Gamepad fürs Gehirn: Was der Gedanken-Controller von Neurosky kann

So weit ist noch nicht einmal die Besatzung der Enterprise: Wenn Captain Picard Steak haben möchte, muss er den Computer immer noch per Stimme beauftragen, Fleisch zu replizieren. Die amerikanische Firma Neurosky ermöglicht die Steuerung von Computern per Gedankenkraft. Neurosky-CEO Stanley Yang hat uns in der Redaktion besucht und zusammen mit uns einen Blick in die Zukunft geworfen.

Erst Tastatursteuerung, dann Mausklicks. Anschließend kamen der Touchscreen, Nintendos Fuchtelsteuerung Wii und – erst bei Apple, dann beim Rest der Welt – die coolen Touchgesten. Ende letzten Jahres hat Microsofts Kinect schließlich den Controller ganz abgeschafft – der Spieler zappelt einfach vor dem Fernseher herum, und die Xbox beziehungsweise die Kinect-Kamera setzt die Bewegungen ins Spiel um. Neurosky geht den nächsten Schritt, und erlaubt es dem Spieler, das Geschehen auf dem Bildschirm Kraft seiner Gedanken zu beeinflussen.

Neurosky Mindwave: 99-Euro-Headset für Gedankenspiele

Zur CeBIT bringt Neurosky sein neuestes Produkt auf den Markt: das Mindwave. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um ein Headset – nur, dass an dem kleinen Arm anstelle des Mikrofons ein Gehirnwellensensor verbaut ist. Und der Sensor schwebt nicht wenige Zentimeter vom Mundwinkel entfernt, sondern sitzt auf der Stirn des Spielers auf. Ein weiterer Kontakt wird am linken Ohrläppchen angeklemmt.

Der obere Sensor des Mindflex sitzt auf der Stirn, der untere am Ohrläppchen.
Der obere Sensor des Mindflex sitzt auf der Stirn, der untere am Ohrläppchen.

Wir setzen das Mindwave auf und harren gespannt der Dinge, die da kommen. Lassen sich unsere Gedanken lesen wie ein offenes Buch? Können wir allein per Willenskraft durch Labyrinthe rennen und Feuerbälle auf Zombies werfen? Der erste Kontakt zwischen dem PC und unserem Bewusstsein sieht anders aus. Auf dem Bildschirm morpht ein sich grün, rot, violett, blau und gelb verfärbender Kreis durch die Gegend und zeigt an, ob wir gerade konzentriert, gestresst oder entspannt sind. Zurücklehnen, tief durchatmen, und unser wabernder Alter Ego färbt sich grün. Ein paar Matheaufgaben ändern das schnell wieder. Soweit so gut. Her mit den Zombies.

Und die gibt es tatsächlich, beispielsweise in dem Spiel Zombie Pop! – eines von zwölf Minigames, die im Lieferumfang mit dem Mindwave-Headset enthalten sind. Wer sich genug konzentriert, lässt die Köpfe der Untoten platzen und räumt in der von ihnen befallenen Fabrik auf. Bei anderen Spielen geht es beispielsweise darum, auf die Jagd zu gehen und das Fadenkreuz durch Entspannung ruhig zu halten oder als Ameise das Abendessen per Gedankenkraft zurück zum Nest zu rollen. Ein weiteres Minigame korreliert bei diversen Kopfrechenaufgaben unter Zeitdruck Stress und richtig eingetippte Ergebnisse miteinander. Wir hoffen, dass wir demnächst ein Mindwave mit den Minispielen zum Testen erhalten. Im Application Store auf der Webseite von Neurosky gibt es bereits über 30 Spiele und Anwendungen.

Die Technologie zum Messen der Gehirnwellen ist übrigens nichts Neues. Sie findet in der Medizin als Elektroenzephalografie bereits seit Jahrzehnten Verwendung. Neuroskys Leistung besteht darin, Algorithmen zu entwickeln, die den Sensor tragbar machen, sprich, die gesamten Störungen herausfiltern, die außerhalb eines medizinischen Labors auftreten: 50-Hertz-Stromnetzfrequenz, Handystrahlung und so weiter.

Mindwave ist übrigens nicht das erste Consumer-Produkt, bei dem Neurosky seine Finger im Spiel hat. Mattels Mindflex beispielsweise setzt ebenso auf die Sensoren des kalifornischen Unternehmens wie der Star Wars Force Trainer von Uncle Milton. Das Mindwave-Headset ist ab März für 99 Euro auf www.NeuroSky.com erhältlich.

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