Digital Holga Kitchen Sink Kit im Test: DSLRs in Spielzeugkameras verwandeln

Wer hunderte oder gar tausende Euro für eine Spiegelreflexkamera auf den Tisch legt, möchte maximale Bildqualität. Allerdings kann es auch reizvoll sein, die Ansprüche mal zurückzuschrauben, Fehler bei der Abbildungsqualität hinzunehmen und richtig schlechte Objektive auf die DSLR zu montieren – und das beste daraus zu machen. Stichwort: Lomografie. Wir haben das Digital Holga Kitchen Sink Kit ausprobiert, dass unsere moderne Nikon D7000 in eine Spielzeugkamera verwandelt.

Die Plastik-Objektive der Digital-Holga-Serie gibt es nicht nur für Nikon-DSLRs. Auf seiner Webseite bietet der Hersteller auch Optiken für Spiegelreflexkameras von Canon, Pentax, Sony und Olympus sowie für EVIL-Kameras von Olympus, Panasonic, Sony und Samsung an. Das Standardobjektiv verfügt über eine Brennweite von ungefähr 60 Millimetern, bietet eine Lichtstärke von F8,0 und verfügt über vier Fokuszonen von Portraitaufnahme bis Landschaft – fein fokussieren ist hier nicht möglich, aufgrund der bei Blende F8,0 recht hohen Schärfentiefe aber auch nicht nötig. Das Objektiv kostet inklusive Versand gut 20 Euro.

Wer sich mit einer Plastiklinse nicht zufriedengibt und noch drei Nahobjektive, zwei Makrolinsen sowie eine Fish-Eye-, eine Telefoto- und eine Weitwinkel-Optik möchte, braucht das Kitchen-Sink-Kit. Es kostet bei HolgaDirect inklusive Versand nach Deutschland gut 90 Euro. All diese zusätzlichen Objektive werden einfach vorne auf das Standardobjektiv aufgesteckt.

Besonders hochwertig sehen die Digital-Holga-Objektive nicht aus. Dafür sind sie immerhin kompakt und leicht.
Besonders hochwertig sehen die Digital-Holga-Objektive nicht aus. Dafür sind sie immerhin kompakt und leicht.

Warum Plastikobjektive?

Nachdem man das Plastikobjektiv an einer digitalen Spiegelreflex- oder EVIL-Kamera benutzt, kommt man allerdings nicht in den „Genuss“ aller Fehler, die die entsprechenden Kameras mitbringen. Im Wesentlichen fehlen Lichtlecks und die Möglichkeit, den Film zu wechseln. Vignettierungen, Unschärfen, Farbsäume und Lens Flares sind dafür in vollem Umfang vorhanden. Nur wer sich das volle Paket wünscht, sollte seine DSLR- oder EVIL-Kamera durch eine analoge Holga-Filmkamera ersetzen, die zu den Objektiven ebenfalls kompatibel sind.

Es sind die Einschränkungen, die die Holga-Objektive mitbringen, die sie interessant machen. Im Wesentlichen schraubt man das Objektiv auf die Kamera, ist der Blende F8,0 ausgeliefert und sorgt mit passender Verschlusszeit und ISO-Empfindlichkeit für korrekte Belichtung. F8,0 bedeutet, dass man richtig viel Licht braucht – mehr als viermal so viel wie bei F3,5, der größten Blendenöffnung von günstigen Kitobjektiven. Selbst bei an sich recht guten Lichtverhältnissen knipsen wir häufig mit ISO 800 und höher. Daher ist es nicht verkehrt, wenn man eine Kamera mit vernünftigem Rauschverhalten besitzt. Nachdem der Sucher bei der niedrigen Lichtstärke ziemlich dunkel ist, empfiehlt sich außerdem eine Kamera mit Live-View. Wer bei seiner DSLR einen Vorgeschmack haben möchte, braucht bloß im Modus Blendenpriorität die Kamera auf F8,0 einstellen und bei gedrückter Abblendtaste durch den Sucher zu gucken.

Selbst wenn von Belichtungseinstellungen bis Motiv alles perfekt ist, landen nicht immer die gewünschten Ergebnisse auf der Speicherkarte. Die Objektive sind einfach unberechenbar. Aber genau hier liegt ja die Faszination und die Herausforderung der Digital-Holga-Optiken.

Natürlich gibt es auf der anderen Seite auch eine ganze Reihe von Photoshop-Plugins, die die Bildwirkung dieser Objektive nachahmen – beispielsweise von Kubota, Alien Skin und Pixlr-o-matic. Und Smartphone-Besitzer können mit den passenden iPhone- und Android-Apps ebenfalls ähnliche Effekte erzielen. Aber die teilweise zufällig und teilweise geplant phantastischen bis (alp-)traumartigen Ergebnisse und das befriedigende Gefühl, ein abgefahrenes Foto ohne digitaler Bildbearbeitung geschossen zu haben, gibt es nur mit den Holga-Objektiven.

In der folgenden Bildergalerie gibt es eine Handvoll Fotos zu sehen, die wir mit den diversen Digital-Holga-Objektiven geschossen haben.

Fazit

Wer sich mit seiner Fotoausrüstung langweilt und etwas Neues ausprobieren möchte, ohne gleich hunderte Euro auf den Tresen zu blättern, sollte sich die Holga-Optiken durchaus einmal näher ansehen. Auch als Geschenk für einen begeisterten Fotografen sind sie optimal geeignet. Zudem sind die Objektive klein und leicht genug, um sie irgendwie noch fürs gelegentliche Herumexperimentieren in die Fototasche zu quetschen.

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