Fotos mit Orientierungssinn: GPS-Kameras und Geotagging-Möglichkeiten im Überblick

Digitale Fotos kosten nichts. Man kann also einfach ohne schlechtes Gewissen und ohne die analoge Filmrolle im Hinterkopf zu behalten fröhlich drauflos knipsen. Doch auch nach der Rückkehr aus nur einem einwöchigen Urlaub wissen viele Touristen nicht mehr, wo sie welches Foto aufgenommen haben. Dabei lassen sich die Bilder mit der richtigen Kamera einfach mit Positionsdaten versehen – mit vielen neuen Möglichkeiten am Computer.

Alle auch nur etwas höherwertigen Handys haben mittlerweile einen GPS-Chip integriert, Smartphones über 150 Euro ohne dieses Modul gibt es praktisch nicht mehr. Etwas anders sieht es bei Digitalkameras aus. Zwar hat sich die Zahl der Fotoapparate mit Orientierungssinn Anfang des Jahres von fünf auf sechzehn Modelle gesteigert, doch trotzdem ist das Feature eher noch die Ausnahme als die Regel. Einige ältere Modelle sind zwar bereits für um die 200 Euro zu haben, doch das Gros der GPS-Kameras bewegt sich preislich immer noch jenseits der 250-Euro-Marke.

Bei den DSLRs sieht es mit GPS noch zappenduster aus. Lediglich Sonys SLT-Kamera Alpha A55V verfügt hier über ein integriertes Positionsbestimmungssystem. Immerhin gibt es für etliche Spiegelreflex- und Systemkameras GPS-Receiver zum Aufstecken, die die geschossenen Fotos dann mit Ortsdaten versorgen.

Dabei ist der Gedanke, sich nicht mehr Ort und Stelle jedes Fotos merken zu müssen, doch geradezu bestechend! Nicht mehr die Bilder mit Schlagworten versehen zu müssen, wenn man sie nicht ohnehin nur in einem Verzeichnis wie „Sommerurlaub Italien 2010“ ablegt. Wieso bringt also nicht jede Kamera einen GPS-Chip mit?

Die wasserdichte und stoßfeste Outdoor-Kamera Pentax Optio WG-1 GPS verfügt über einen integrierten Orientierungssinn.
Die wasserdichte und stoßfeste Outdoor-Kamera Pentax Optio WG-1 GPS verfügt über einen integrierten Orientierungssinn.

Tricks für besseren GPS-Empfang

Einer der Gründe, wieso sich die GPS-Integration beim Fotografieren nicht endgültig durchgesetzt hat, ist die Trägheit des Systems. Häufig dauert es rund eine Minute, bis der Chip die Satellitensignale empfangen und die Position fixiert hat. Was im Auto-Navi nicht weiter stört, ist für einen Schnappschuss mit der Kamera einfach nur unbrauchbar.

Eine Lösung für dieses Problem bieten leider erst zwei Hersteller an: Die Sony-Kameras verfügen über sogenanntes assisted GPS (aGPS). Hier lassen sich die Satellitenbahnen über den Computer jeweils für einen Monat im Voraus auf die Kamera laden. Das GPS-Fixing vor Ort ist dadurch deutlich beschleunigt und binnen weniger Sekunden abgeschlossen. In der Praxis funktioniert dieses System sehr gut.

Einen völlig anderen Weg geht beispielsweise Casio mit seinem auf der Photokina im Herbst vorgestellten Kompaktmodell Exilim EX-H20G. Bewegungs- und Beschleunigungssensoren sollen sogar in Innenräumen die Bewegung seit dem letzten GPS-Empfang verfolgen und somit den jeweils aktuellen Innenstandort bestimmen – so lange, bis das Satellitensignal erneut empfangen wird. Wir werden demnächst einen Testbericht von der Kamera veröffentlichen, in dem wir auch die Präzision des sognannten Hybrid-GPS-Systems beleuchten.

Fotos mit Geokoordinaten – was nun?

Was aber lässt sich nun mit den georeferenzierten Bildern anfangen? Die Koordinaten stecken bei den Fotos im üblichen JPEG-Format in den Exif-Daten. Also dort, wo auch Blende, Belichtungszeit, Brennweite und weitere Informationen zur Aufnahme gespeichert sind. Die Exif-Daten lassen sich am Windows-PC über die Details in den Dateieigenschaften aufrufen. An dieser Stelle stehen die Positionskoordinaten in einem Rohformat, das man erst quasi übersetzen muss.

Die Geokoordinaten einer Aufnahme sind in den Exif-Daten der Datei gespeichert.
Die Geokoordinaten einer Aufnahme sind in den Exif-Daten der Datei gespeichert.

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3 Kommentare zu Fotos mit Orientierungssinn: GPS-Kameras und Geotagging-Möglichkeiten im Überblick

  • Am 23. Februar 2011 um 11:33 von Abi

    Direktes Geotagging bei DSLR Kameras ab dem ersten Schnappschuss
    Das Problem, das sich der GPS Empfänger erst einmal verbinden muss und man somit nicht gleich losschießen kann, erübrigt sich bei Systemen, die mit einem unabhängigen GPS Empfänger arbeiten, der sich per Bluetooth mit der Kamera verbindet. Dadurch, dass der GPS Empfänger seine eigene Batterie hat, ist er immer auf Empfang. Gute Bluetooth-Module an der Kamera verbinden sich binnen einer Sekunde, wenn man die Kamera anschaltet, so dass man ab dem ersten Auslösen die richtigen GPS Koordinaten speichert.

  • Am 12. Mai 2011 um 21:32 von P.a.c.o.

    Karte zu Fotos mit GPS im Browser
    Wer einfach nur schnell im Browser die Aufnahmeposition des Fotos auf einer google maps Karte sehen will:

    http://whereis.silverpeaks.de

  • Am 30. Januar 2012 um 06:53 von Nils Lahrmann

    Schreibe
    Ja, es gibt andere Lösungen, aber ich finde trotzdem, das der Artikel zu Recht das Manko des integrierten GPS gerade bei Spiegelreflexkameras (Februar 2012) auf den Punkt bringt und zudem gut geschrieben ist.

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