Google Wallet: So funktioniert das Bezahlen per Smartphone

Was vor wenigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, rückt in immer greifbarere Nähe. Letzte Nacht hat Google in den USA den Dienst Wallet gestartet. Zwar haben bereits etliche andere Firmen, darunter diverse Mobilfunkprovider sowie die Kreditkartengiganten Visa und American Express eigene mobile Bezahlsysteme angekündigt, doch Google ist als erstes fertig. Ab sofort mit dem Smartphone bezahlen können Besitzer des Google Nexus S, die mit dem Provider Sprint Nextel telefonieren und eine MasterCard von der Citibank haben – also noch ein recht eingeschränkter Kundenkreis. Alternativ zur Citibank-MasterCard bietet Google allerdings auch eine eigene Prepaid-Kreditkarte an, die sich mit jeder anderen Kreditkarte aufladen lässt.

Google hat im Zuge der Wallet-Vorstellung auch Kooperationen mit American Express, Visa und Discover bekanntgegeben – die künftigen Versionen von Google Wallet werden also auch diese Kreditkarten dieser Organisationen unterstützen. „In der Zukunft ist es unser Ziel, dass man alle seine Karten zu Google Wallet hinzufügen und sich dann von seinem riesigen, klassischen Geldbeutel verabschieden kann“, so Osama Bedier, Vice President of Payments bei Google. Wann es allerdings soweit sein wird, verrät der Konzern nicht. Laut John Partridge, Präsident von Visa, wird es allerdings eher Monate dauern, bis Visa-Karten von Google Wallet unterstützt werden.

Bei der Auswahl der Mobiltelefone soll es zukünfig ähnlich aussehen: Es gibt bereits andere Smartphones mit NFC-Chip als das Nexus S, und spätestens zur CES in Las Vegas und zum Mobile World Congress in Barcelona wird die Auswahl deutlich größer werden. Außerdem will Google angeblich in den nächsten Wochen das Nexus Prime vorstellen, dass ebenfalls Near Field Communication unterstützt, und dem iPhone 5 sagt man ebenfalls einen integrierten NFC-Chip nach.

Der NFC-Chip im Handy erlaubt eine sichere Kommunikation zwischen Handy und Bezahlterminal auf kurze Distanz. MasterCard hat in den USA derzeit über 144.000 PayPass-Terminals verteilt, die allesamt Google-Wallet-kompatibel sein sollen. So findet sich beispielsweise in jedem Taxi in New York City eine solche Bezahlstation. Wer Wallet installiert, bekommt eine kostenlose App von MasterCard mitgeliefert, die beim Suchen von entsprechend ausgerüsteten Geschäften hilft. Early-Adopter bekommen aueßrdem eine Zehn-Dollar-Gutschrift.

Allerdings soll die digitale Geldbörse mehr können, als nur bezahlen. Den wirklichen Vorteil sieht Google in den Angeboten, die Geschäfte ihren Kunden machen können. So stehen beispielsweise Bonusprogramme zur Verfügung. Außerdem ist es möglich, maßgeschneiderte Werbung mit darin enthaltenen Sonderangeboten an Wallet-Nutzer zu schicken. Mehr Details zu Sicherheit und Privatsphäre gibt es in der FAQ von Google. In der folgenden Bildergalerie sind unsere ersten Erfahrungen mit Wallet zu sehen.

Offen bleiben jetzt noch zwei Fragen: Google ist zwar als erster auf dem Markt, doch die Mobilfunkprovider arbeiten an eigenen Systemen – und diese könnten dem Suchmaschinengiganten schließlich das Wasser abdrehen, haben sie doch einen großen Teil des Smartphone-Markts und damit auch die auf den verkauften Handys laufende Software unter ihrer Fuchtel. In den USA werden 90 Prozent der Mobiltelefone über die Provider verkauft, so Bill Gajda, Head of Visa Mobile Global.

Auf der anderen Seite warten wir gespannt auf Apples Antwort. Zwar hat der Konzern aus Cupertino keinerlei Pläne bezüglich einer digitalen Geldbörse angekündigt. Doch das iPhone 5 soll angeblich einen NFC-Chip mitbringen, und mit dem iTunes- und App-Store hat Apple bereits eine umfassende Sammlung an Bezahlinformationen und eine potenziell breite Kundschaft.

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