Schnitt, Ton & Co.: Wie der 3D-Trend auch das 2D-Fernsehen beeinflussen wird

Mit der immer stärkeren Verbreitung von 3D-Fernsehern ist es nur logisch, dass nicht nur immer mehr Kinofilme, sondern in zunehmendem Maße auch TV-Shows in 3D abgedreht werden. Die größte Herausforderung für die Produktionsstudios besteht hier darin, sowohl eine wirkungsvolle zweidimensionale als auch eine gelungene dreidimensionale Version zu liefern. Wie unser Kollege Daniel Terdiman von CNET.com letzte Woche am Set des von Investigation Discovery (ID) produzierten Formats I (Almost) Got Away with It, herausfinden durfte, ist das gar nicht so einfach.

Die allermeisten Zuschauer sehen die Show, bei der es um Verbrecher geht, die dem langen Arm des Gesetzes um ein Haar entkommen wären, in zwei Dimensionen. Dennoch hat das Produktionsstudio Indigo Films für ID kürzlich auch eine 3D-Version für 3Net abgedreht, ein Joint Venture zwischen Discovery, Imax und Sony. Laut dem President und Executive Producer von Indigo Films, David Frank, sollte die dreidimensionale Ausführung allerdings parallel zur 2D-Produktion entstehen – und diese nicht negativ beeinflussen. Franks Aufgabe bestand also darin, beide Formate unter einen Hut zu bekommen.

Während er und sein Team eine Episode über den Kampf der mexikanischen Behörden gegen die Drogenbanden drehten, erfahren wir von David Frank, dass das Aufnehmen selbst gar nicht den problematischen Teil darstellt. Schließlich werden die 3D-Videos einfach mit zwei nebeneinander positionierten Kameras eingefangen. Für die dreidimensionale Version wird Material von beiden Kameras verwendet, für die 2D-Variante nur von einer. Allerdings gibt es eine Reihe von Regeln, die für gelungene 3D-Produktionen wichtig sind.

Ein Beispiel ist laut David Frank etwa die Dauer von einzelnen Szenen. Dauert eine einzelne Einstellung sehr lange, wird vielen Zuschauern schlecht oder sie bekommen Kopfschmerzen. So sind dann zwar die Kameras die gleichen, doch die Rücksichtnahme auf die 3D-Produktion beeinflusst dann auch das Material, das für die 2D-Version zur Verfügung steht. Wenn das stimmt, sollte man bei Fernsehshows demnächst zunehmend schnellere Cuts beobachten können – jedenfalls, wenn die Serie gleichzeitig auch in drei Dimensionen produziert wird.

Außerdem werden auch zunehmend weitwinkeligere Einstellungen zum Einsatz kommen, da sich diese besser für 3D-Videos eignen. Während man bei traditionellen 2D-Aufnahmen einen interessanten Gegenstand heranzoomen muss, lässt sich dieser bei dreidimensionalen Formaten einfach räumlich in den – im wahrsten Sinne des Wortes – Vordergrund stellen, so David Frank.

Ein weiterer Unterschied zwischen 2D- und 3D-Shows betrifft das Tempo. Dreidimensionale Beiträge laufen tendenziell langsamer ab, damit sie ihre volle Tiefe beim Betrachter entfalten können, erklärt uns Frank. Eine Möglichkeit, dies umzusetzen, ist die Wahl der Musik. Die Zuschauer sehen also – egal, ob 2D oder 3D – beispielsweise dasselbe Videomaterial, hören aber eine unterschiedlich schnelle Tonspur. “Für 2D, also die reguläre Version, kommt ein schneller Schnitt zum Einsatz,” so Frank. “Außerdem wird sie schnelle Musik haben, vielleicht Rock’n’Roll oder Schlagzeug… Mit 3D dagegen hat man eine weitere Einstellung, bei der die Bäume oder die Straße hervorstechen, und man bleibt an der Einstellung dran. So wird der Schnitt langsamer, und das Tempo ist generell langsamer. Auch die Musik ist langsamer”. (Bild: Indigo Films)

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