Fujifilm FinePix X100 im Test: Bildqualität top, Bedienung und Geschwindigkeit flop

Von vorne sieht die Fujifilm FinePix X100 wie eine Kamera aus dem letzten Jahrtausend aus. Die Rückseite stellt jedoch klar: Hier steckt moderne Technik drin. Genaugenommen ein APS-C-Sensor mit 12 Megapixeln, eine 35-Millimeter-Festbrennweite mit größter Blendenoffnung von F2,0 sowie ein innovativer Hybridsucher. Wie sich diese erfrischend andere, leider 1000 Euro teure Kamera in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.

Es ist nicht ganz leicht, die Fujifilm FinePix X100 in irgendeine Kameraklasse einzuordnen. „Großsensorige Kompaktkameras“, wie wir Modelle wie die Canon PowerShot G11 mit 1/1,7-Zoll-Sensor gerne nennen, sind gegen die X100 auf einmal ganz schön „kleinsensorig“. Der APS-C-Chip der Fujifilm-Digicam ist knapp achtmal größer.

Auf der anderen Seite stehen EVIL-Kameras wie die Sony NEX-5 oder die Samsung NX11, die ebenfalls APS-C-Sensoren mitbringen. Allerdings gibt es hier die Möglichkeit, das Objektiv zu wechseln – und beispielsweise ebenfalls mit einer hochwertigen Festbrennweite zu fotografieren. Geht Fujifilms Rezept trotzdem auf?

Design

Die FinePix X100 hinterlässt bei uns in Sachen Design etwas gemischte Gefühle. Die Kamera hervorragend verarbeitet und sprüht geradezu vor Retro-Charme. Außerdem liegt sie gut in der Hand und überzeugt beim Knipsen mit ihrer Haptik. Anfangs waren wir angesichts des Hybrid-Suchers etwas skeptisch: Man blickt durch ein Guckloch links oben auf der Rückseite direkt auf das Motiv. Auf Wunsch schaltet sich ein Display hinzu – es wird über ein im Sucher angebrachtes Prisma sichtbar und legt sich quasi wie ein Head-Up-Display über das Live-Bild. Auf Wunsch ist es auch möglich, das Guckloch mit einem Mini-Rolladen zu verschließen und ausschließlich das elektronische Vorschaubild zu nutzen.

Insbesondere mit der Größe und der sehr klaren, hellen Darstellung konnte uns der optisch-elektronische Sucher überzeugen. Einziger Kritikpunkt wären die etwas langsamen Reaktionen, die sich insbesondere bei Kameraschwenks bemerkbar machen. Die Qualität des Hybrid-Suchers ist doppelt wichtig. Denn das rückseitige 2,8-Zoll-Display enttäuscht mit für diese Preisklasse niedriger Auflösung und schlechter Ablesbarkeit im Sonnenlicht.

Neben dem großartigen Blendenring an der Linse erfreut uns die X100 auch mit zwei soliden Einstellrädchen für Verschlusszeit und Belichtungskorrektur auf der Oberseite. Vorne rechts befinden sich hier außerdem noch der Auslöser mitsamt Ein/Aus-Schalter und eine mit Fn gekennzeichnete Funktionstaste, die standardmäßig das ISO-Empfindlichkeits-Menü aufs Display holt.

Dem Retro-Look auf der Vorder- und Oberseite entgegen sieht die X100 auf der Rückseite wie eine typische Digitalkamera aus. Links neben dem Display befinden sich Tasten zum Wechseln in den Wiedergabemodus, zum Einstellungen von Autofokusfeld und Belichtungsmessung sowie zum Anpassen der auf dem Display dargestellten Informationen. Rechts oben befindet sich ein Rändelrädchen, das beispielsweise beim manuellen Fokussieren eine Lupe aktiviert. Außerdem sehr praktisch: Rechts unten gibt es eine Taste zum Aktivieren des RAW-Modus.

Aber.

Das Vier-Wege-Pad macht uns wahnsinnig. Es ist fast unmöglich, den Menu-Button zu drücken, ohne eine der anderen Tasten zu erwischen – und vice versa. Wir haben beispielsweise eine Aufnahme verpasst, weil wir mal „eben kurz“ den Neutraldichte-Filter aktivieren wollten. Ständig aktivieren wir versehentlich beispielsweise den Makromodus. Bis wir schreien. Und langsam und konzentriert auf den Tasten herumdrücken, mit Vorsicht und mit dem Fingernagel. Eigentlich sollten die Bedienelemente so ausgelegt sein, dass der Fotograf beim Knipsen überhaupt nicht mehr über sie nachdenken muss und mit den Fingern nur so über sie hinwegflitzt. Das Vier-Wege-Pad der X100 kommt eher einer Bremsschwelle denn einer Autobahn gleich.

Das Vier-Wege-Pad auf der Rückseite der Fujifilm FinePix X100 fällt leider sehr fummelig aus.
Das Vier-Wege-Pad auf der Rückseite der Fujifilm FinePix X100 fällt leider sehr fummelig aus.

Und leider gibt es recht viele Gelegenheiten, bei denen man sich mit dem Menüsystem herumschlagen muss. Die Kamera bietet viele praktische Features – etwa den integrierten ND-Filter, diverse Dynamikbereich- und Filmsimulation-Presets sowie die Möglichkeit, drei verschiedene Sets an Einstellungen abzuspeichern. Leider gibt es aber nur eine Funktionstaste. Und hier liegt die wichtige ISO-Empfindlichkeit.

Auch ansonsten leistet sich Fujifilm hier und dort lästige Eigenheiten. Warum beispielsweise ist der Selbstauslöser irgendwo in den Menüs vergraben, statt sich wie bei jedem anderen Hersteller auch bei den Serienbildmodi zu tummeln. Und was hat der Videomodus stattdessen bei den Serienbildmodi verloren? Es fühlt sich fast so an, als müsste das Interface deutlich digitaler sein, mit einem ausgefuchsteren Menü und einem interaktiven Bedienpanel. Oder deutlich analoger, mit mehr Tasten und Rädchen.

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Fujifilm FinePix X100 im Test: Bildqualität top, Bedienung und Geschwindigkeit flop

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *