Microsoft Windows 8 im Vorab-Test: mehr Touchscreen, mehr Apps – mehr Apple?

Heute stellt Microsoft auf der Build-Konferenz im kalifornischen Anaheim den Nachfolger von Windows 7 vor. Das neue Betriebssystem mit dem Namen Windows 8 soll insbesondere bei der Touch-Bedienung Fortschritte machen. Wir hatten bereits vorab die Gelegenheit, eine Vorabversion des neuen OS auf einem Tablet unter die Lupe zu nehmen.

Um es zusammenzufassen: Das von uns ausprobierte Windows 8 wirkt, als säße man in einem Restaurant, hätte gerade eine wunderbare Vorspeise gegessen und wartete bei einem leckeren Aperitiv auf den Hauptgang – doch dieser kommt leider nicht. Unsere ersten Eindrücke von Windows 8 haben Lust auf mehr gemacht, mit dem eingeschränkten Funktionsumfang allerdings enttäuscht.

Update: Microsoft hat auf dem Mobile World Congress 2012 mit der Consumer Preview eine deutlich fortgeschrittenere Version vorgestellt. Wir haben an anderer Stelle einen ausführlichen Vorab-Test von Windows 8 veröffentlicht, der die Neuerungen berücksichtigt.

Windows 8 markiert für Microsoft einen wichtigen Meilenstein. Statt wie bei Windows 7 eine halbherzige Touchscreen-Unterstützung zu integrieren, setzt der Hersteller dieses Mal alles auf die Karte berührungsempfindliche Displays. Julie Larson-Green, Vice-President von Windows 8, sagte am Montag: „Unsere Kunden wollen und erwarten, ihre Bildschirme berühren zu können.“ Sie erzählte auch eine Anekdote von einem bekannten, der in der Kaffee-Industrie tätig ist und nach der Arbeit in den Touchscreen-basierten Produktionsketten immer frustriert ist, in das Touchscreen-lose Büro zurückzukehren.

Und uns geht es nicht so viel anders. Das erste, was wir bei Googles Chromebook versucht haben, war, den Bildschirm zu berühren. Die ubiquitär verbreiteten Smartphones haben uns soweit konditioniert, dass wir von Displays inzwischen erwarten, dass sie berührungsempfindlich sind – ungeachtet deren Größe.

Windows 7 war schon ein Meilenstein für Microsoft – schließlich wurde so die mit Vista eingeführte Architektur endlich erträglich. Aber bei Windows 8 verhält es sich eher, als käme man zu einem Stammrestaurant und fände eine komplett neue Inneneinrichtung und eine erweiterte Speisekarte vor: Wir haben eine gute Vorstellung davon, wie das Dinner ablaufen wird, die genauen Geschmäcker und Gerüche kennen wir allerdings noch nicht.

Windows 8 Metro

Der größte Unterschied zwischen Windows 7 und Windows 8 dürfte das viel diskutierte Metro-Interface sein. Aber handelt es sich bei Windows 8 dann im Wesentlichen um Windows 7, über dem sich eine dicke Mango-Oberfläche breitmacht? Oder beschreitet Microsoft eher zwei Wege und bietet neben der konventionellen Steuerung auch eine Touchscreen-Navigation an?

Zyniker behaupten ersteres, Microsoft vertritt die letztere Variante. Wie die Wahrheit aussieht, lässt sich im Moment nur schwer erahnen. Fest steht, dass Windows 8 die Art und Weise, auf die wir mit Computern interagieren, tiefgreifend verändern könnte.

Es ist nicht die Touchscreen-Bedienung an sich, die in irgendeiner Weise revolutionär wäre. Stattdessen ist es das Metro-Interface, mit dem sich Microsoft erstmals von der klassischen Bedienung löst, die sich über die Jahre oder gar Jahrzehnte in den Köpfen der Windows-Nutzer verankert hat – und das mit den klassischen Fenstern, die Windows schließlich seinen Namen verliehen, gar nichts mehr zu tun hat.

Der Einstieg in Windows 8 gestaltet sich als bemerkenswert einfach – ähnlich wie das erste Starten eines Chromebooks. Auf dem Windows-8-Tablet, das wir zum Ausprobieren hatten, brachte das Betriebssystem innerhalb weniger Sekunden einen grünen Bildschirm aufs Display, in dem wir den Gerätenamen festlegen, die WLAN-Verbindung einrichten und persönliche Informationen eingeben konnten. Analog zum Chromebook kann man sich hier mit seiner Windows-Live-ID einloggen. Ist dieser Vorgang einmal abgeschlossen, vergehen zwischen dem Drücken des Einschalters und dem Erscheinen der Metro-Oberfläche etwa 20 bis 30 Sekunden.

So sieht der Internet Explorer in der Version 10 aus.
So sieht der Internet Explorer in der Version 10 aus.

Das Benchmarken der Hochfahr- und Herunterfahr-Zeiten war relativ einfach: Das Eintippen des Passworts auf dem Touchscreen dauert länger, als das Anzeigen des Login-Screens nach dem Betätigen des Einschalters. In drei Startvorgängen kommen wir auf einen Mittelwert von 5,2 Sekunden. Das Herunterfahren dauert mit durchschnittlich 11 Sekunden etwas länger. Beim Herunterfahren ist Windows 8 damit auf dem Niveau des Vorgängers, das Starten geht allerdings 30 bis 35 Sekunden schneller vonstatten.

Windows 8 startet standardmäßig ins Metro-Interface, das erstaunlich intuitiv ist. Anstelle von Icon sieht sich der Anwender hier in erster Linie Kacheln gegenüber, wie sie auch bei Microsofts Mobil-Betriebssystem Windows Phone 7 die Oberfläche dominieren. Diese Kacheln sind nicht statisch, sondern lassen sich an die jeweiligen Anforderungen des Anwenders anpassen. Das sagt jedenfalls Microsoft, denn dieses Feature konnten wir auf der Build leider noch nicht ausprobieren. Jensen Harris, Director of Program Management für Windows 8 User Experience, hat uns vorgeführt, wie man mit wenigen Fingerstrichen über das Display die Größe und Anordnung der Kacheln verändert, neue Gruppen von Kacheln anlegt und Kacheln zwischen den verschiedenen Gruppen hin und her verschiebt. Leider durften wir auch das nicht selbst ausprobieren.

Das Angebot an Apps für das Metro-Interface hält sich derzeit noch stark in Grenzen. Und alle diese Anwendungen wurden von Praktikanten in wenigen Wochen zusammengeschraubt. In den meisten Fällen steht hier das Teilen von Medien über verschiedene Services hinweg im Vordergrund, darunter Facebook, Twitter, Flickr und Microsofts Windows-Live-Angebote. Bei anderen Anwendungen geht es darum, in den Kacheln Live-Informationen wie Tweets, Status-Updates, Wetternachrichten, Börsenkurse und RSS-News darzustellen.

Neueste Kommentare 

4 Kommentare zu Microsoft Windows 8 im Vorab-Test: mehr Touchscreen, mehr Apps – mehr Apple?

  • Am 14. September 2011 um 17:51 von DerSwitcher

    Nach dem Kopieren kommt der Erfolg
    Tja, so wie immer Microsoft kann eben nicht ohne Apple.
    Wie schon vor Zich Jahren im Kampf vor Gericht, hat Microsoft noch immer keine eigenen Idee :-( Den Kamp vor Gericht verlor Apple, da der damalige (Apple CEO) John Sculley, es Microsoft erlaubte zu kopieren.Heute hätte Apple gute Chancen, dem Gigant Microsoft einige steine in den Weg zu räumen. Aber warum passiert hier nichts? Da werden doch keine Lizenzgebühren bei Apple bezahlt???? Naaaa, sicher wäre ich mir hier nicht.

  • Am 7. Oktober 2011 um 21:13 von lool

    tsss
    Ich frage mich immer was die Leute mit dem dummen kopieren haben. Wie soll man kacheln denn anders designen. Dreieckig? Eine oberfläche ist nunmal eine Oberfläche um etwas bedienen zu können. BMW stellt autos her. Skoda genauso ein Auto ist ein Auto. Mit 4 Rädern. Soll Skoda nun ein Auto mit 10 Rädern bauen nur damit es etwas anders aussieht?

    Außerdem ähnelt es in keinster Weise einem Apple produkt. So etwas in der Art gab es bisher noch nicht. Genauso wie Microsoft Windows Phone 7 gebastelt hat. Logisch, schnell, hübsch intuitiv. Da ist Apples iOS eine graue Maus dagegen.

    Ich bin weder Fan von Microsoft noch Apple. Aber Microsoft ist endlich aufgewacht und könnte Apple nun in die schranken weisen. Bin schon sehr gespannt wie das fertige Windows 8 läuft. Könnte das erste Betriebsprogramm überhaupt sein, dass ich mir für meinen PC kaufen werde.

    Es klingt sehr vielversprechend. Das Design gefällt mir. Es ist dem 21. Jahrhundert würdig!

  • Am 11. April 2012 um 22:47 von Ergotherapeut

    Touchscreenes
    Ob wir dann auch mit dem Finger schreiben können….

    • Am 21. Juni 2012 um 22:15 von Salvi

      AW: Touchscreenes
      Ich will ein ge hacktes Handy

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