Perfekte Partyfotos: So schießt man in Bars, Clubs und Discos tolle Bilder

Die verklebten Augen öffnen sich mühsam, eine Welle aus Erinnerungsfetzen spült durch das Bewusstsein: Erst bei Freunden, dann in die Bar ums Eck und anschließend noch bis zum Morgengrauen in den Lieblingsclub. Gut, dass es Kameras gibt. Die Knipsen haben auch nach durchfeierten Nächten keine Probleme mit Gedächtnislücken. Wenn die Fotos nicht nur als Erinnerungshilfe dienen, sondern auch noch nach etwas aussehen sollen, helfen unsere Partyfoto-Tipps.

Das größte Problem bei Aufnahmen in Clubs oder Bars ist das Licht. Beziehungsweise: das nicht vorhandene Licht. Ganz egal, ob die Fotoausrüstung 200 oder 5000 Euro kostet: Die Beleuchtung ist allen Lichtorgeln und Stroboskopen zum Trotz zu schwach, um herumspringende Partylöwen und -löwinnen scharf und ordentlich ausgeleuchtet zu fotografieren. Bleibt nur die Möglichkeit, das Licht selbst mitzubringen – Stichwort: Blitz.

Kamerablitze feuern einen extrem kurzen und sehr hellen Lichtimpuls ab, der dafür sorgt, dass die Kamera die Szenerie garantiert gestochen scharf einfriert. Bei einer Leuchtdauer zwischen 1/500 und 1/50.000 Sekunde werden auch wild herumspringende Menschenmassen scharf abgebildet.

Apropos herumspringen. Bei vielen interessanten Partybildern stehen die Feierwütigen oft nicht wie die Hühner auf der Stange in der Gegend herum, sondern tun das, wofür sie das Haus verlassen haben, nämlich ausgelassen feiern. Wer öfters mal ohne große Vorankündigung auf den Auslöser drückt, hat am nächsten Morgen zwar mehr misslungene Fotos mit lauter Hinterköpfen und dergleichen auf der Kamera, doch dafür ist die Chance auf geniale Schnappschüsse höher. Und wenn’s nicht klappt, dann dürfte der abgefeuerte Blitz ohnehin dafür sorgen, dass die meisten Personen beim nächsten Bild in Richtung Linse gucken.

Viele gute Bilder entstehen dann, wenn die Fotografierten nicht in die Kamera gucken.
Viele gute Bilder entstehen dann, wenn die Fotografierten nicht in die Kamera gucken.

Welche Ausstattung brauche ich jetzt für coole Partyfotos? Gegenfrage: Wie viel darf die Kamera kosten und wie viel Gepäck darf im Nachtleben überhaupt als Klotz am Tanzbein mit dabei sein? Jede noch so kompakte Digicam bringt einen Blitz mit und schießt damit Fotos, auf denen die abgelichteten Personen zumindest zu erkennen sind.

Partyfotos mit der Kompaktkamera

Kompakte Digitalkameras passen problemlos in die Hosentasche und halten sich in Sachen Anschaffungskosten in Grenzen. Sie sind auch ohne nervige Tasche immer mit dabei und stören nicht beim Feiern. Und sollte der Knipse im schlimmsten Fall etwas zustoßen, dann geht nicht gleich die Welt unter – war ja keine 2000-Euro-DSLR.

Bei günstigen Kompaktkameras gibt es nicht besonders viele Einstellungsmöglichkeiten. In der Regel beschränken sich die verfügbaren Parameter auf eine oder zwei Automatiken sowie eine Handvoll Szenenprogramme. Die besten Ergebnisse liefern in der Regel die Motivprogramme Nachtportrait mit Blitz, Party oder dergleichen. Die Benennung ist von Modell zu Modell unterschiedlich, in der Regel sind die gesetzten Aufnahmeprioritäten aber immer ähnlich: Die Digicam blitzt die Personen im Vordergrund an und bildet sie scharf auf dem Foto ab. Gleichzeitig belichtet die Kamera allerdings auch lange, um die Stimmung im Hintergrund einzufangen.

Die Mischung macht's: Die Personen im Vordergrund werden vom Blitz beleuchtet, um den Hintergrund kümmert sich die lange Belichtungszeit.
Die Mischung macht’s: Die Personen im Vordergrund werden vom Blitz beleuchtet, um den Hintergrund kümmert sich die lange Belichtungszeit.

Anspruchsvolle Kompaktkameras und DSLRs

Spiegelreflexkameras und Kompaktkameras für Fortgeschrittene bieten neben den erwähnten Motivprogrammen eine Reihe von manuellen Aufnahmeparametern. Sie gewähren dem Fotografen mehr Kontrolle über das Ergebnis. Dennoch: Auch hier gilt das gleiche Prinzip, wie bei den günstigen Digicams im Automatikmodus. Der Blitz dient dazu, die herumspringenden Partylöwen im Vordergrund scharf einzufrieren, die lange Verschlusszeit sorgt dafür, dass die Lichtstimmung im Hintergrund auf dem Foto landet.

Im manuellen Modus spielen drei Aufnahmeparameter eine wichtige Rolle: Blende, ISO-Empfindlichkeit und Belichtungszeit. Die Blende legt fest, wie viel Licht durch das Objektiv zum Bildsensor dringt. Wir öffnen sie so weit wie möglich. Der Wert ist bei Kameras mit einem F und einer ein- bis zweistelligen Zahl gekennzeichnet, also beispielsweise F3,5 oder F12. F3,5 ist lichtstärker als F12. Und F3,5 ist für unsere Zwecke besser.

Der ISO-Wert gibt an, mit welcher Empfindlichkeit der Sensor ausgelesen wird. Je höher, desto heller werden die Fotos. Allerdings verstärkt sich bei hohen ISO-Empfindlichkeiten auch das Bildrauschen und die Bildqualität nimmt ab. Kompaktkameras liefern – je nach Qualität – üblicherweise bis einschließlich ISO 400 oder 800 noch recht schöne Fotos. Spiegelreflexkameras bieten aufgrund der größeren Sensoren ein besseres Rauschverhalten. Hier liegt die kritische Schwelle meistens zwischen ISO 1600 und ISO 6400. Unsere Testberichte beinhalten immer mit unterschiedlichen ISO-Werten geschossene Vergleichsbilder, bei denen sich gut erkennen lässt, wo die Bildqualität einbricht.

Neueste Kommentare 

9 Kommentare zu Perfekte Partyfotos: So schießt man in Bars, Clubs und Discos tolle Bilder

  • Am 29. November 2011 um 17:06 von chertabl

    Diffusor
    welche art von diffusor wurde bei dem unterem bild verwendet?

    • Am 5. Dezember 2011 um 12:29 von Stefan Möllenhoff

      AW: Diffusor
      Hallo,

      beim unteren Bild auf der ersten Seite war auf dem Blitz eine kleine Softbox mit circa 30 Zentimetern Durchmesser aufgesteckt.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 14. Januar 2012 um 22:45 von Chris

    Zeiten etc.
    Welche zeiten verwendet man am besten bei mir ist der hintergrund immer sehr dunkel

    • Am 18. Januar 2012 um 18:31 von Stefan Möllenhoff

      AW: Zeiten etc.
      Hallo Chris,

      wenn der Hintergrund zu dunkel gerät, drehen Sie einfach die Belichtungszeit nach oben. Welche Zeit hier ideale Ergebnisse liefert, hängt von der Beleuchtung ab und lässt sich nicht pauschalisieren.

      Das zweite Foto auf der ersten Seite wurde beispielsweise mit einer Canon EOS 450D mit 1/6 Sekunde, ISO 1600 und F3,5 aufgenommen. Wir haben aber auch schon mit 1/2 Sekunde und länger fotografiert.

      Solch lange Belichtungszeiten sorgen dann zwar häufig für einen unscharfen beziehungsweise verwackelten Hintergrund. Doch dieser spielt ja sowieso eine untergeordnete Rolle, und die Personen im Vordergrund werden ja durch den Blitz ohnehin scharf belichtet.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

      • Am 29. Januar 2012 um 18:11 von Chriss

        Folie
        Hallo,

        vielen Dank für den interessanten Beitrag!
        Mich würde interessieren welche Farbfolie von bsp. Rosco die optimale Färbung bringt um möglichst natürlich aber trotzdem sommerlich zu erscheinen.

        Vielen Dank
        Chriss

      • Am 9. Januar 2013 um 12:23 von Anne-B.

        Klasse Beitrag. LG Anne.

  • Am 19. März 2012 um 15:55 von Kyrijn

    Eventfotografie
    Eins meiner großen Hobbies ist die Eventfotografie, in meiner Heimatstadt gibt es ein großes Portal mit knapp hundert Fotografen, die am Wochenende Abend für Abend um die Häuser ziehen und den Abend der Gäste festhalten. Tatsache dabei ist, dass eine haushaltsübliche Digi-Knipse hier total versagt, ob Blitz oder nicht. Diese kleinen Kompaktkameras produzieren erfahrungsgemäß extrem überbelichtete Bilder bzw. alles andere als scharfe Portraits. Ich persönlich habe eine Canon 550D mit Kitobjektiv und dem EX 430 II und bin hiermit fast am untersten Limit an Ausrüstung angekommen, damit einigermaßen bunte, helle, scharfe Bilder entstehen, die den Club zudem in positiven Licht dastehen lassen.

    Ich habe über den Beitrag herzlich gelacht, danke hierfür. Mir ist übrigens auch bewusst, dass dieser Beitrag hier nicht lange bzw. gar nicht zu sehen sein wird. 😉

    PS: Das hier abgebildete Bild der Gruppe ist mehr als unrealistisch ohne eine DSLR zu erreichen…

    • Am 20. März 2012 um 11:22 von Stefan Möllenhoff

      AW: Eventfotografie
      Hallo Kyrijn,

      völlig korrekt, das untere Foto auf der ersten Seite wurde mit einer EOS 450D und einem 550EX samt aufgesteckter Softbox geschossen, der mit einem TTL-Kabel seitlich über der Kamera gehalten wurde.

      Das Prinzip von Partyfotos, also den Hintergrund länger zu belichten und so die Stimmung einzufangen sowie die Personen im Vordergrund mit dem Blitz einzufrieren, gilt aber für alle Arten von Kameras. Dass eine Spiegelreflex beziehungsweise spiegellose Systemkamera deutlich bessere Ergebnisse liefert und für anspruchsvolle Eventfotografie unumgänglich ist, steht selbstverständlich außer Frage.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

      • Am 11. Mai 2012 um 12:55 von Andrej

        Clubfotografie
        Danke für den Super Artikel! Ich habe Fotos gesehen die mit tollen Bunten Lichteffekten versehen sind. Ich weiss das dies durch lange verschlusszeiten entsteht aber ich habe auch gehört das man diesen Effekt erzielt, indem man während der Belichtung hin und zurück zommen muss. Könnt ihr das Bestätigen?

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