Google Nexus S vorgestellt: Über-Android-Smartphone mit NFC und gebogenem Display

Google Nexus S

Zum neuen Google-Handy Nexus S gab es bis vor circa zwei Stunden nur Gerüchte. Nexus 2 oder Nexus Two sollte es mal heißen, mal sollte es gar nicht auf den Markt kommen, weil sich sein Vorgänger Nexus One so schleppend verkauft hat, mal hätte es schon längst fertig sein sollen, dann wieder erst deutlich später in die Läden kommen… und so weiter. Fest stand nur, sollte es überhaupt kommen, dass es von Samsung gebaut wird – und dass es das erste Gerät mit der neuen Android-Version Gingerbread (2.3) sein wird. Sofern die überhaupt 2.3 heißt und nicht 3.0.

Update: Inzwischen haben wir einen ausführlichen Vorab-Testbericht zum Google Nexus S veröffentlicht.

Jetzt sind wir schlauer – um zwei Minuten nach acht Uhr morgens (PST) hat Google ganz offiziell das Nexus S vorgestellt. Mit seinem 4-Zoll-Super-AMOLED-Display verfügt es über die gleiche Anzeige wie sein „Bruder“ Samsung Galaxy S. Die Auflösung ist mit 800 mal 480 Pixeln identisch, und auch die Farbbrillanz und die Kontraste dürften auf gleich hohem Niveau liegen. Schade ist nur, dass die Nachfolgetechnologie, um die sich schon diverse Gerüchte ranken, wohl erst beim offiziellen Galaxy-S-Nachfolger zu sehen sein wird. Den erwarten wir übrigens zum Mobile World Congress im Februar 2011.

Einen gravierenden Unterschied beim Display gibt es übrigens doch zum Galaxy S: Die Anzeige ist leicht gebogen. Das soll die Ergonomie verbessern – und dürfte in der Praxis wohl auch den einen oder anderen Kratzer verhindern. Natürlich kommt hier wieder stabiles und weitgehend kratzfestes Glas zum Einsatz. Abgefahren sieht es auf jeden Fall aus, und damit das möglichst lang so bleibt, ist es mit einer Schutzschicht gegen Fingerabdrücke versehen. Leider können wir den bisher veröffentlichten Bildern und Informationen nicht entnehmen, ob tatsächlich das OLED-Panel gebogen ist, oder ob es sich dabei „nur“ um die Scheibe über der eigentlichen Anzeige handelt.

Die übrige Ausstattung gleicht weitgehend der des Galaxy S. Quad-Band-GSM, UMTS mit Up- und Downloadturbo HSPA in den höchsten Ausbaustufen (7,2 MBit/s im Downstream, 5,76 MBit/s im Upstream), WLAN nach dem flotten n-Standard, GPS und so weiter. Überraschenderweise hat man offensichtlich an einer unauffälligen Stelle gespart: Während das Galaxy S mit dem neuen Bluetooth-Standard 3.0 ausgestattet ist, kommt beim Nexus S laut Datenblatt „nur“ Bluetooth 2.1 +EDR zum Einsatz. In Anbetracht der spärlichen Verbreitung von Geräten, die schon mit der neuen Technik ausgestattet sind, ist das aber noch halbwegs zu verschmerzen.

Bei den Sensoren hat Google aufgerüstet. Wie gehabt gibt es einen digitalen Kompass, einen Umgebungslichtsensor zur Helligkeitsregelung und einen Annäherungssensor, der Display und Touchscreen abschaltet, wenn man das Gerät ans Ohr hält. Auch der Beschleunigungsmesser ist an Bord, wird aber wie beim iPhone 4 von einem Drei-Achsen-Gyroskop für eine erhöhte Genauigkeit unterstützt. Das soll vor allem bei Spielen für eine Verbesserung bei der Steuerung sorgen. Über den Vibrationsmotor im Inneren gibt es haptisches Feedback beim Tippen.

Wie beim Galaxy S kommt auch beim Nexus S der 1 GHz schnelle Cortex-A8-Prozessor zum Einsatz. Im Vergleich mit dem gleich schnellen Snapdragon-Prozessor, der beispielsweise im Nexus One zum Einsatz kommt, schneidet er in Benchmarktests ein Stück besser ab. Dazu kommen 16 GByte interner Flash-Speicher. Vermutlich ist dieser wie beim Galaxy S aufgeteilt in internen Speicher, der Apps und das Betriebssystem aufnimmt, und in eine sogenannte „interne SD-Karte“, die Fotos, Videos, Musik & Co. abspeichert. Leider spricht das offizielle Datenblatt nicht von einem zusätzlichen microSD-Speicherkartenslot, den es bei Nexus One und Galaxy S gibt.

Die Kamera auf der Rückseite nimmt wie beim Galaxy S Fotos mit 5 Megapixeln auf. Fans von Partyfotos dürften sich darüber freuen, dass es hier endlich ein LED-Fotolicht gibt, das zumindest für etwas Ausleuchtung sorgt. Auch wenn Fotos in dunklen Bars damit immer noch nicht perfekt werden dürften, kann man hier nun wenigstens den Barcode von der Wodka-Flasche abscannen, um Preise zu vergleichen. Neu ist eine Kamera auf der Vorderseite, die Bilder in VGA-Auflösung aufzeichnet. Ihr wird größere Bedeutung beigemessen – wie beim iPhone 4 soll es nun eine Video-Telefonie geben, die aber auch mit anderen Geräten und über das Handy-Netz funktionieren soll.

Der Akku hat eine Kapazität von 1500 mAh – ein Stück mehr als das Nexus One (1400 mAh), aber „nur“ gleich viel wie das Galaxy S. Wunder bei der Akkulaufzeit sind da nicht zu erwarten, und die von Google angegebenen Werte von bis zu 17,8 Tagen im Standby (bei UMTS, bei GSM sogar 29,7 Tage) wagen wir stark zu bezweifeln. Bei üblicher (intensiver) Smartphone-Nutzung dürfte dem Gerät täglich der Saft ausgehen.

Zu den weiteren Highlights gehört NFC. Die sogenannte Near Field Communication kommt hier erstmals bei einem Android-Smartphone zum Einsatz. Grundsätzlich ist die Technik mit RFID vergleichbar – jener kontaktlosen Übertragungstechnik, die beispielsweise bei Skipässen oder Zutrittskarten zu Parkhäusern oder Bürogebäuden Verwendung findet. Im Vergleich dazu spielt die Sicherheit bei NFC aber eine große Rolle, und so dürfte das Handy künftig die Kreditkarte oder das Zugticket ersetzen. An Berliner S-Bahnhöfen sind bereits jetzt entsprechende Schnittstellen, die sogenannten TouchPoints, installiert. Eine entsprechende Android-App gibt es zwar noch nicht, aber Reisende werden sich künftig vor dem Einsteigen in den Zug „anmelden“ können, indem sie das Handy an die markierte Stelle halten, und das beim Aussteigen am Ziel wiederholen. Abgerechnet wird dann über das Handy.

Das Gerät soll am 16. Dezember in den USA erhältlich sein – ohne Vertrag für 529 Dollar, mit T-Mobile-Vertrag werden 199 Dollar fällig. Vier Tage später soll das Smartphone in England zu haben sein. Preise stehen noch nicht fest. Noch weniger Information gibt es zur Deutschland-Markteinführung. Die offizielle Antwort der Google-Pressestelle lautet „steht noch nicht fest“ – und damit meint man sowohl „ob“ als auch „wann“ und „wieviel“. Die Gerüchteküche besagt, dass wir auch in Deutschland mit dem neuen Nexus S rechnen können, aber wohl nicht mehr in diesem Jahr.

Inzwischen haben wir einen ausführlichen Vorab-Testbericht zum Google Nexus S veröffentlicht.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Google Nexus S vorgestellt: Über-Android-Smartphone mit NFC und gebogenem Display

  • Am 7. Dezember 2010 um 12:03 von coke

    welchen ergonomischen Gewinn …
    … soll der gebogene Bildschirm eigentlich bringen? *ratlos*

    • Am 8. Dezember 2010 um 16:37 von Daniel Schraeder

      AW: welchen ergonomischen Gewinn …
      Siehe Testbericht – es fühlt sich beim Telefonieren nicht so an, als würde man seine Wange gegen die Innenseite einer Kühlschranktür drücken 😉 Außerdem sieht’s abgefahren aus – und fühlt sich beim Transport in der Hosentasche nicht so eckig an.

      Beste Grüße :-)
      Daniel Schraeder, CNET.de

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