Spiele auf dem Touchscreen? Lange Zeit dachten wir: Soetwas geht gar nicht. Unsere Gedanken klammerten sich an Gaming-Keyboards und Mäuse mit Dutzenden Knöpfen, an Game-Controller und Lenkräder – aber doch nicht an berührungsempfindliche Bildschirme. Und dann kamen iPhones, Android-Handys und Tablets und wir sehen, dass das doch echt viel Spaß macht. Allerdings mit einer ganz anderen Steuerung. Nämlich durch Neigen des Gerätes oder Ziehen von Linien – und damit kommen komplett neue Spiele zum Vorschein, die wirklich Spaß machen. Beispiele gefällig? Hier geht’s zu den 50 besten Android-Games.

Aber die Klassiker, die Jump-’n‘-Runs, die Sidescroller und so weiter – die bleiben auf der Strecke. Es gibt zwar entsprechende Games und Emulatoren, die sogar die Originale von C64, Atari & Co. zum Laufen bringen. Aber die Steuerung erfolgt dann über virtuelle Tasten, die auf dem Touchscreen eingeblendet werden – ohne Druckpunkt, nicht ertastbar. Da bleiben Spaß und Action auf der Strecke.

Arcade-Cabinet fürs Apple-Tablet

Und genau dafür gibt es jetzt endlich Lösungen. In Form eines Handys zum Beispiel – das Xperia Play von Sony Ericsson hat das Gamepad schon eingebaut. Oder in Form des iCade. Das ist ein iPad-Extra im Look eines klassischen Arcade-Cabinet, wie wir es vor einiger Zeit in Groß auch einmal selbst gebaut haben. Das iCade sieht aus wie die Miniaturausführung eines Spielhöllene-Automaten und bringt einen digitalen Vier-Wege-Joystick und acht Feuertasten mit.

Besonders nett ist das iCade auch, wenn man seine Entstehungsgeschichte betrachtet: Ursprünglich war es als Aprilscherz des amerikanischen Gadget-Shops ThinkGeek gedacht. Doch das Echo der potentiellen Kunden war so groß, dass aus dem eigentlich als Fake gedachten Produkt ein kaufbares wurde. Hersteller des Geräts ist Ion Audio, ein Unternehmen, das vor allem in den USA für USB-Plattenspieler und High-End-Schlagzeuge für die Rock-Band-Spieleserie bekannt ist. Ab dem 25. Juli lässt sich der Kasten auch direkt in Deutschland bestellen.

Wie der ursprüngliche Aprilscherz arbeitet auch das tatsächliche Gadget mit dem iPad der ersten und der zweiten Generation zusammen. Bei der Auslieferung handelt es sich beim iCade um einen Bausatz, der vom Käufer montiert werden muss. Das ist kein Hexenwerk – die Bauteile und die Anleitung erinnern uns stark an Ikea. Und: Zumindest unser Testgerät war vollständig 😉

Die Front-, Rück- und Seitenteile sind aus Sperrholz gefertigt und im Retro-Design betruckt. Beim Zusammenbauen hatten wir aufgrund der nicht ganz perfekten Passform der Einzelteile ein paar kleinere Probleme, und dank unserer Ungeduld haben wir es doch tatsächlich geschafft, einen Verbinder aus Kunststoff zu zerbrechen – aber wer vorsichtig zur Sache geht, sollte es auch ohne Schäden hinbekommen.

Losgezockt

Um ein iPad im iCade zu montieren, lässt sich die Oberseite aufklappen. Im Inneren gibt es eine iPad-Aufnahme aus Kunststoff. Das Tablet ist darin aber weder sonderlich solide befestigt noch gibt es einen Dock-Connector für die Strom- oder Datenversorgung: Das Tablet liegt also nur im Inneren des iCade – und der Platz ist viel größer als das Gerät. Das führt bei besonders actionreichen Spieleinlagen dazu, dass das iPad etwas hin- und herrutscht. Dafür kommt man aber mit dem Finger an den Lautstärkeregler, ohne das Tablet herausnehmen zu müssen.

Aber nun wollen wir endlich spielen! Und stolpern gleich über den größten Haken. Denn derzeit gibt es nur eine einzige iPad-App, die mit iCade zusammenarbeitet: Atari iPad. Enthalten sind immerhin 100 klassische Spiele, die wir von Arcade-Automaten aus der Spielhölle und Atari-Heimcomputern kennen. 100 Spiele? Ganz schön viel, allerdings sind viele davon nur Variationen von bekannten Games – also Asteroids und Asteroids Deluxe. Außerdem vermissen wir andere Klassiker wie Pac-Man schmerzlich – na klar, schließlich kommt der Punkte und Geister fressende Halbmond von der japansichen Spieleschmiede Namco und nicht von Atari. Zwar gibt es eine Pac-Man-App fürs iPad – aber die arbeitet, zumindest noch, nicht mit iCade zusammen.

Technisch ist der Arcade-Automat fürs iPad übrigens genial einfach aufgebaut. Er benötigt zwei AA-Batterien, um zu funktionieren, und verbindet sich einfach via Bluetooth mit dem Tablet. Zur Einrichtung sucht man im iPad-Menü nach Bluetooth-Geräten, wählt iCade aus und folgt der gedruckten Anleitung, die sich unter der Klappe auf der Oberseite des Kastens befindet. Man muss den Joystick etwas bewegen und ein paar Tasten drücken – fertig. Einfach und idiotensicher, wobei wir schon froh sind, die Anleitung zu haben. Denn die Feuerknöpfe auf der Vorderseite sind nicht beschriftet.

Am Besten funktioniert der Kasten natürlich in Kombination mit Spielen, die im Original mit dem Joystick bedient wurden. Das ist leider nicht bei allen Games im Hunderterpack der Fall, denn viele Klassiker wie Crystal Castles oder Centipede wurden in den Spielhöllen mit einem Trackball gesteuert. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass es ähnlich befriedigend ist, solche Spiele mit dem Joystick zu spielen wie für den Feuerknüppel gedachte Games mit dem Touchscreen.

Allerdings sind wir guter Dinge. Denn der iCade-Hersteller Ion Audio hat ein Software Development Kit für Entwickler herausgebracht, damit sie ihre Spiele kompatibel machen können. Und sobald es mehr Games gibt, steigt auch der Nutzwert dieses Zubehörs direkt proportional. Außerdem hoffen wir, dass nicht nur das iPad bedacht wird. Da es ohnehin keine Kabelverbindung zwischen der Kiste und dem Tablet gibt, können wir uns gut vorstellen, dass auch Android-Tablets künftig funktionieren.

Fazit

iCade ist nicht perfekt. Die Fertigungsgenauigkeit der Einzelteile könnte besser sein, die Auswahl von Spielen und unterstützten Tablets könnte größer sein, das Tablet könnte stabiler im Inneren sitzen. Aber dieses Gerät ist ein echter Blickfänger für den Schreibtisch oder das Wohnzimmer und es macht wirklich Spaß, die richtigen Games endlich mal wieder mit einem echten Joystick zu bearbeiten.

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Themenseiten: Games, Ion Audio, iPad

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