Samsung bringt neue NX-Objektive: Makro, Portrait, Superzoom, Weitwinkel und Kit

Was für die DSLRs gilt, ist leider auch bei den (allermeisten) kompakten Systemkameras der Fall: Die Objektive der einzelnen Hersteller sind untereinander nicht austauschbar. Einzige Ausnahme sind Olympus und Panasonic, die gemeinsam auf den Micro-Four-Thirds-Standard setzen. Sonys E-Mount der NEX-Kameras ist – jedenfalls ohne zusätzlichem Adapter – nicht zu den Optiken der Alpha-Spiegelreflexkameras kompatibel, und Samsung verwendet mit dem NX-Bajonett ebenfalls ein eigenes System.

Ergänzung: Mit einem Adapter lassen sich selbstverständlich auch Objektive von Fremdherstellern auf den Systemkameras einsetzen – oder beispielsweise auch die A-Mount-Linsen von Sony-DSLRs auf den NEX-Kameras mit E-Mount. Bei den A-Mount-Objektiven funktioniert auf den NEX-Kameras teilweise sogar der Autofokus – herstellerübergreifend ist das allerdings eher die Ausnahme als die Regel.

Die verfügbaren Objektive sind ein wichtiger Punkt, um Käufer für das eigene System zu gewinnen. Schließlich werden nur wenige anspruchsvolle Fotografen in eine Kamera investieren, für die das gewünschte Zubehör nicht verfügbar oder noch nicht einmal angekündigt ist. Führend ist hier derzeit das Micro-Four-Thirds-Format, für das alleine von Olympus und Panasonic zusammen 16 Objektive zur Verfügung stehen. Samsung und Sony hinken da mit fünf beziehungsweise drei Linsen ganz schön hinterher. Sony hat vor kurzem auf der Kameramesse CP+ einen Einblick in sein zukünftiges Objektiv-Lineup gezeigt, jetzt ist Samsung an der Reihe.

Zu den beiden Festbrennweiten mit 20 und 30 Millimetern mit F2,8 respektive F2,0 und den drei Zoomlinsen mit 20 bis 50, 18 bis 55 und 50 bis 200 Millimetern sollen sich im Jahr 2011 fünf weitere Objektive gesellen. Mit dabei sind hier auch Objektive, die auf anspruchsvollere Fotografen zielen. Leider gibt es von Samsung bislang noch nicht besonders viele technische Details. Preis und Erscheinungstermine für Deutschland sind ebenfalls noch nicht verfügbar. Immerhin: Für die USA stehen bereits Daten für den Marktstart zur Verfügung.

Den Anfang macht dort im Mai ein Superzoom-Objektiv mit 10,7-fachem optischen Zoom. Der Brennweitenbereich beginnt bei 18 und endet bei 200 Millimetern. Die größte Blendenöffnung im Weitwinkel beträgt F3,5, im Telebereich sinkt die Lichtstärke auf F6,3. Ein Schwingspulenmotor soll für einen leisen Autofokus sorgen. Plant hier etwa jemand einen Camcorder mit Wechselobjektiven? Interessanterweise ist das 18-bis-200-Millimeter-Objektiv – jedenfalls, was die bisher verfügbaren Daten angeht – mit der Kitobjektiv von Sonys NEX-Videokamera VG10 identisch. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Samsung-Linse beim Preis nicht in ähnlich astronomischen Dimensionen bewegt. Das Sony-Objektiv kostet über 700 Euro.

Im Juli 2011 folgt in Übersee ein Weitwinkelobjektiv mit einer Festbrennweite von 16 Millimetern und einer größten Blende von F2,4. Mit der Lichtstärke und der kleinen Brennweite dürfte sich das Objektiv für Innenaufnahmen und Landschaftsbilder gut eignen – insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen. Netterweise hat Sony auf der CP+ ebenfalls eine 16-Millimeter-Festbrennweite für das NEX-System vorgestellt, allerdings mit F2,8.

Erfreulicherweise bringt das 60-Millimeter-Makroobjektiv einen optischen Bildstabilisator mit.
Erfreulicherweise bringt das 60-Millimeter-Makroobjektiv einen optischen Bildstabilisator mit.

Einen Monat später soll eine weitere Festbrennweite folgen: das 60-Millimeter-F2,8-Makroobjektiv. Ein Ultraschallmotor soll für besonders schnelle Fokussierung sorgen. Außerdem ist ein Bildstabilisator an Bord, was bei lichtstarken Festbrennweiten alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.

Der Oktober dürfte die Portraitfotografen unter den NX-Besitzern glücklich machen. Und vermutlich auch arm. Denn hier kommt eine 85-Millimeter-Festbrennweite mit einer größten Blendenöffnung von F1,4. Von Nikon kostet ein derartiges Objektiv mindestens 1000 Euro, hoffentlich wirds bei Samsung etwas günstiger. Die hohe Lichtstärke sorgt in Zusammenhang mit der hohen Brennweite für eine sehr geringe Tiefenschärfe. Und damit lassen sich Personen sehr gut vom Hintergrund freistellen.

Auf diesem Bild ist Samsungs neues 85-Millimeter-Portraitobjektiv zu sehen.
Auf diesem Bild ist Samsungs neues 85-Millimeter-Portraitobjektiv zu sehen.

Im Dezember will Samsung ein Standardzoom mit einem Brennweitenbereich von 16 bis 80 Millimetern in den Handel bringen, das gegenüber den aktuellen Kitobjektiven insbesondere in Sachen Lichtstärke punktet. Im Weitwinkel beträgt die größte Blendenöffnung zwar „nur“ F3,5, dafür sinkt die Lichtstärke im Telebereich nur auf F4,5. Außerdem gibt es einen optischen Bildstabilisator und ebenfalls einen Schwingspulenmotor für leisen Betrieb.

In den Tiefen des Internets ist bereits am Freitag ein Blogpost aufgetaucht, in dem jemand Fotos von einer Powerpoint-Präsentation hinsichtlich Samsungs NX-Zukunft zeigt. Neben einem Expert-Premier-Modell (NX5, NX10 und NX11 fallen unter Novice Expert und NX100 unter Cool Techie) ist dort auch die Rede von einem 700-Millimeter-Objektiv. Diese relativ spezielle Linse dürfte allerdings eher in die Proof-of-Concept-Schublade als ins Line-Up der nächsten ein bis zwei Jahre passen.

Apropos Line-up der nächsten Jahre. Der Blog X-Rumors hat bereits im vergangenen November eine Grafik mit angeblich für die nächsten Jahre geplanten NX-Objektiven veröffentlicht. Wie sich heute herausstellt, sind zumindest die heute von Samsung offiziell angekündigten Optiken (fast) allesamt Volltreffer – einzige Ausnahme ist die größte Blendenöffnung der 18-bis-200-Millimeter-Linse im Telebereich.

Die folgende Tabelle zeigt die bislang erschienenen sowie zukünftige Linsen von der Grafik auf einen Blick. Wenn X-Rumors auch hier recht behält, dürfte Samsung den Markt der EVIL-Kameras durchaus mit dem einen oder anderen Schmankerl durcheinanderwirbeln. Vorausgesetzt, Qualitäten und Preise der Objektive stimmen. Eine interessante Rolle dürfte hier auch die anspruchsvollere Expert-Premier-Kamera spielen – insbesondere, nachdem möglicherweise sowohl Olympus und Panasonic als auch Canon und Nikon „Profi-Systemkameras“ herausbringen werden. Und nicht zuletzt gibt es auch noch Sony. Der japanische Hersteller wird angeblich dieses Jahr noch eine anspruchsvollere NEX-Kamera herausbringen, und auf der Photokina im Oktober und der CP+ im Februar war ein Prototyp einer neuen SLT-Kamera zu sehen. 2011 wird spannend. (Bilder: CBS Interactive, Samsung)

  Festbrennweiten     Zoom-Objektive    
2010 20mm
F2,8
30mm
F2,0
  18-55mm
F3,5-5,6
20-50mm
F3,5-5,6
50-200mm
F4,0-5,6
2011 16mm
F2,8
60mm
F2,8 (Macro)
85mm
F1,4
16-80mm
F3,5-4,5
18-200mm
F3,5-6,5
 
2012 35mm
F1,4
50mm
F1,4
135mm
F2,0
12-24mm
F4,0
75-300mm
F4,0-5,6
 
2013 24mm
F2,0
200mm
F2,8
300mm
F4,0
16-50mm
F2,8
50-135mm
F2,8
 

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Samsung bringt neue NX-Objektive: Makro, Portrait, Superzoom, Weitwinkel und Kit

  • Am 28. Februar 2011 um 17:11 von Lars

    Samsung und die Dritthersteller
    Ich bin nach der Ankündigung weiterer NX-Modelle, ob Hersteller wie Sigma dann wieder mehr Objektive für 4/3’s oder micro 4/3’s produzieren wird.
    die Nachfrage scheint ja da zu sein.

    • Am 14. März 2011 um 17:31 von Stefan Möllenhoff

      AW: Samsung und die Dritthersteller
      Hallo Lars,

      spannend wird’s auf jeden Fall. Zumal ja auch gemunkelt wird, dass Samsung demnächst NX-Kameras – möglicherweise NX20 und NX200 – mit einem neuen Bildsensor auf den Markt bringt. In den bisher erschienenen Modellen steckt der lichtempfindliche Chip aus der mittlerweile schon rund 3 Jahre alten Spiegelreflexkamera Samsung GX20.

      Wir warten gespannt :-)

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

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