HP hätte den leichten Weg gehen können. Und sich, wie die meisten PC-Hersteller, die sich derzeit in den Tablet-Markt wagen, einfach bei Googles Android-Betriebssystem bedienen können. Zack, etwas Design, ein
bisschen Hardware-Entwicklung, und fertig ist das Honeycomb-Tablet mit HP-Logo auf der Vorder- oder Rückseite. Aber stattdessen wagt sich das Unternehmen auf den viel längeren, steinigen Weg. Man hat andere Firmen – allen voran Palm – aufgekauft, um ein eigenes Ökosystem zu schaffen, mit eigener Hard- und Software. Und mit der Chance, gegen Apple anstinken zu können.

Aus den ganzen Anstrengungen ist nun mit dem HP TouchPad die erste Frucht hervorgegangen. In einem Tablet-Markt, der sich zum allergrößten Teil zwischen Apple und Google aufteilt, ist das TouchPad eine erfrischende Alternative mit einem anderne Konzept, wie diese Art von Geräten funktionieren soll – und wie Anwender mit ihnen umgehen.

Das TouchPad kommt vorerst in zwei Ausführungen mit 16 oder 32 GByte Speicher in den USA auf den Markt und kostet dort 499 respektive 599 Dollar. Für Deutschland hat HP noch keine Preise genannt, die Geräte werden jedoch in zwei Wochen in München der Presse vorgestellt. Mit diesem Preispunkt geht HP konkurrenzfähig, aber nicht billig in den Markt.

In Anbetracht der im Vergleich zum iPad geringen App-Anzahl von insgesamt etwa 8000 Anwendungen und reinen Tablet-Apps im dreistelligen Bereich wirkt der Preis zwar dennoch etwas hoch – aber immer der Reihe nach.

Design

Das WebOS-Betriebssystem auf dem TouchPad wirkt durchdacht und einzigartig, aber die Optik des Tablets geht eher in die gegenteilige Richtung. Es ist einen guten Zentimeter dick und eingepackt in glänzendes Plastik – damit erinnert uns das TouchPad eher an ein Scheidbrett für die Küche als an die kühlen Alu-Designs von iPad, Xoom & Co.

Aber wir bleiben ja fair und ergänzen diese Aussage um einen entscheidenden Punkt: Das Gerät fühlt sich grundsolide an. Wir stören uns eher an der unzeitgemäßen Bauhöhe – okay, das Xoom ist in diesem Punkt auch nicht soooo viel besser – und an der billigen Materialauswahl.

Immerhin gibt es ja einen guten Grund für den großzügigen Einsatz von Kunststoff. Denn den vom Palm Pre bekannten TouchStone gibt es auch für das Tablet – und damit die induktiv arbeitende Ladeschale, die den Stromspeicher wieder aufpumpt, indem man das Gerät einfach nur darauf ablegt. Dennoch hätte es die elektromagnetischen Wellen sicherlich nicht abgehalten, wenn die HP-Designer ihrem jüngsten Spross ein paar Texturen ins Plastik geschnitten hätten – so, wie es Asus beispielsweise beim Eee Pad Transformer macht. Sorry, dass wir so lang auf diesem Thema herumreiten, aber Tablets hält man nun einmal regelmäßig und für eine lange Zeit in den Händen. Und dann sollten sie sich gut anfühlen.

HP packt die üblichen Elemente in seinen iPad-Konkurrenten, darunter dedizierte Tasten für die Lautstärkeregelung und die Bildschirmsperre sowie einen großzügig bemessenen Home-Button. Zwei schmale Lautsprechergitter haben ihren Platz auf der linken Seite gefunden. Der Platz ist nicht ganz geschickt gewählt, denn man deckt sie schnell ab, wenn man das Gerät im Querformat hält. Auf der Oberseite hat HP die Klinkenbuchse zum Anschluss von Standard-Kopfhörern untergebracht, und unten befindet sich der Micro-USB-Port zum Aufladen des Akkus sowie zum Übertragen von Daten.

Die Wahl von Micro-USB wirkt auf uns gleichermaßen angenehm wie kurzsichtig. Wir freuen uns zwar, dass das TouchPad eines der wenigen Geräte seiner Art ist, die mit handelsüblichen Kabeln funktionieren. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass nahezu alle anderen Hersteller früher oder später irgendwelche Adapter oder Docks ins Programm aufnehmen, mit denen der Anschluss an Fernseher, Monitore oder anderes Zubehör möglich ist, scheint sich HP soetwas für die nächste Generation aufzusparen.

Im Vergleich zu vielen seiner Konkurrenten fehlt dem Touchpad außerdem ein mechanischer Schalter, der das automatische Mitdrehen des Display-Inhalts auf Wunsch unterbindet. Auf die Funktion selbst muss man zwar nicht verzichten: Sie lässt sich über ein einfaches Pull-Down-Menü per Software aktivieren. Aber ein Schiebeschalter, wie wir ihn beispielsweise vom Acer Iconia Tab oder vom iPad her kennen, ist uns im Praxis-Einsatz deutlich lieber.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu HP TouchPad im Test: iPad-Killer mit einer Handvoll Apps und WebOS?

  • Am 2. Juli 2011 um 08:16 von Kennyks

    Multitasking
    Multitasking könnte besser sein?
    Sorry, aber webOS ist das System in dem Multitasking so sauber implementiert ist. Gerade dies ist eine der größten stärken von diesem System wofür webos weltweit gelobt wird, nur bei euch nicht, wieso auch immer. Da können sich Android und iOS ne Scheibe von abschneiden. Seid ihr sicher, dass ihr wirklich nen touchpad in der Hand hattet?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *