Nikon 1 V1 im Vorab-Test: Edel-Schnappschuss-Kamera mit Wechselobjektiven

Die spiegellosen Systemkameras dürfen der derzeit wohl größte Trend im Bereich Digital Imaging sein. So ziemlich jeder namhafte Digicam-Hersteller hat mindestens ein Modell im Angebot. So ziemlich jeder? Nein, die Marktriesen Canon und Nikon hielten sich bislang vornehm zurück. Bislang, denn heute ist Nikon mit der 1-Serie nachgezogen. Wir hatten bereits die Gelegenheit, die Nikon V1 auszuprobieren.

Dass Nikon heute eine spiegellose Systemkamera vorstellen würde, war kein großes Geheimnis. In den letzten Monaten mehrten sich die Gerüchte im Internet. Doch die technischen Daten waren rar gesät, und so schafft es der japanische Hersteller, trotzdem für eine mächtige Überraschung zu sorgen.

Nach eigenen Angaben arbeitet Nikon bereits seit fünf Jahren an dem System. Vor fünf Jahren war noch keine einzige EVIL-Kamera in Sicht. Und das hinterlässt Spuren, denn das Nikon-1-System ist nicht nur eine weitere Wechselobjektiv-Knipse von einem weiteren Hersteller, sondern beschreitet ganz eigene Wege. Ob das gut oder schlecht ist, haben wir versucht, heute anhand eines Testgeräts herauszufinden.

Beim Bildsensor geht Nikon eigene Wege. Während Sony, Samsung, Olympus und Panasonic auf Chips setzen, die auch schon bei DSLRs der Hersteller zum Einsatz kamen, hat Nikon für die V1 – und die ebenfalls heute vorgestellte J1 – einen komplett neuen CMOS-Sensor entwickelt. Der Chip ist mit Abmessungen von 13,2 mal 8,8 Millimetern (Formatfaktor: 2,7) ein gutes Stück kleiner als die Lichtfänger der Konkurrenten – und damit dürften sich neue Möglichkeiten ergeben, was kompakte Bauweise angeht.

Design

Soweit jedenfalls die Theorie. Denn in der Praxis ist die Nikon V1 alles andere als kompakt. Der Body ist deutlich größer als die aktuellen Systemkamera-Minis Panasonic Lumix DMC-GF3, Sony Alpha NEX-C3 oder Olympus E-PL3. Und auch bei den Optiken macht sich der Unterschied nicht bemerkbar. Das dreifach vergrößernde 10-bis-30-Millimeter-Kit-Zoomobjektiv ist zwar kleiner als Sonys Standardzoom-Linse, aber deutlich größer als Panasonics neues 14-bis-42-Millimeter-PowerZoom der X-Serie. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem 30-bis-110-Millimeter-Telezoom.

Das Pancake ist erwartungsgemäß winzig, bringt aber keinen deutlichen Größenvorteil gegenüber der Konkurrenz. Und die zehnfach vergrößernde 10-bis-100-Millimeter-Linse bewegt sich schon fast in Bazooka-Dimensionen. Die ebenfalls heute vorgestellte Nikon J1 ist etwas kleiner, aber immer noch nicht auf dem Niveau der kompaktesten Konkurrenten.

Beim ersten Blick auf die Rückseite der Kamera denken wir uns: Die hat ja erfreulich viele Tasten, um direkt auf diverse manuelle Einstellungsmöglichkeiten zuzugreifen. Beim zweiten Blick stellen wir fest, dass wir mit grob der Hälfte der Bezeichnungen nichts anfangen können. Und dass etliche Knöpfe fehlen, mit denen wir fest gerechnet hätten. Es gibt zwar ein Modusrädchen, doch P, A, S und M sucht man hier vergeblich. Stattdessen sind hier eine weiße Videokamera, eine grüne Fotokamera, eine weiße Fotokamera mit einem Plus und ein erst einmal nicht identifizierbares Symbol zu sehen.

Wer viel mit anspruchsvolleren Kameras fotografiert, dürfte auf der Rückseite der V1 ein paar Bedienelemente vermissen.
Wer viel mit anspruchsvolleren Kameras fotografiert, dürfte auf der Rückseite der V1 ein paar Bedienelemente vermissen.

ISO-Empfindlichkeit, Art der Belichtungsmessung, Blitzeinstellungen? Fehlanzeige. Dafür gibt es aber beispielsweise eine mit „F“ beschriftete Taste auf der Rückseite, die ein vom Aufnahmemodus abhängiges Menü aufruft. In der Automatik legt der Fotograf hier beispielsweise die Verschlussart fest – mechanisch oder elektronisch – und bestimmt anschließend die Serienbildgeschwindigkeit. Rechts neben der F-Taste gibt es eine kleine Wippe zum Zoomen in Fotos und zum Festlegen diverser Einstellungen. Aber dazu später mehr.

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