetreuen Vergleich. Ganz links ist ein Kleinbildsensor zu sehen, daneben ein APS-Chip mit Formatfaktor 1,5, wie ihn etwa Sony und Nikon bei ihren Einsteiger- und Mittelklasse-DSLRs einsetzen. Olympus und Panasonic verbauen in ihren Wechselobjektiv-Digicams (Micro-)Four-Thirds-Sensoren mit Formatfaktor 2,0. Die größten bei Kompaktkameras verbauten Chips messen 1/1,7 Zoll in der Diagonale (ganz rechts).

Bei den meisten Einsteiger-DSLRs und bei den EVIL-Kameras von Sony und Samsung liegt der Formatfaktor bei 1,5. Das bedeutet, dass die Diagonale des Bildsensors um den Faktor 1,5 kleiner ist als die eines Kleinbildsensors. Ein Objektiv mit einer Kleinbild-Brennweite von 50 Millimetern hat hier dann eine echte Brennweite von 50 geteilt durch 1,5 Millimetern, also von 33 Millimetern. DSLRs und EVIL-Kameras von Olympus und Panasonic bieten einen Formatfaktor von 2,0, günstige Canon-DSLRs liegen bei 1,6.

Kompaktkameras verfügen über deutlich kleinere Sensoren: Der Formatfaktor bewegt sich hier zwischen 4,3 und 5,6. Eine Kleinbildbrennweite von 50 Millimetern entspricht hier dann nur noch 12 beziehungsweise 9 Millimetern. Wozu das Herumgerechne?

Ganz einfach: Je höher die „echte“ Brennweite eines Objektivs ist, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Und je geringer die Tiefenschärfe ist, desto besser lassen sich einzelne Bildbereiche hervorheben, also beispielsweise eine einzelne Person aus einer Menschenmenge oder die Augen des Fotomodells vom Rest der Aufnahme. Kleinsensorige Kompaktkameras haben enorm niedrige Realbrennweiten – daher ist hier in der Regel das ganze Foto überall gleich scharf und die Bildwirkung deutlich langweiliger als die von Aufnahmen mit unscharfen Bereichen.

Der zweite Punkt, der über die Tiefenschärfe entscheidet, ist das Öffnungsverhältnis beziehungsweise die Blendenöffnung des Objektivs. Je größer diese ist, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Die Blende wird in F-Nummern angegeben. F1,4 ist beispielsweise extrem weit offen, F11 ist sehr weit geschlossen.

Die eindrucksvollsten Unschärfeeffekte lassen sich also mit großsensorigen Kameras sowie starken Zoomobjektiven mit möglichst großen Blendenöffnungen erzielen – beispielsweise also mit einer Kamera mit Kleinbildsensor und einem 85-Millimeter-Objektiv mit Blende F1,2. Kostet bei Canon beispielsweise knapp 4000 Euro. Keine Angst: Auch eine Canon EOS 1000D, etwa mit einem 50-Millimeter-F1,4-Objektiv, liefert sehr ordentliche Ergebnisse und kostet in dieser Kombination rund 650 Euro. Eine günstige Alternative sind auch starke Telezoom-Optiken, die zwar keine besonders großen Blendenöffnungen, aber dafür hohe Brennweiten liefern.

Bei 135 Millimetern Brennweite reicht auch eine Blende von F5,6 aus, um die junge Dame deutlich vom Hintergrund freizustellen.
Bei 135 Millimetern Brennweite reicht auch eine Blende von F5,6 aus, um die junge Dame deutlich vom Hintergrund freizustellen.

Für Portraitaufnahmen sind Festbrennweiten – also Objektive ohne Zoom – häufig den Zoom-Optiken vorzuziehen. Der Grund dafür ist einfach: Linsen mit fester Brennweite sind lichtstärker, bringen also größere Blendenöffnungen mit und liefern damit schönere Unschärfe-Effekte. Der unscharfe Bereich auf den Aufnahmen wird übrigens gemeinhin Bokeh genannt – das hat nichts mit dem Bouquet von Weinen zu tun, sondern ist japanisch und bedeutet „unscharf“.

Natürlich kann man auch ohne Unschärfe-Effekte schöne Portraitfotos schießen. Aber der Einsatz von selektiver Tiefenschärfe ist eine vergleichsweise einfache und sehr wirkungsvolle Möglichkeit, das Auge des Betrachters auf das Motiv zu lenken und eine eindrucksvolle Bildwirkung zu erzielen.

Neueste Kommentare 

6 Kommentare zu DSLR-Fotokurs: Menschen bei Portrait-Aufnahmen ins rechte Licht rücken

  • Am 19. Dezember 2011 um 19:27 von BL

    Hilfe
    Wer ist die Frau auf dem Bild? Bzw. wer hat das Bild geschossen? Woher kommt es?

    • Am 21. Dezember 2011 um 18:40 von Stefan Möllenhoff

      AW: Hilfe
      Hallo,

      um welches Bild auf welcher Seite des Artikels geht es denn genau?

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 20. Dezember 2011 um 08:04 von Con

    Ah ha
    Soso, wo sind jetzt hier die tipps für bessere bilder???
    Finde hier nur werbung für dieses dslr zeug….

    Aber wirkliche tipps wie man nun mit einer simplen camera gute bilder schiessen kann, findet man doch nicht.

    • Am 25. Dezember 2011 um 08:50 von Paule

      AW: Ah ha
      Wer lesen kann ist klar im Vorteil!

      Die Überschrift lautet :DSLR=Spiegelreflex Kamera! Und nicht ne normale Kamera!
      Und wer mit einer "normalen" Kamera keine "ordentlichen" Bilder hinbekommt, der brauch diesen Artikel auch nicht lesen!

      Schöne Feiertage!

  • Am 20. Dezember 2011 um 08:32 von KM

    DSLR
    Was bedeutet DSLR?

    • Am 21. Dezember 2011 um 18:44 von Stefan Möllenhoff

      AW: DSLR
      Hallo,

      DSLR steht für digital single-lens reflex, zu Deutsch: digitale Spiegelreflexkamera.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

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