Nahezu jeder neue HD-Fernseher ab dem mittleren Preissegment ist heute 3D-fähig, bei inzwischen gigantischen Bilddiagonalen und vertretbarem Kostenaufwand. Da geraten die Heimkinoprojektoren fast in Vergessenheit, obwohl sie noch viel größere Bilder an die Wand werfen – und ja eigentlich erst das „Heimkino“ ausmachen.

In der letzten Zeit sind ein paar kleine, günstigere Beamer mit 3D-Unterstützung auf den Markt gekommen. Gute Geräte sicherlich, aber Fans der Perfektion werden mit einem 500-Euro-HD-ready-Beamer einfach nicht glücklich. Genau diese Zielgruppe hat jetzt Sony mit seinem VPL-VW90ES im Visier, einem Full-HD-Beamer mit SRXD-Technik (LCoS) aus dem absoluten High-End-Segment. Wir haben bereits ein Testgerät zwischen den Fingern – und sind begeistert.

Leistung kostet allerdings auch. Die Perfektionisten müssen knapp 7000 Euro für ihre neue Heimkinoausstattung locker machen – oder Preise vergleichen und immerhin ein paar Hunderter sparen.

Neu, aber nicht revolutionär

Eigentlich wirkt der VPL-VW90ES nur wie ein Facelift des bewährten und schon etwas betagten VPL-VW85. Das Gehäuse wirkt sogar komplett identisch: groß, schwarz, spiegelnd und hochwertig gebaut. Kenner bemerken die Unterschiede nur an ein paar kleineren Details – etwa die optisch arbeitende Ansteuerung der LCD-Shutterbrillen für den vollen 3D-Effekt.

Der Sender für die 3D-Brillen ist direkt im Projektor integriert. Das Infrarot-Signal zum Synchronisieren zwischen Sehhilfe und Beamer wird zusammen mit dem eigentlichen Bild auf die Leinwand geworfen, von dort reflektiert und von den Brillen wieder eingefangen. Im Test hat das problemlos mit einer Hand voll Shutterbrillen gleichzeitig funktioniert, aber wenn der Beamer in einem richtig großen Raum aufgestellt wird, könnte es Probleme geben. Für den Fall gibt es einen zusätzlichen Anschluss für einen externen Sender. Wer ihn anschließen möchte, muss ein Netzwerkkabel durch den Raum legen und die Einheit möglichst in der Nähe der Leinwand in Richtung Publikum aufstellen. Sender und Brillen sind übrigens mit der 3D-Ausstattung der Sony-Fernseher kompatibel.

3D, wie es sein sollte

Im Vergleich zum räumlichen Effekt bei durchschnittlichen HD-Fernsehern klappt beim Blick auf die Projekton des Sony direkt der Mund auf: Wow. Kino-Feeling, wie wir es uns nicht erhofft haben. Allein die große Bildfläche macht schon viel aus – zum Test sehen wir uns mal eben Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen auf einer 100-Zoll-Leinwand an. Apropos, der Beamer kommt mit 3D-Blu-ray-Disks und Side-by-Side-Inhalten dar, wie sie etwa von der Xbox 360 ausgegeben werden.

Sony scheint übrigens die Kinderkrankheiten der SXRD-Projektionstechnik ausgemerzt zu haben. Frühere Modelle hatten vor allem mit der Helligkeit Probleme – das ist kritisch, denn schließlich schlucken die aktiven LCD-Shutterbrillen zusätzlich Licht. Beim VW90ES können wir in diesem Punkt keine Schwäche feststellen. Das Bild ist auch beim Blick durch die Brille noch hell und kontraststark.

Auch ansonsten überzeugt die Technologie. Sie stellt so gigantische Schwarzwerte wie DLP-Projektoren und so lebendige Farben wie LCD-Beamer dar – und die Bilder sind darüber hinaus noch gestochen scharf. Eine Blu-ray-Disc der Berliner Philharmonie überzeugt sogar Kollegen, die sonst eher auf etwas „heftigere“ Musik stehen. Das liegt sicherlich auch an den beeindruckenden Details, die man überall im Bild entdecken kann.

Ausstattung

Das Herz des Projektors ist die neueste Generation des SXRD-Panels. Es arbeitet mit flotten 240 Hz und reduziert die Bewegungsunschärfe auf ein Minimum. Geisterbilder durch doppelte Darstellung lassen sich durch Einstellungen wie 3D-Tiefe und Helligkeit quasi vollständig eliminieren. Unterm Strich bleibt einfach nur eine so beeindruckende Wiedergabe von Filmen, dass man sie kaum beschreiben kann – sondern eigentlich erleben muss. Ohnehin hinkt der Vergleich zu günstigeren 3D-Projektoren oder gar HD-TVs. Das hier ist Kino!

Wie die Bravia-Fernseher von Sony mit 3D-Funktion gibt es einen „Upscaler“, der jede 2D-Quelle wie Spiele, TV-Programm oder Filme in die dritte Dimension hochrechnet. Wir haben die Anfangssequenz von Iron Man 2 in Fake-3D betrachtet – na gut, das ist längst nicht so beeindruckend wie echtes 3D und funktioniert einfach auch nicht so problemlos. Aber wir könnten uns durchaus vorstellen, dass der eine oder andere Gamer Spaß daran hat, einen Konsolen-Klassiker mal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.

Bei den Anschlüssen sieht es übrigens gut aus. Gleich zwei HDMI-Ports, ein VGA-Anschluss sowie das übliche Konglomerat aus Component- und Composite-Buchsen sollte für die meisten Heimkinos ausreichen. Nur ein S-Video-Eingang fehlt. Dafür sind aber gleich zwei aktive Shutterbrillen im Lieferumfang enthalten.

Fazit

Bei einem Preis von rund 7000 Euro ist die potentielle Käuferschicht des Sony VPL-VW90ES sicherlich stark eingeschränkt – denn für das gleiche Geld bekommt man schon fast einen Kleinwagen. Unterm Strich empfinden wir das Preis-Leistungsverhältnis dieses Beamers trotzdem gut – denn das Bild, das dieser Projektor an die Leinwand wirft, muss man einfach gesehen haben.

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