Systemkamera-Kaufberatung: kleine Digicams mit ganz großer Bildqualität im Vergleich

Spiegelreflex- oder Kompaktkamera? Keine leichte Frage. Erstere bieten die beste Bildqualität, zweitere lassen sich dafür unkompliziert mitnehmen. Das beste aus beiden Welten sollen die sogenannten EVIL-Kameras miteinander vereinen – und quetschen große DSLR-Bildsensoren sowie die Möglichkeit zum Objektivwechsel in kleine Gehäuse. Inzwischen gibt es ganze 30 Modelle von sechs verschiedenen Herstellern, die in diese Kameraklasse fallen. Wir haben uns die Unterschiede zwischen den kompakten Systemkameras näher angesehen.

DSLR, kompakte System- beziehungsweise EVIL-Kamera, Kompaktkamera: Wo liegen hier denn überhaupt erst einmal die Unterschiede? Viele Kameras aus völlig unterschiedlichen Klassen sehen auf den ersten Blick fast identisch aus – und liegen dann preislich oder ausstattungstechnisch oft Lichtjahre auseinander. Am Ende dieses Artikels finden sich ausführliche Tabellen mit den technischen Daten sämtlicher EVIL-Kameras von Panasonic, Olympus, Samsung, Sony, Pentax und Nikon.

Warum EVIL – oder warum nicht?

DSLRs und kompakte System- beziehungsweise EVIL-Kameras verfügen in der Regel über große Bildsensoren. Die lichtempfindlichen Chips bewegen sich in puncto Größe üblicherweise zwischen einem Kleinbildnegativ bei Profi-DSLRs und einem Viertel der Fläche bei Olympus’ und Panasonics Digicams mit Wechselobjektiven. Zwei Ausreißer gibt es allerdings: Die Lichtfänger von Nikons 1-Serie sind nur in etwa halb so groß wie die “kleinen” Micro-Four-Thirds-Chips, und Pentax’ 1/2,3-Zoll-Lichtfänger bietet noch einmal um den Faktor Vier weniger Fläche – und ist damit schließlich auf dem Kleiner-Fingernagel-Niveau von gewöhnlichen Schnappschuss-Kompaktkameras angekommen.

Der Unterschied zwischen DSLRs und EVIL-Kameras liegt im Spiegelkasten – DSLRs haben ihn, EVIL-Kameras nicht. Damit bringen EVIL-Kameras keinen optischen Sucher und üblicherweise keinen schnellen Phasenvergleichs-Autofokus mit, sind auf der anderen Seite aber eben deutlich handlicher. Die kleinsten Vertreter dieser Gattung bewegen sich auf dem Niveau von Kompaktkameras mit festen Objektiven. Auch hier gibt es wieder eine Ausnahme: Bei der Nikon 1 V1 und J1 hat der Hersteller einen Phasenvergleichs-Autofokus in den Bildsensor selbst integriert – mit der Folge, dass die beiden Digicams die derzeit schnellsten EVIL-Kameras sind.

Hier ist das Schema einer DSLR zu sehen: Objektiv (1), Spiegelkasten (2) und Bildsensor (3). Den Spiegelkasten sparen sich EVIL-Kameras.
Hier ist das Schema einer DSLR zu sehen: Objektiv (1), Spiegelkasten (2) und Bildsensor (3). Den Spiegelkasten sparen sich EVIL-Kameras.

Kompaktkameras mit festen Objektiven haben schließlich im Vergleich zu EVIL-Kameras einen viel kleineren Bildsensor. Betrachtet man die Fläche, haben selbst die verhältnismäßig kleinen Micro-Four-Thirds-Sensoren gegenüber gewöhnlichen Digicams noch einen Vorteil um den Faktor fünf. Und je mehr Fläche ein lichtempfindlicher Chip bietet, desto besser ist theoretisch auch die Bildqualität. Der Vorteil von den winzigen Digicam-Bildsensoren ist allerdings, dass sich Objektive sehr viel kompakter realisieren lassen – und damit bringt man eben locker mal einen 18-fachen optischen Zoom in der Hosentasche unter. Bei EVIL-Kameras? Keine Chance. Die zoomstärksten Optiken bieten hier ein “nur” 10,7-faches Vergrößerungsvermögen, kosten mit mindestens 700 Euro mehr als die meisten Systemkameras mit Kitobjektiv und sind außerdem extrem sperrig.

Wer viel Zoom für wenig Geld will, kommt um eine Kompakt- beziehungsweise Bridgekamera nicht herum. Das bedeutet allerdings Kompromisse bei der Bildqualität – aus den winzigen Sensoren lässt sich einfach nicht besonders viel herausholen. Das gilt insbesondere bei Aufnahmen im Dunkeln.

Wenig Zoom gepaart mit guter Bildqualität und handlichem Format gibt es sowohl bei Kompakt- als auch bei EVIL-Kameras. Auf der einen Seite stehen Festobjektiv-Modelle mit etwas größeren Bildsensoren, als sie die gemeine Kompaktkamera zu bieten hat – etwa die Panasonic Lumix DMC-LX5, die Samsung EX1, die Fujifilm FinePix X10 oder die Canon PowerShot S100. Auf der anderen Seite finden sich die EVIL-Kameras mit etwas sperrigerem Gehäuse, signifikant größeren Sensoren und eben der Möglichkeit zum Objektivwechsel.

Die Grafik zeigt die Sensorgrößen der verschiedenen Kameras im maßstabsgetreuen Vergleich.
Die Grafik zeigt die Sensorgrößen der verschiedenen Kameras im maßstabsgetreuen Vergleich.

Wie die Grafik zeigt, beginnt die in der Vergangenheit sehr deutliche Lücke allerdings, sich langsam zu füllen. Die Fujifilm X10 bietet mit ihrem 2/3-Zoll-Sensor beispielsweise bereits die Hälfte der Sensorfläche, wie sie Nikons spiegelloses System aufweist.

Wenn die Größe der Fotoausrüstung weniger eine Rolle spielt als die Leistung, dann führt immer noch kein Weg an ausgewachsenen Spiegelreflexkameras vorbei. So sind beispielsweise – wenn man von Sonys extrem hochauflösendem OLED-Sucher absieht, der auch bei der NEX-7 zum Einsatz kommt – die allermeisten elektronischen Sucher immer noch keine echte Alternative zu den optischen Suchern, die Spiegelreflexkameras bieten. Und auch die Kontrast-Autofokussysteme von den meisten EVIL-Kameras, die sich einer Kombination aus Trial & Error und Bildanalyse bedienen, sind noch nicht ganz auf dem Niveau von DSLRs. Bei DSLRs kommen dedizierte Phasenvergleichs-Autofokussensoren zum Einsatz, die die Entfernung zum Motiv messen und das Objektiv direkt an die richtige Fokusposition schicken. Eines steht fest: Der Vorsprung von Spiegelreflexkameras schrumpft und schrumpft – die EVIL-Digicams holen mächtig auf.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Systemkamera-Kaufberatung: kleine Digicams mit ganz großer Bildqualität im Vergleich

  • Am 21. Dezember 2011 um 02:42 von Ingrid Haimerl

    Vergleich von Kompakt-, EVIL- und Spiegelreflexkameras
    Ich fand den Artikel insgesamt sehr interessant. Zu Beginn hatte ich jedoch angenommen, dass er auch Kompaktkameras zum Vergleich herbeizieht. Ich überlege gerade, ob ich mir die Fujifilm X10 oder die Panasonic Lumix DMC-GF3 mit dem neuen Powerzoom 14-42mm (beide ähnlich groß, ähnliche Brennweite und ähnlicher Preis) als Zweitkamera zulege. Da ja nicht nur die Größe des Bildsensors für die Bildqualtät eine Rolle spielt, hoffte ich Infos für meine Entscheidung zu erhalten, was leider nicht der Fall war.

    • Am 31. Dezember 2011 um 23:46 von Martin

      AW: Vergleich von Kompakt-, EVIL- und Spiegelreflexkameras
      Geht mir genauso wie die Ingrid. Kann mich zwischen der der gf oder gx der (Pansonic), Sonxy Nex5n oder Fuji x10 als 2. Kamera nicht entscheiden….

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