Das ViewSonic-Tablet präsentiert sich als wahrer Alleskönner. Es kann telefonieren wie ein Smartphone, soll dank mitgelieferter Office-Software den Netbooks bei einfachen Textverarbeitungsaufgaben den Rang ablaufen, und das 7-Zoll-Display soll bei Surfsessions, Spielen oder Multimedia gute Dienste leisten. Und im Gegensatz zum iPad passt das ViewPad 7 auch in größere Jacken-Innentaschen.

Design

Das ViewSonic-Tablet ist ungefähr so groß wie ein Taschenbuch mit leicht abgerundeten Ecken. Seitlich zieht sich ein silberner Rahmen rund um das Gehäuse, der es auf den ersten Blick wie ein übergroßes iPhone 4 aussehen lässt. Mit 17,9 mal 11,0 mal 1,15 Zentimetern ist das ViewPad 7 einen Hauch schlanker als das Samsung Galaxy Tab und etwa halb so groß wie das iPad.

Die Anzeige löst 800 mal 480 Pixel auf und dürfte dank einer kratzfesten Glasscheibe auch nach längerer Benutzung noch hübsch anzusehen sein. Wie bei den meisten Android-Geräten befinden sich vier Tasten unterhalb des Displays. Die berührungsempfindlichen Buttons dienen für Home, Menü, Suchen und Zurück. Der Home-Button erinnert uns irgendwie eher an einen Atompilz als an ein Haus – aber das sollte eher uns als ViewSonic zu denken geben.

Rechts am Rand befinden sich die vier für Android-Geräte typischen Tasten für Home, Menü, Suchen und Zurück.
Rechts am Rand befinden sich die vier für Android-Geräte typischen Tasten für Home, Menü, Suchen und Zurück.

Hält man das ViewPad 7 im Querformat, quetscht sich links oben eine 0,3-Megapixel-Webcam neben das Display. Sie ermöglicht Videokonferenzen mit Apps wie Fring. Auf der Rückseite gibt es eine 3-Megapixel-Kamera. Im Gegensatz zum Galaxy Tab oder dem Dell Streak gibt es jedoch hier leider keine Foto-LED. Immerhin, zwei Kameras sind besser als gar keine – wie beim iPad etwa.

Auf der Unterseite finden sich Anschlüsse für Kopfhörer und USB. Im Lieferumfang befindet sich ein gutes Headset mit Mini-Fernbedienung und mehreren Gehörkanaladaptern. Das Mikrofon steht sowohl bei Telefonaten als auch beispielsweise bei der Sprachsuche zur Verfügung. Rechts und links gibt es zwei Lautsprecher, links bringt der Hersteller einen Ein/Aus-Schalter unter, der auch zum Aktivieren beziehungsweise Verlassen des Standby-Modus dient. Auf der Oberseite gibt es Tasten für die Lautstärkeregelung sowie Slots für microSD- und SIM-Karten.

Alles in allem überzeugt das ViewPad 7 in Sachen Design, aus der Masse der Android-Tablets sticht es jedoch nicht besonders heraus. Wenige Sekunden nach dem Einschalten lässt der Glanz ein wenig nach – der Hersteller scheint sich nicht besonders viel Mühe gegeben zu haben, um das Standard-Interface von Android 2.2 an das 7-Zoll-Display anzupassen. Im Dock findet sich beispielsweise eine Anrufen-Schaltfläche, die die meisten Nutzer nur selten oder nie brauchen dürften.

Die mangelnde Interface-Anpassung zeigt sich besonders stark beim virtuellen Keyboard. Es gibt folgende Layouts: QWERTZ, Zwölf-Tasten (mit jeweils drei Buchstaben pro Taste) und CooTek T+. Per Wischgeste nach rechts und links wechselt der Anwender zwischen den verschiedenen Tastenfeldern hin und her. Das QWERTZ-Keyboard ist leider auf kleine Smartphone-Displays ausgerichtet – so fehlen beispielsweise häufig benutzte Lettern wie das Ausrufezeichen – sie hätten auf dem Bildschirm mühelos Platz gefunden. Multitouch-Unterstützung gibt es ebenfalls nicht. Nachdem Tablets insbesondere E-Mail- und Messaging-Junkies ansprechen, ist das schwache Keyboard ein heftiger Minuspunkt. Immerhin, der Market hält Alternativen bereit.

Ausstattung

Das ViewPad 7 bietet sämtliche Vorzüge von Android 2.2 inklusive Market mit über 100.000 Apps, von denen ein großer Teil kostenlos ist. Wir haben zwar inzwischen etliche Android-Tablets mit 7-Zoll-Display gesehen, doch bislang gab es diesen vollen Funktionsumfang nur beim Samsung Galaxy Tab und beim ViewSonic-Boliden.

Allerdings gehen die 150 Euro, die das ViewPad 7 günstiger ist als das Samsung Galaxy Tab, auch mit Verzicht einher. So unterstützt das ViewSonic-Tablet derzeit beispielsweise kein Flash – ein Update wurde vom Hersteller jedoch angekündigt. Außerdem bietet das ViewPad nicht die aufs große Display angepassten Apps, wie der Samsung-Konkurrent – etwa Kalender, Notizen, Kontakte und E-Mail. Und im ViewSonic-Zubehör sucht man vergeblich nach einem Video-Out-Kabel. Foto-LED? Ebenfalls Fehlanzeige. Manche dieser Schwächen lassen sich per Software-Update nachbessern, manche nicht.

Wer sich das ViewPad 7 kauft, sollte außerdem gleich eine microSD-Karte in den Einkaufskorb packen. Die 512 MByte integrierter Speicher sind für das Betriebssystem sowie die Apps reserviert. Zwar kosten microSD-Karten heutzutage nicht mehr die Welt, etwas enttäuscht sind wir allerdings dennoch.

Auf der Oberseite des ViewPad 7 gibt es eine Abdeckung, hinter denen sich die Slots für microSD- und SIM-Karte verbergen.
Auf der Oberseite des ViewPad 7 gibt es eine Abdeckung, hinter denen sich die Slots für microSD- und SIM-Karte verbergen.

Das ViewPad 7 unterstützt Bluetooth 2.1 und unterstützt auch drahtlose Stereo-Headsets. Der integrierte GPS-Receiver funktioniert gut, gleiches gilt auch für die vorinstallierte Navigationslösung. Das WLAN-Modul funkt lediglich mit den Standards 802.11 b und g – damit hinkt das ViewSonic-Tablet hinter dem flotten n-Standard von iPad und Galaxy Tab hinterher.

Was die Apps angeht, haben wir die gleichen Punkte wie bei den Android-Tablets von Samsung, Dell und Archos zu bemängeln. Die meisten Third-Party-Apps für Android sind einfach (noch) nicht auf die großen Displaydiagonalen ausgelegt. Daher werden sie entweder seltsam in die Länge gezogen, und die Buttons und Schaltflächen hängen im weitgehen leeren Fenster herum, oder die ganze Anwendung erscheint unnatürlich vergrößert auf dem Bildschirm. Solange Google den Entwicklern keine Möglichkeit anbietet, für Tablets optimierte Apps gesondert im Market zu kennzeichnen, wird das bei den Nutzern immer wieder für Kopfschmerzen sorgen.

Wer mit dem ViewPad 7 ernsthaft arbeiten möchte, kann sich freuen: Die Kalender- und die E-Mail-App haben unsere Gmail- und Exchange-Accounts ohne zu murren angenommen. Die vorinstallierte ThinkFree-Office-Software ermöglicht außerdem das Betrachten und Bearbeiten von Microsoft-Office-Dokumenten. Wer allerdings regelmäßig lange Texte tippen möchte, sollte das Geld jedoch trotzdem besser in ein Netbook mit echter Tastatur investieren.

Leistung

Was die Multimediafähigkeiten angeht, enttäuscht das ViewPad 7. Wie gesagt, es gibt keinen integrierten Speicher. Außerdem sind die verbauten Lautsprecher frustrierend leise. Und das Display kann mit seinen niedrigen Blickwinkeln in der vertikalen auch nicht gerade begeistern. Zudem spielt das ViewSonic-Tablet kein hochauflösendes Videomaterial ab.

Auf der Rückseite befindet sich die Linse der 3-Megapixel-Kamera. Einen LED-Blitz gibt es leider nicht.
Auf der Rückseite befindet sich die Linse der 3-Megapixel-Kamera. Einen LED-Blitz gibt es leider nicht.

Beim Surfen im Internet schlägt sich das ViewPad 7 zwar nicht schlecht, doch mangels Flash-Unterstützung muss es sich auch hier hinter dem Galaxy Tab einreihen. Immerhin unterstützt der Browser Multitouch-Gesten wie den Zweifinger-Zoom. Doch aufgrund des kleinen Displays kommt beim Surfen eher Smartphone- denn Laptop-Feeling auf. Der Akku hält laut Hersteller bis zu zehn Stunden durch.

Fazit

Das 7-Zoll-Android-Tablet ViewPad 7 ist ViewSonics Antwort auf das Samsung Galaxy Tab. Die die vergleichsweise niedrigen Anschaffungskosten von 430 Euro bietet die ViewSonic-Flunder eine eindrucksvolle Hardwareausstattung, vollen Zugriff auf den Android Market und alle weiteren Vorzüge von Android 2.2. Ein absoluter iPad-Killer oder das Über-Android-Tablet ist das ViewPad 7 zwar nicht, doch nicht zuletzt aufgrund der integrierten Slots für SIM- und microSD-Karten gehört es zu den flexibelsten Androiden, die der Markt derzeit zu bieten hat.

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